Die Halbmondmoschee in Wünsdorf. - Quelle: Museum des Teltow Zossen.

Auf den Spuren des Islam in Brandenburg - Theodor

Vor 100 Jahren wurde im brandenburgischen Wünsdorf die erste Moschee auf deutschem Boden feierlich eingeweiht. Es war das persönliche Geschenk des Kaisers an muslimische Kriegsgefangene. Durch die vermeintlich noble Geste sollten vor allem Soldaten, die im I. Weltkrieg auf britischer, russischer oder französischer Seite gekämpft hatten, zu Überläufern umerzogen werden. Die Architektur der Moschee war wie geschaffen für Bildpostkarten, die massenhaft zu Propagandazwecken eingesetzt wurden.  

Die Sendung im Detail

Schloss Kossenblatt (Quelle: dpa, Patrick Pleul)

Der Rückzugsort des Soldatenkönigs - Schloss Kossenblatt bei Beeskow

Bis auf ein paar kleinere Jagdschlösser hat Friedrich Wilhelm I. während seiner Regentschaft kein einziges Schloss bauen lassen. Auch Kossenblatt, auf einer Spreeinsel bei Beeskow gelegen, ist offenbar als Jagdsclhloss geplant und genutzt worden. Schloss Kossenblatt wurde ab 1702 vom Generalfeldmarschall von Barfus in der jetzigen Form auf den Fundamenten eines alten Herrenhauses gebaut. Der Auftraggeber starb während der Bauarbeiten. In der Folge auch zwei seiner Söhne und die Witwe. Ein Onkel des unmündigen Erben leitete den Verkauf ein. 1736 erwarb König Friedrich Wilhelm I. das Schloss.  

Beim Theodor-Dreh in Kossenblatt

Beim Dreh zugeschaut

Der sogenannte Soldatenkönig Friedrich Willhelm I. galt als ausgesprochener Feind aller Künste. In den derben Männerrunden im Tabakscollegium von Schloss Königs Wusterhausen hatte er sich noch lustig gemacht über Künstler und Wissenschaftler, seinen musisch begnadeten Sohn Friedrich gedemütigt. Von Gichtschmerzen geplagt, wandte sich der Monarch dann in seinen letzten Lebensjahren auf Schloss Kossenblatt bei Beeskow doch noch der Kunst zu. Wir haben versucht, das nachzuempfinden.  Redaktionspraktikantin Morala Cala hat den Dreh durch den Sucher ihres Smartphones beobachtet.  

Hintergrund

Anton von Werner: Die Proklamierung des Deutschen Kaiserreichs von 1871, Quelle: UdK Berlin, Repro: J.-P. Bark

Wie Anton von Werners berühmtestes Bild entstand - Mit einem Telegramm fing alles an

Anton von Werner - ein gelernter Stubenmaler aus Frankfurt (Oder) wird zum staatstragenden Künstler der Kaiserzeit. Mit seiner geradezu fotorealistischen Hofmalerei stellte er sich uneingeschränkt in den Dienst der königlichen und kaiserlichen preußischen Propaganda. Und dennoch ist die Qualität der Arbeiten faszinierend. So auch bei seinem bekanntesten Bild: "Die Proklamierung des Kaiserreichs von 1871"

Dabei wusste der junge Künstler zunächst überhaupt nicht, warum er eigentlich nach Versailles gerufen wurde. Eine Einladung des Kronprinzen auszuschlagen wäre ihm jedoch nie in den Sinn gekommen.  

 

Selbstbildnis Anton von Werners. Ausschnitt. Quelle: Museum Viadrina Frankfurt (Oder)

Der Künstler und seine Heimatstadt - Anton von Werner und Frankfurt (Oder)

Frankfurts Stadtarchivar Ralf-Rüdiger Targiel hat sich seit Jahren mit der Geschichte des berühmten Malers beschäftigt. Natürlich sollte er "etwas Anständiges" lernen, sagt Targiel,  so erwartete es Anton von Werners Vater, ein Tischlermeister, von seinem 1843 geborenen Sohn. Doch schon früh offenbarte der sein Talent.

