Gedenktafel Jessen (Quelle: rbb)

- Bauernaufstand in Jessen

Die Bauern hatten in den Monaten vor dem 17. Juni besonders gelitten. Überall wo sie sich zu machtvollen Aktionen zusammentaten, erzielten sie Erfolge. Die Anführer allerdings büßten ihr Engagement meist mit langen Haftstrafen.

Große Aktionen der Bauern gab es zum Beispiel in Wusterhausen an der Dosse, wo politische Forderungen wie freie und geheime Wahlen sowie Rücktritt der Regierung ganz oben auf der Agenda standen. In Jessen, im damaligen Bezirk Cottbus, ging es zu allererst um die direkten Interessen der Bauern, die aber letztlich auch in die bekannten politischen Forderungen mündeten.

Es waren vor allem die (Groß-)Bauern aus der Elbaue, die am 17. Juni in der Kleinstadt Jessen (damals Bezirk Cottbus, heute Sachsen-Anhalt) protestierten. Im Schloß war der Sitz der SED-Kreisleitung, dort wollten sie hin und eine Ende der Drangsalierungen fordern, die ihnen die wirtschaftliche Grundlage entzogen und in bester Stalin-Manier ihnen, den "Kulaken", den Garaus machen sollten. So sollte es vorangehen zur "sozialistischen Landwirtschaft".

Die Demonstranten forderten u.a. ein Aufhebung des Schlachteverbots, das Ende der Zwangsevakuierungen und Zwangs-LPG-Gründungen. Außerdem sollten inhaftierte Bauern befreit werden. Sehr bald bildete sich ein großer Demonstrationszug, der durch die Stadt zog. Viele Jessener schlossen sich an  - ein Volksaufstand, der aus den umliegenden Dörfern in die Kleinstadt kam. Die inhaftierten Bauern kamen übrigens tatsächlich frei. Die meisten Anführer des Aufstandes aber wurden schon am Abend des 17. Juni oder am nächsten Morgen inhaftiert und zum Teil zu langen Gefängnisstrafen verurteilt

Beitrag von Christine Stellmacher.