Presseinformation 2004-174 vom 29.09.2004 - Im Fokus: Der Mauerfall vor 15 Jahren

Am 9. November vor 15 Jahren fiel die Berliner Mauer. Das rbb Fernsehen widmet dem historischen Datum ab Oktober den Programmschwerpunkt „15 Jahre nach dem Mauerfall“ und beleuchtet das Thema vielseitig: mit einer langen „Kontraste“-Nacht über die DDR-Geschichte, zahlreichen Filmen, Dokumentationen, einem Gernsehabend am 6. November und einer Livesendung am 9. November vom ehemaligen Grenzübergang an der Bornholmer Brücke.
Auch die Radiowellen des RBB planen Sonderberichte.

„15 Jahre nach dem Mauerfall“ - Sendungen im Oktober

Lange „Kontraste“-Nacht: Auf den Spuren einer Diktatur
Sendetermin: 2. Oktober, ab 23.50 Uhr

Enthüllend, kritisch, analytisch – so kennen die Zuschauer „Kontraste“. Seit 1968 wird das Politikmagazin für das Erste produziert, erst vom SFB, inzwischen vom RBB. Vor dem Fall der Mauer gab „Kontraste“ wie kaum eine andere Fernsehsendung der DDR-Opposition eine Stimme, veröffentlichte auch über die deutsch-deutsche Grenze geschmuggelte Videos, Fotos und Tonbänder. In der Nacht zum Jahrestag der deutschen Einheit begibt sich „Kontraste“ auf die Suche nach Spuren der SED-Diktatur und nutzt dazu sein großes Archiv. Eine dreiteilige Dokumentation stellt „Kontraste“-Beiträge zur DDR-Geschichte aus den Jahren 1987 bis 2001 zusammen – über sechs spannende Stunden Zeitgeschichte, zu sehen von 23.50 Uhr bis gegen 6.00 Uhr.
Der erste Teil „Aufbruch im Osten (1987-1989)” (23.50 Uhr) zeigt, wie mutige Menschen gegen die SED-Diktatur aufbegehrten und die friedliche Revolution in der DDR möglich machten. Der zweite Teil „Wendezeiten (1990-1991)“ (02.05 Uhr) konzentriert sich auf die Staatssicherheit und ihr Erbe – vom Sturm auf die Stasi-Zentrale bis zur Öffnung der Akten. Teil drei „Alles schon vergessen? (1992-2001)“ (04.30 Uhr) beleuchtet die Schwierigkeiten beim Aufarbeiten der DDR-Vergangenheit.
Gethsemanekirche
Das Ende der Eiszeit im Oktober 1989
Erstsendung. Sendetermin: 3. Oktober, 20.15 Uhr

Die Gethsemanekirche in Berlin Prenzlauer Berg gehört zu den größten Kirchen im Ostteil von Berlin. Seit über 110 Jahren bietet sie auch Andersdenkenden Schutz. Von der Gethsemanekirche gingen im Oktober 1989 entscheidende Signale für eine friedliche Revolution aus. Die Rufe „Keine Gewalt“ wurden mit brutalen polizeilichen Mitteln beantwortet. Es kam zu über 1.000 Festnahmen - ein letztes Aufzucken des untergehenden Staates DDR. Im Film von Hans Sparschuh erinnern sich Zeitzeugen aus Ost und West an diese Zeit.

Berlin-Steinstücken
Die Insel vor der Insel
Erstsendung. Sendetermin: 3. Oktober, 21.00 Uhr

Steinstücken ist ein kleiner Ortsteil zwischen Berlin und Babelsberg mit wechselvoller Vergangenheit. Berühmte Ufa-Schauspieler lebten hier, im Krieg bot Steinstücken ausgebombten Berlinern Schutz, nach 1961 wurde der Ort West-Berliner Exklave im DDR-Gebiet. Barbara Glaubitz hat Gabriele Leech-Anspach getroffen, eine Frau, die seit den 20er Jahren all das selbst erlebt hat.