Adolph Menzels frühe Bilder

Illustration zu Geschichte Friedrichs des Grossen von Franz Kugler, Leipzig 1840

Illustrationen zur Biografie Friedrichs II. - Mit historischem Gespür

Adolph von Menzel hat 1840 eine populäre Heldengeschichte Friedrichs des Großen illustriert. Das von Franz Kugler verfasste Buch war ein großer Erfolg - der junge Menzel wurde bekannt. Kunstwissenschaftler wie der Direktor der Alten Nationalgalerie, Philipp Demandt, attestieren ihm schon für diese Zeit nicht nur künstlerische Qualität, sondern auch eine ausgesprochene Gründlichkeit. „Er geht vor wie ein Historiker, studiert genau Orte und Uniformen, er setzt dann daraus ein neues historisches Bild zusammen.“ 

 

Museumstipps

Theodor Archiv

  • Gerald Meyer vor dem Logo der Sendung "Theodor" (Quelle: rbb)

    Fürstenmaler und Malerfürsten - Theodor vom 22.02.2015

    +++Fidus - der Jugenstilhippie von Woltersdorf+++Friedrich Wilhelm I - Soldatenkönig und Maler+++Anton von Werner und die Kaiserproklamation+++Adolph Menzel - Meister des genauen Hinschauens+++Ostkünstler malt Westkanzler: Bernhard Heisig in Strodehne+++

    Fidus - Der Jugendstilhippie von Woltersdorf

    Fidus – der Getreue. Hinter diesem Namen steckte der als Jugendstilmaler bekannt gewordene Hugo Höppener – er wurde gleichzeitig Synonym für eine breite Gegenbewegung zur Industrialisierung: die Lebensreform. Licht, Luft und Freiheit forderten die Lebensreformer, die eine geradezu prophetische Aufgabe spürten: den Menschen als Teil der Natur zu seiner Vollkommenheit zu führen.

    Der Soldatenkönig als Künstler

    Preußens Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. galt immer als ausgesprochener Feind der Künste. Am Hofe schaffte er jeglichen Prunk ab, demütigte seinen musisch begabten Sohn und machte sich im Tabakscollegium von Königs Wusterhausen über Wissenschaftler und Künster lustig.

    Die Kaiserproklamation - eine Entstehungsgeschichte

    Anton von Werner - ein Stubenmaler aus Frankfurt wird zum staatstragenden Künstler der Kaiserzeit. Mit seiner geradezu fotorealistischen Hofmalerei stellte er sich uneingeschränkt in den Dienst der kaiserlichen Propaganda. Wer immer auf seinen Protokoll-Bildern abgebildet war - sein Platz im Bild entspach dem offiziellen Machtgefüge des Kaiserreichs. Jede Geste, jeder Standpunkt bekam so eine Bedeutung. Die Realität wurde immer wieder diplomatisch korrigiert.

    Adolph Menzel: Der Meister des genauen Hinschauens

    Unter den Gästen der Krönung von Wilhelm I. in Königsberg hatte er wohl den unbequemsten Platz: der Maler Adolph von Menzel. Auf einem wackligen Stuhl in der Menge stehend, skizziert er 1861 wie ein Wilder Blatt um Blatt. Mit seiner Körpergröße von 1,40 Meter hätte er die Zeremonie sonst nicht beobachten können. Zwar ein Auftragsbild - dennoch biedert sich Menzel nicht an. Menzel fühlt sich dem Realismus verpflichtet - das macht ihm nicht nur Freunde.

    Bernhard Heisig in Strodehne

    Im havelländischen Strodehne verbrachte der Maler Bernhard Heisig (1925 - 2011) seine letzten Jahre.  Erst im hohen Alter fand Heisig hier zur Ruhe. Zeitlebens war er Anfeindungen ausgesetzt.

  • Gerald Meyer vor dem Logo der Sendung "Theodor" (Quelle: rbb)

    Theodor vom 08.02.2015

    Faszination Eisen und Feuer
    +++ Der Schatz unter der Grasnarbe +++ Geschäftsfrau Benedicta Margaretha von Löwendal +++ Kunstguss in Lauchhammer +++ Der Künstlerschmied Karl-Heinz Hantel +++ Warum die Kirche von Gruhno schweigen muss +++ 

    Dreh Eisenhüttenwerk Peitz. Quelle: rbb

    Eisenstein - geheimnisvoller Bodenschatz im märkischen Sand

    Tief unterm märkischen Sand liegen viele Schätze: Braunkohle, Kupfer, Silber und sogar Gold. Nach einem Metall mussten sich unsere Vorfahren nur bücken. So genannte Eisensteine liegen im Süden Brandenburgs auf dem Boden verstreut und bildeten über Jahrhunderte den Rohstoff einer florierenden Waffen- und Werkzeugindustrie. Noch zu DDR-Zeiten wurde es eingesammelt.  

