- Frauendorf: ein Park am Ufer der Spree

Der Frauendorfer Park liegt direkt im Ort Frauendorf bei Cottbus (knapp 300 Einwohner) und wird fast vollständig von Spreearmen umgeben. Früher bedeutete das, dass es regelmäßig Hochwasser hier gegeben hat. Erst durch die Regulierung des Flusses und vor allem durch den Talsperrenbau nördlich von Spremberg, hörten die Überschwemmungen auf. Es kam zu einem ungestümen Überwuchern des Ursprünglichen, so dass vom Frauendorfer Park eigentlich kaum noch etwas zu erahnen war.

Dabei war das mal ein recht ansehnlicher Park. Angelegt und gestaltet von Franz Hitze um 1900. Hitze war als Sohn eines Eisenbahnbeamten in Berlin groß geworden und aufgrund wirtschaftlicher Umtriebigkeit zu Geld gekommen. Er lernte Putzmacher und Modist, eröffnete ein kleines Geschäft in Berlin und wechselte nach ein paar Jahren in die Hotelbranche. Schnell war er Eigentümer von zwei Hotels, heiratete dann und kam durch seinen Schwiegervater zum Großhandel mit Cognac, Sekt und Champagner für die Länder Luxemburg, Deutschland und Russland. Zu Geld und Ansehen gekommen erfüllte sich Franz Hitze 1894 einen Kindheitstraum: Er hielt Ausschau nach einem Rittergut und kaufte das in Frauendorf bei Cottbus. Das schon vorhandene Gutshaus riss er ab und errichtete ein Schloss für sich und seine Familie, zu der inzwischen auch drei Kinder gehörten. Das Schloss gibt es heute nicht mehr. Es wurde 1981 gesprengt, da der gesamte Ort dem herannahenden Braunkohlentagebau weichen sollte. Hitze wird nachgesagt, dass er nie ganz seine Herkunft aus eher bescheidenen Verhältnissen verleugnet hat. Er ließ bis zu 50 seiner Angestellten direkt im Schloss mitleben und setzte sich stets für fortschrittliche Arbeitsbedingungen ein. Noch heute sind seine Initialen "F" und "H" an den gelben oder roten Backsteingiebeln der Häuser in Frauendorf zu erkennen. Ob er allerdings auch direkt in Frauendorf Sekt gekeltert hat, bleibt ungewiss. Sein noch lebender Urenkel vermutet eher, dass er von Frauendorf aus den Sekt- und Champagnerhandel über Berlin gesteuert hat. Dieser Urenkel ist heute Ehrenmitglied im Frauendorfer Fördervereien "Spreeaue", der sich im Jahr 2000 gegründet hat. Denn die Frauendorfer, allen voran der Bürgermeister Andreas Schulz, interessierten sich für die Reste des Parks. Eine Untersuchung hat ergeben, dass ca. 400 Pflanzensorten dort wachsen und rund 60 Tierarten dort beheimatet sind. Durch zweimal jährlich stattfindende Einsätze will man der wuchernden Strauch- und Krautschicht Herr werden und langsam nimmt der Park wieder Gestalt an. Ein Beispiel für Heimatverbundenheit, Engagement der Einheimischen und Umweltbewusstsein. Der Park ist ca. 70 000 qm groß. Es gibt kaum Wege, dafür noch ein Teehäuschen, ein Mausoleum und das Grab von Franz Hitze.

Beitrag von Konstanze Schirmer