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Kaum eine Stadt in Brandenburg ist so häufig von Großbränden heimgesucht worden wie Neuruppin. Feuer schrieben sozusagen die Stadt-Geschichte. Himmelfahrt 1465 brannten große Teile Klosterviertels ab. Fünf Brände überzogen die Stadt allein im 17. Jahrhundert. Doch die Katastrophe, die sich am 26. August 1787 ereignete, überstieg mit ihrer Zerstörungswucht alle vorangegangenen.
Drei Viertel der Stadt brannten an diesem Sonntag nieder. Darunter 415 Bürgerhäuser, die beiden Hallenkirchen, Schulen und das Rathaus. 4000 Obdachlose mussten die ersten Nächte im Freien verbringen. Die Kunde vom Unglück Neuruppins verbreitete sich schnell bis nach Berlin. Es gab große Solidaritätsbekundungen aus dem ganzen Land. Für den Wiederaufbau der Stadt stellte König Friedrich Wilhelm II bis Ende Dezember 1787 zunächst 300 000 Taler bereit. Es wurde statt des spätmittelalterlichen dichten Stadtkerns eine regelmäßige überschaubare Stadtanlage geschaffen, entlang breiter Straßen. Der Wiederaufbau Neuruppins gilt bis in unsere Tage als ein Musterbeispiel des preußischen Provinzialstädtebaus des 18. Jahrhundert. Maßgeblichen Anteil daran hatten der königliche Bauinspektor Bernhard Brasch sowie Bernhard Philipp Francois Berson, der 1787 nach Neuruppin berufen wurde, um die Entwürfe von Brasch künstlerisch umzusetzen. Nicht Größenwahn sondern der Geist der Aufklärung beflügelte die preußischen Stadtplaner. Über 1 Million Reichstaler flossen in 16 Aufbaujahren nach Neuruppin. So großzügig wurde Städtebau in Preußen nie wieder bedacht.
Beitrag von Uta Greschner