    Die Freifrau von Löwendal erlitt schwere Schicksalsschläge. Quelle: rbb

    Geschäftsfrau Benedicta Margaretha von Löwendal

    Die junge Frau Benedicta Margaretha von Rantzau (Nordeutschland) trifft den über 20 Jahre älteren Witwer Woldemar von Löwendal, einen stattlichen Mann mit geschätztem Vermögen von 170.000 Talern. Eine unvorstellbar große Summe, wenn man bedenkt, dass das Jahreseinkommen eines Soldaten bei 25 Talern lag.

    Wie hohle Köpfe zum Exportschlager wurden

    Wer Herrscher und Denker als Statuen im XXL-Format verewigen wollte, bekam schnell Gewichtsprobleme. Massive Figuren waren zu schwer und zu teuer. Und so erforschten zwei Eisengießer in Lauchhammer die technischen Möglichkeiten des Hohlgusses. Als das Experiment endlich gelang, wurden ihre Arbeiten zum weltweit gefragten Exportschlager und ihre Werkstatt zum Magneten für Künstler aus ganz Europa.

    Kunstschmied Karl-Heinz Hantel. Quelle: rbb

    Globalisierung einer Kunstschmiede

    Die Kunstschmiede von Karl-Heinz, Dietmar und Marwin Hantel in Krampnitz agiert weltweit. Drei Genrationen von Kunstschmieden pflegen ihr Handwerk wie es in der Barockzeit betrieben wurde. Werkzeuge, Arbeitsmethoden und die Produkte - alles wie vor 300 Jahren. Das ist teure Handarbeit, für die es bei uns kaum noch einen Markt gibt. Deshalb arbeiten sie jetzt für Kunden in Dubai, Russland, der Ukraine, Großbritannien. Mit ihrer Globalisierung haben sie den 1969 gegründeten Betrieb gerettet.  

    Spenden für neue Kirchenglocken in Gruhno

    Wie viele Kirchen in der Niederlausitz stammt auch die im 117-Seelen-Ort Gruhno bei Finsterwalde aus dem Mittelalter. Sie wurde aus Feldsteinen und Raseneisenerz gebaut. Der backsteinerne Turm ist ein Anbau aus den Jahren 1885/ 86. Wie vielerorts musste auch Gruhno während des ersten Weltkriegs zwei seiner drei Bronzeglocken für Rüstungszwecke abgeben.

  • Gerald Meyer vor dem Logo der Sendung "Theodor" (Quelle: rbb)

    Theodor vom 25.01.2015

    Wohnen-Wohlstand-Wirklichkeit

    +++ Spielkonsolen aus Frankfurt (Oder) +++ Konsumgüter in der DDR +++ Campingwagen aus der Kohle +++ Wegwerfwindeln und Westtapeten +++ Warmes Wasser aus der Wand und andere Wunder +++

    Spielkonsolen aus Frankfurt (Oder)

    Das BSS-01, das Bildschirmspiel 1 aus dem VEB Halbleiterwerk, war das erste Videospiel aus DDR-Produktion. Theodor testet die Uralt-Konsole aus den 1980er Jahren mit heutigen Jugendlichen und erzählt die Geschichte einer aufwändigen Produktentwicklung.

    Campingwagen aus der Kohle

    Das Gaskombinat Schwarze Pumpe produzierte aufgrund seiner Größe eine ganze Reihe von Konsumgütern, von der Kinderwiege über den Beistelltisch bis hin zur Forellenzucht in den Kühlteichen. Das wohl komplexeste Konsumgut war allerdings der Wohnanhänger „Lausitz 310“, der 1985-1990 in dem Kombinat hergestellt wurde - oftmals unter schwierigen Bedingungen. 

    Wegwerfwindeln gegen Westtapeten

    Normalerweise stellte die Schwedter Papierfabrik zu DDR-Zeiten große Rollen für den Industriebedarf her, dazu kostbare Prägetapeten für den Westexport. Aber, da auch hier ein gewisser Prozentsatz des Produktionsvolumens für den Bevölkerungsbedarf verordnet wurde, produzierte das Werk auch Wegwerfwindeln.