Wer zu spät kommt...
Honeckers letzter Republik-Geburtstag
Erstsendung. Sendetermin: 7. Oktober, 20.15 Uhr

Am 7. Oktober 1989 ist der schwer kranke SED-Chef Erich Honecker so weit wieder hergestellt, um auf der „Ehrentribüne“ in der Ost-Berliner Karl-Marx-Allee den vorbeiparadierenden Soldaten und Panzern geduldig zuzuwinken. Dass er angeschlagen und müde ist, kann jedoch niemand übersehen. Von der unangefochtenen Machtposition des SED-Chefs ist nicht mehr viel übrig. In den eigenen Reihen lauern „Reformer“ und Machthungrige auf ihre Gelegenheit zum Königsmord.
Der „Hauptschuldige“ daran ist für Honecker der Mann neben ihm auf der Tribüne: Michael Gorbatschow, der Erfinder von Perestroika und Glasnost. Honecker hasst den forschen Reformer aus dem Kreml. Rufe wie „Gorbi, rette uns“ verärgern ihn nun noch zusätzlich. Schon am Abend zuvor, beim großen Fackelzug der Jugend waren ihm immer wieder „Gorbi, Gorbi“-Rufe in die Ohren gefahren. Honecker fühlt sich und die „große Sache“ verraten...
Der Film von Kerstin Mauersberger und Jürgen Ast rekonstruiert den 7. Oktober 1989 als letzte große Anstrengung einer abgewirtschafteten Polit-Riege und stellt dabei die Geschehnisse im und um den Palast der Republik in den Mittelpunkt. Zeitzeugen wie Richard Barkley, US-Botschafter in der DDR, Gorbatschow-Berater Anatoli Tschernajew, Hans Modrow und Walter Momper erinnern sich.


Chronik der Wende
Sendetermin: 7. Oktober, 5.45 Uhr/0.45 Uhr

Ab 7. Oktober wiederholt das rbb Fernsehen täglich morgens sowie nach Mitternacht (7.10., 0.45 Uhr) seine Grimme-preisgekrönte Dokumentationsreihe „Chronik der Wende“. Die 163 Folgen lassen die Zeit zwischen 7. Oktober 1989 und 18. März 1990 in täglichen „Kalenderblättern“ Revue passieren. Eine Zeitreise eineinhalb Jahrzehnte zurück.

15 Jahre nach der Wende hat der RBB das umfangreiche Internet-Angebot www.chronik-der-wende.de überarbeitet und aktualisiert. Hier kann man die spannenden Ereignisse der Wendezeit multimedial nacherleben. Ausgehend von einer täglichen Chronik der Ereignisse findet man eine Fülle von Originaldokumenten in Bild, Text und Ton. Biografien und Begriffe der Wendezeit werden wieder präsent.

„15 Jahre nach dem Mauerfall“ - Sendungen im November

Grenzerfahrung Drewitz/Dreilinden
Film von Stanley Schmidt
Erstsendung. Sendetermin: 1. November, 22.15 Uhr

Sie war ein besonderer Ort auf dem Wege von West-Berlin in den Westen Deutschlands: die Grenzkontrollstelle Drewitz/Dreilinden. Über viele Jahre erlebten die Transitreisenden hier Gefühle der Angst und der Demütigung. Der Staat, der glaubte, seine Bürger einsperren zu müssen, demonstrierte seine Macht – mit schikanösen Abfertigungen oder mit kühl-routinierten Kontrollen, die die Geduld der Reisenden auf harte Proben stellten.

Nur ein paar Mauerreste und ein alter Wachtturm erinnern noch an die Kontrollstelle. Auf dem riesigen Areal haben sich neben zwei Hotels einige kleine und mittelständische Unternehmen angesiedelt. Auffälliger präsentiert sich die gläserne Zentrale des Internet-Händlers eBay.
„Checkpoint Bravo” nannten die Amerikaner den Grenzpunkt Dreilinden. So heißt auch ein Verein von Bürgern aus Kleinmachnow und Berlin-Zehlendorf, der sich der Besonderheit dieses Ortes widmet. Viele interessante Exponate sind erhalten geblieben, darunter Lehrfilme der Stasi. Vor allem aber hat der Verein Zeitzeugen aktiviert: Transitreisende schildern ihre Erlebnisse und Gefühle, Polizisten und Zollbeamte von beiden Seiten verdeutlichen, aus welcher Perspektive sie damals den Transitverkehr erlebten.

