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Die Geschichte der Slawen in der Mark ist von vielen Geheimnissen umgeben. Fachleute und Hobbyhistoriker bemühen sich auf ganz unterschiedliche Weise um einen Zugang zu diesen „vergessenen Volk“, wie es manchmal genannt wird. Aber 15 Millionen Deutsche tragen Namen slawischen Ursprungs. Der bekannte Namensforscher Prof. Jürgen Udolph erläutert im Gespräch mit Moderator Gerald Meyer die Zusammenhänge.
Die slawische Einwanderung in den brandenburgischen Raum wird erst auf das fortgeschrittene 7. Jahrhundert datiert, als die Gegend nach der Volkerwanderung weitgehend menschenleer war. Zunächst hinterließ die slawische Besiedlung kaum Spuren. Die kleinen offenen Siedlungen der Slawen lagen an feuchten Niederungen oder direkt an Gewässern – häufig gehen noch heute Ortsnamen auf diese Zeit zurück. Die Slawen wohnten in kleinen, eingegrabenen oder ebenerdigen Blockhäusern. In einem sogenannten Siedlungsausschnitt am Heimatmuseum Dissen kann man neuerdings dieser Zeit wieder nachspüren. Geschichtsinteressierte Bewohner erwecken dort den Alltag und das Handwerk der Slawen wieder zum Leben. Originalfunde werden nur wenige Kilometer entfernt in Raddusch in einer nachgebauten Slawenburg ausgestellt.
Ein besonderes Projekt des archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel widmet sich „Slawen in Europa – 20 Nationen ein Thema“. Ein Gesamtüberblick über die slawische Kultur war lange Zeit aufgrund der Teilung des europäischen Kontinents in West und Ost sowie dem Fehlen einer zentralen Institution nicht realisierbar. Mit den neuen Konstellationen auf der politischen Karte Europas und der EU-Osterweiterung bietet sich nun die Möglichkeit, die regionalen und nationalen Grenzen zu überwinden und frühe slawische Gruppen und Völker durch ihre materiellen Hinterlassenschaft auf neue Weise darzustellen. Dazu kooperieren erstmals Wissenschaftler aus ganz Europa.
Autor: Wolfgang Albus