    Konsumgüter in der DDR

    Sogenannte Waren des täglichen Bedarfs waren in der DDR immer knapp. Unter anderem eine Folge der radikalen Verstaatlichung des privaten Mittelstands in der DDR-Industrie. Die DDR-Führung verpflichtete daher alle Unternehmen, fünf Prozent ihrer Produktion für Konsumgüter bereitzustellen.

    Warmes Wasser aus der Wand und andere Wunder

    Wohnungen mit Fernwärme-Heizung, die Toilette im Bad (und nicht mehr draußen oder auf dem Flur) und dazu noch gut geschnittene Zimmer mit einem gewissen Komfort– das war die Währung, mit der die neue Stadt an der Oder ihre ersten Einwohnen anlockte. Und das, obwohl es dort am Anfang überhaupt nicht nach besonderem Komfort aussah. 

  • Logo der Sendung "Theodor" (Quelle: rbb)

    Theodor 11.01.2015 18:32

    Französisch bei Hofe +++ Icke, dette, kieke mal - Berliner Jargon +++ Was die Flamen mit Brandenburg zu tun haben +++ Ungewohnt und fast ausgestorben - das Prignitzer Platt +++ Ungewohnt und fast ausgestorben - das Prignitzer Platt +++ Lebuser Platt in Fontanes Literatur +++

    Der alte Fritz mit Sprechblase: Deutsch sei nur gut, um mit den Pferden zu reden.

    Französisch bei Hofe

    Friedrich der Große sprach fließend Französisch, wie es sich für einen Monarchen gehörte. Es war die Zeit der Lingua Franca, Französisch gehörte zum guten Ton, wie heute Englisch Usus ist. Deutsch dagegen sprach der Alte Fritz wie ein Kutscher.

    Mann und Frau auf einer berliner Straße; dazu die Begriffe "knorke,Atze, Keule".

    Icke, dette, kieke mal - Berliner Jargon

    "Etepetete", "Fisimatenten" und "bonfortionös" - diese und andere Begriffe aus dem Berliner Dialekt gehen auf die französisch-protestantischen Hugenotten zurück, denen der Große Kurfürst ab 1685 als Glaubensflüchtlinge in Preußen eine neue Heimat bot. 

    Landschaft mit Bäumen in winterlicher Abendstimmung (RBB).

    Was die Flamen mit Brandenburg zu tun haben

    1159 kamen die Flamen: Markgraf Albrecht der Bär holte sie nach Brandenburg. Sie sollten das Land fruchtbar machen. Vieles Neues brachten die Ankömmlinge den Märkern mit: bessere Pflüge für die Feldarbeit, das Klemmkucheneisen, eine Art Waffeleisen, und auch Flammkuchen. 

    Schiefertafel an der Tür mit Aufschrift "Kinner School Psst!" (RBB).

    Ungewohnt und fast ausgestorben - das Prignitzer Platt

    Die Sprache des platten Landes - im Norden Brandenburgs, in der Prignitz, wurde sie bis ins 20. Jahrhundert in vielen Dörfern gesprochen. Es entwickelte sich zwischen Mecklenburg und der Mark eine ganz eigene Strömung des Niederdeutschen, das Prignitzer Platt.  

    Ins "platte" Oderbruch, auch sprachlich - Fontanes Schlittenfahrt nach Hohen-Vietz, Quelle: F. Pilarski

    Lebuser Platt in Fontanes Literatur

    Unser Namenspatron Theodor Fontane hat nicht nur den Herrn Ribbeck von Ribbeck im Havelland etwas Mundartliches sagen lassen. Gleich in seinem ersten Roman “Vor dem Sturm” bringt Fontane uns das "Lebusische Platt" nah. 

    Ein Spreewälder Ehepaar in Arbeitskleidung am Tisch sitzend (RBB).

    Spreewälder Mundart

    Die ursprüngliche Sprache der Spreewälder ist Niedersorbisch oder allgemein gebräuchlicher: Wendisch - der westlichste Vorposten des slawischen Sprachraums. Allerdings wurde die Sprache der Sorben schon im 19. Jahrhundert so weit zurückgedrängt, dass selbst Fontane bemerkte, mit dem Wendischen sei es ja nicht mehr so weit gediehen. 