GERNSEHABEND: Der Fall der Mauer
Sendetermin: 6. November, ab 20.15 Uhr

Den GERNSEHABEND eröffnet am 6. November um 20.15 Uhr die Dokumentation „Als die Mauer fiel“. Berlin, 9. November 1989: Zehntausende Menschen durchbrechen die Grenzübergänge – fassungslos, vor Freude weinend und jubelnd. Der Todesstreifen zwischen Ost und West verliert seinen Schrecken. Berliner spazieren zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder über den Pariser Platz, berühren die Säulen des Brandenburger Tors, des Symbols der deutschen Teilung. Auf der Panzermauer tanzen Menschen. Das Klopfen der Mauerspechte hallt über den Platz. Bulldozer beginnen am nächsten Abend, den Beton aufzubrechen ... Die Bilder sind bekannt, die Hintergründe weniger.

Umfassend rekonstruiert die TV-Dokumentation, was sich zwischen dem Morgen des 9. und dem Mittag des 11. November 1989 ereignete, als die „erhöhte Gefechtsbereitschaft“ der DDR-Grenztruppen aufgehoben wurde: Was ging in der Führung der SED vor sich? War der Mauerfall etwa das „Opus Magnum” des Staatssicherheitsdienstes? Handelte die SED-Führung auf Anweisung Moskaus? Oder beruhte alles auf einem Irrtum? Bestand die Absicht, den Fall der Mauer gewaltsam rückgängig zu machen? Welche Entscheidungen traf die Bundesregierung? Wie reagierten die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs, der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion? Es war eine historische Situation, die offener und damit auch gefährlicher war, als sie von den meisten in der Euphorie des Augenblicks erlebt wurde.

Ab 21.45 Uhr erzählt der Film „Lebenswende Mauerfall“ die Geschichte von Gabi und Thomas Bracht, die sich kurz vor dem Mauerfall in der DDR kennenlernten. Thomas war Teilnehmer einer Gruppe des Deutschen Jugendherbergswerks, Gabi arbeitete bei „Jugendtourist”, einer FDJ-Organisation. Sie verliebten sich ineinander und begannen nach dem politischen Umbruch ein gemeinsames Leben in Kreuzberg.

Nach „rbb aktuell“ mit Sport wird der GERNSEHABEND ab 22.20 Uhr mit “Fluchtgeschichten“ fortgesetzt. Ein Film über die mörderische Grenze und die riskanten Versuche, sie zu überwinden. Im Sommer 1962 verlässt ein Ausflugsschiff der „Weißen Flotte” den vorgeschriebenen Weg auf der Spree und bringt in einem Husarenstück 14 Flüchtlinge in den Westen. Schüler, die die Grenze täglich vor Augen haben, werden schon bei einem Erkundungsgang aufgegriffen. Ein Ingenieur aus Rüdersdorf springt von einem haushohen Urlaubsschiff in den Bosporus, um frei zu sein ...

„Einfach raus“ – mit diesem Fernsehfilm (ab 23.05 Uhr) von Peter Vogel klingt der GERNSEHABEND aus. Einfach raus aus der DDR – das will der 18-jährige Andreas (Fabian Busch) schon lange. Er träumt davon, im Westen Physik zu studieren. Als im Sommer 1989 während seines Urlaubs in Ungarn die Grenze zu Österreich geöffnet wird, verlässt Andreas seine Eltern und setzt alles auf eine Karte ...

Zehn Jahre nach der Wende entstand dieser überraschend unpolitische und unkonventionell erzählte Film mit Renate Krößner, Cosma Shiva Hagen und Ulrich Mühe in weiteren Rollen.


Aufbruch zur Macht
Eine neue Partei im Herbst 1989
Erstsendung. Sendetermin: 8. November, 22.15 Uhr

Im Spätsommer 1989 gründen sich die Oppositionsbewegungen der DDR. Sie sind es, die auf die Wirklichkeit reagieren: Massenhaft fliehen DDR-Bürger über Prag und Budapest in den Westen. Im Gegensatz zur offiziellen Lesart „Wir weinen ihnen keine Träne nach“ ist den Oppositionsbewegungen das Schicksal ihrer Landsleute durchaus Tränen wert. Eine der ersten offiziellen Bürgerbewegungen war der Demokratische Aufbruch, ein Sammelbecken für Andersdenkende. Die geplante Gründungsveranstaltung am 4. Oktober 1989 wird von der Stasi massiv behindert. Drei Wochen später findet sie dennoch statt – im Berliner Elisabeth-Krankenhaus. Damals dabei waren Günter Nooke, Rainer Eppelmann, Friedrich Schorlemmer, Daniela Dahn und viele andere. Wolfgang Schnur wird zum Vorsitzenden gewählt. Pressesprecherin der neuen Partei wird kurz darauf Angela Merkel.

