- Wriezen - eine Hafenstadt

Wriezen an der Oder. So steht es auf alten Stadtansichten. Vor mehr als 200 Jahren lag es tatsächlich an der Oder. Wriezen war der bedeutendste Handelsstandort zwischen Frankfurt und Stettin. Doch Friedrich der Große hat der Stadt das Wasser abgegraben. Als er das Oderbruch trockenlegen ließ, begradigte er den Fluss und verschob ihn 10 km weiter nach Osten.

Den Wriezenern blieb ein schmales Rinnsal, auf dem keine Schiffe mehr fahren konnten. Für die Stadt war das eine kleine Katastrophe, die es zu verhindern galt. Die Einwohner forderten den Schiffsweg wieder ein und legten bauten um 1900 einen den Hafen an aus. Von dem einst so bedeutenden Hafen ist heute nichts mehr zu sehen. Lediglich Reste der früheren Kaimauer ragen aus dem Gras.

Jeden Freitagnachmittag legte ein Dampfer aus Stettin an. An Bord Fässer mit Petroleum, das man für die Beleuchtung brauchte. Im Schlepp große Lastkähne, 40 Meter lang und 5 Meter breit. Heute hält eine Interessengemeinschaft Hafen Wriezen die Erinnerung wach. Denn der Hafenbetrieb lief bis nach dem 2. Weltkrieg. Und so wissen nur noch ganz wenige davon, dass auf dem Wasserweg Kohle aus Schlesien und Kalk aus Rüdersdorf über das Wasser nach Wriezen kam. Rohstoff für die Kalkbrennerei, die unmittelbar am Hafen stand. Begründet hatte sie der Kaufmann Schmelzer, ausgebaut Oskar Klose, dessen Initialen noch immer auf dem Hochofen prangen. Eine Geschichte, die in Vergessenheit geraten ist.

Bericht: Anja Ludewig und Matthias Dautz