  • Gerald Meyer vor dem Logo der Sendung "Theodor" (Quelle: rbb)

    Theodor vom 07.12.2014

    "Mit schönen Grüßen" - Geschichten von Briefen und Postwegen

    +++ Briefe aus Ziesar in die Welt +++ Die größte Rohrpost der Welt +++ Fontane und seine Briefe +++ Kunst auf dem Kuvert

    Günter Wetzel sitzt zu Hause vor seinen Briefschätzen aus aller Welt ( Quelle rbb ).

    Briefe aus Ziesar in alle Welt

    Durch Brieffeunde in fernen Ländern konnten sich DDR-Bürger die große weite Welt nach Hause holen. Auf dem Papier jedenfalls. Der Lehrer Günter Wetzel aus Ziesar hatte so großes Fernweh, dass er sich zeitweise mit 30 Brieffreunden gleichzeitig schrieb.  

    Eingang zum Haupttelegrafenamt in der Oranienburger Strasse in Berlin, der Hauptumschlagbahnhof für die kleine U-Bahn - der Rohrpost. (Quelle rbb)

    Die Geschichte der Berliner Rohrpost

    Das faszinierendste Kommunikationsmittel seiner Zeit war wohl die Berliner Rohrpost. Die kleine U-Bahn, wie sie auch genannt wurde, liegt noch im Untergrund der Hauptstadt.

    Kunst auf dem Kuvert, ein kleines schwarz weiß Bild von Karl Marx wird gerade bunt ausgemalt. ( Quelle rbb )

    Mail-Art: "Wer zuletzt lacht, lacht im Westen"

    Mail-Art, Kunst auf dem Kuvert, war wohl die witzigste Art des Briefwechsels zwischen Ost und West. Man schickte sich Briefe oder Postkarten mit provozierenden Botschaften, die für jedermann sichtbar waren. "Mit besten Wünschen zum Wehrkundeunterricht" stand auf einer zweckentfremdeten Geburtstagskarte.

    Fontane als Briefschreiber

    Fontanes Liebesbriefe im Feuer

    Theodor Fontane, der Namensvetter unserer Sendung, bezeichnete sich selbst als echte Plaudertasche. Er nannte sich sogar einen "Briefschwärmer".

  • Gerald Meyer vor dem Logo der Sendung "Theodor" (Quelle: rbb)

    Theodor vom 23.11.2014

    ... aus dem Jagdschloss Groß Schönebeck mit dem Thema "Jagd und Macht" 

    Sexskandal im Grunewald +++ Irrsinn Staatsjagd +++ Erich Honeckers letzte Jagd +++ Wie die DDR vom Hochsitz aus regiert wurde +++ Der 66-Ender von Briesen

    Szenenbild eines Schwarz-weiß-films: ein Mann zielt mit einem Revolver (Quelle: rbb)

    Sexskandal im Grunewald

    1891 kam es im Jagdschloss Grunewald zu wilden Partys mit sexuellen Ausschweifungen, verwickelt auch Mitglieder der kaiserlichen Familie. Die scheinbar privaten Vergnügungen wurden bald darauf öffentlich. Briefe mit Schilderungen und eindeutige Fotografien machten die Runde.

    Ausschnitt eines Gemäldes das eine Jagdszene zeigt (Quelle: rbb)

    Irrsinn Staatsjagd

    Brandenburgs Kurfürsten und Preußens Könige ließen sich ihr Jagdvergnügen nicht nehmen. Selbst in Zeiten größter Sparanstrengung war das Renommiergehabe der Monarchen eng mit der Jagd verknüpft. Und mit besonderer Rücksichtslosigkeit gegen Mensch und Tier. Die hatte allerdings kaum etwas mit verantwortungsvollem Waidwerk zu tun. Meist war es eine elende Tierquälerei.
     

    Gedenkstein für einen geschossenen Hirsch (Quelle: rbb)

    Erich Honeckers letzte Jagd

    Erich Honeckers Jagdhütte Wildfang in der Schorfheide war so etwas wie das inoffizielle Machtzentrum der DDR. Hier schmiedete der SED-Politiker mit Günter Mittag und Co politische Strategien jenseits des offiziellen Protokolls. Nachdem Erich Honecker am 18. Oktober 1989 vom Politbüro entmachtet wurde, ließ er sich wieder zu seiner Jagdresidenz in die Schorfheide fahren. Und noch am 8. November, einen Tag vor der Maueröffnung, ging der Pensionär auf die Jagd.