Anhand von Videoaufnahmen aus der Gründerzeit dokumentiert der Film die Diskussion für eine erneuerte DDR: Die Amateurpolitiker träumen von einer demokratisierten DDR, einem Sozialismus mit menschlichem Antlitz. Schon Monate später weichen die Reformträume der Einheitswirklichkeit. Aus den Amateuren sind Politprofis geworden. Was mit dem Aufbruch zur Freiheit in der DDR begann, endet in den Machtzentralen der deutschen Politik. Der Film von Thomas Grimm zeigt den Anfang dieses Weges.

Die längste Nacht
15 Jahre Mauerfall
Live von der Bornholmer Brücke Berlin
Sendetermin: 9. November, 20.15 Uhr

„Abendschau“-Kameras waren dabei, als in der historischen Nacht des 9. November 1989 die ersten Berliner aus dem Ostteil der Stadt die neuen Reisemöglichkeiten testeten und spontan nach West-Berlin fuhren. An der Bornholmer Brücke filmte das Team u. a. einen Volkspolizisten, der noch kurz vor der Öffnung zum Zurückgehen von der Mauer aufforderte, eine ältere Frau, die sich so hastig auf den Weg machte, dass sie unter dem Mantel nur ein Nachthemd trug, einen Grenzpolizisten der den wohl denkwürdigsten Tag seines Dienstes erlebte, ein Geburtstagskind, das seine Eltern im Westen besuchen will und vor Begeisterung den Grenzpolizisten küsst und viele andere berührende Szenen. Die „Abendschau“ traf diese Menschen jeweils im
5-Jahres-Abstand wieder. So entstanden bereits 1994 und 1999 Spezialsendungen am 9. November. 15 Jahre nach der denkwürdigen Nacht sollen die Beteiligten schildern, mit welchen Gefühlen sie heute die Bilder von damals sehen, wie sie die Ereignisse und ihre Folgen bewerten, was sich für sie geändert hat. Eine Langzeitbeobachtung der besonderen Art, moderiert von Reportern, die in jener Nacht für die „Abendschau“ und die ARD unterwegs waren.
Moderation: Ulli Zelle und Robin Lautenbach

rbb um Mitternacht: 15 Jahre nach dem Mauerfall
Sendetermine: 8. bis 12. November

„Orte des Erinnerns“ (8. November, 0.40 Uhr) führt an den ehemaligen Grenzübergang Drewitz/Dreilinden, zeigt, wie die Erinnerung an die Zeit vor dem Mauerfall bewahrt wird und was heute aus dem Areal des Grenzkontrollpunkts geworden ist. Ein Film von Stanley Schmidt.

„Wo war eigentlich die Mauer?“ (9. November, 1.05 Uhr) . Gerhard Horstmeier, langjähriger SFB-Korrespondent in Ost-Berlin, folgt den Spuren von Berlin-Touristen, die heute oft ratlos die Frage nach der Mauer stellen.

„Modellfall Kleinmachnow“ (10. November, 0.10 Uhr) . Die Gemeinde im Süden der Stadt wächst - ein Musterbeispiel für den Begriff "Speckgürtel". Wie anderswo rund um die Metropole sind vor allem junge Familien zugezogen, schätzen Wohnqualität und Stadtnähe. Doch nirgendwo gab es so viele Streitfälle über Grundstücke, die von Alteigentümern zurückgefordert werden, wie in Kleinmachnow.
Stanley Schmidt hat den Ort besucht.

„Berlin-Steinstücken“ (11. November, 1.10 Uhr - Wiederholung vom 3. Oktober)

„Die Volksvertreter“ (12. November, 0.45 Uhr) . Architektonisch überbrückt das Ensemble der Regierungsgebäude, zu dem auch der Reichstag gehört, die Spree als ehemalige Trennlinie zwischen Ost- und Westteil von Berlin. Doch wie sieht es 15 Jahre nach dem Fall der Mauer aus mit der inneren Einheit? Fühlt sich das ganze deutsche Volk durch den Bundestag vertreten? Stanley Schmidt hat für seinen Film vier Volksvertreter bei der Arbeit begleitet.



Fotos stehen honorarfrei unter www.ard-foto.de zur Verfügung.
Weitere Informationen unter www.rbb-online.de sowie im rbbtext – ab Seite 451.