    Erich Honecker und weitere Personen betrachten erlegte Hirsche (Quelle: rbb)

    Die DDR - vom Hochsitz aus regiert

    Wie weit sich die DDR vom selbstbehaupteten Arbeiter- und Bauernstaat entfernt hatte, lässt sich gut am Jagdgebaren der Staatspitze ablesen. Ab 1953 ließen sich die höchsten Funktionäre personengebundene Sonderjagdgebiete einrichten - Privilegien wie aus der Feudalzeit.

    vergoldeter Hirschkopf mit Geweih als Jagdtrophähe (Quelle: rbb)

    Der 66-Ender von Briesen

    1696 erlegte Brandenburgs Kurfürst Friedrich III in Briesen bei Frankfurt (Oder) einen kapitalen Rothirsch. Noch heute erinnert ein Denkmal an das - nicht ganz zufällige - Jagdglück des Monarchen. Aus den verwachsenen Geweihschaufeln des Hirschen sprossen 66 Enden! Eine gewaltige Trophäe, mit der sich Politik machen ließ.

  • Gerald Meyer vor dem Logo der Sendung "Theodor" (Quelle: rbb)

    Theodor vom 26.10.2014

    "Enteignet" - Geschichten über den Verlust von Hab und Gut

    +++Zwangsaussiedlung in Lenzen+++Die Optikfirma Scharnbeck in Rathenow+++Schiff ohne Hafen - die Reederei Kutzker in Grünheide+++Bauer Schulze aus Gollwitz und die LPG+++Der Müllplatzfund von Müllrose +++

    Zwangsaussiedlung nach dem Mauerbau

    Theodor erzählt die Geschichte eines Elektroingenieurs aus Lenzen, der sein Haus und sein Geschäft im Oktober 1961 innerhalb weniger Stunden verlassen musste. Nicht, weil es in einer 5-Kilometer-Sperrzone zur Westgrenze lag, sondern weil er als politisch nicht zuverlässig galt.  

    Optiker Scharnbeck - Enteignung in Rathenow

    Privatunternehmer in der DDR? Doch die gab es, nicht nur in der Form kleiner Handwerksbetriebe. 1972 jedoch wurden auch die letzten mittelständischen Betriebe in "sozialistisches Eigentum" überführt, ein Jahr nachdem der neue SED-Chef Honecker an die Macht kam. Von der Privatisierungswelle betroffen war auch die traditionsreiche Optikfirma Scharnbeck aus Rathenow, 1895 gegründet.
     

    Schiff ohne Hafen - ein Reeder bleibt privat

    Seit 1910 gibt es die Familienreederei Kutzker in Grünheide. Mit ihren Ausflugsdampfern befuhr sie jahrzentelang die Berliner und Randberliner Gewässer, Ihre Geschäftsgrundlage waren Verträge mit Ausflugslokalen, an deren Stege die Schiffe hielten. Doch in der DDR-Zeit gab es diese Zusammenarbeit nicht mehr. Die staatliche Weiße Flotte hatte das Monopol und die Kutzkers hatten keine Anlegestellen für ihr letztes Schiff in Familienbesitz. Zudem wurden die Steuern und die Nutzungsgebühren für die Gewässer drastisch erhöht. Für die vorgeschriebenen niedrigen Ticketpreise gab es für die Privaten keine Subventionen.

    Bauer Schulze und die LPG

    Die 1950er Jahre, Bauern unter Druck: Den einen schickten sie Agitatoren mit Lautsprecherwagen vor den Hof. Anderen verweigerten sie die Produktionshilfe durch die Maschinen-Ausleihstationen - und das mitten in der Erntezeit.

    Der Müllplatzfund von Müllrose

    Auf einer Müllkippe tauchen in den 1980er Jahren wertvolle Landkarten auf.  Das Heimatmuseum in Müllrose nimmt sich der Blätter an. Erst jetzt kommt Licht in das Dunkel der Herkunft. Im Zuge der vom Museumsverband angeregten Herkunftsforschung stellt sich heraus, dass die Werke Teil der Sammlung der Grafen von Lynar sind. Die Familie wurde von den Nazis 1944 enteignet, nachdem die Beteiligung des Grafen am Hitlerattentat aufgedeckt wurde.