Presseinformation 2004-173 vom 28.09.2004 - Im Inforadio erzählen Hörer ihre persönlichen Nachwendegeschichten

Ein neuer Job, eine persönliche Beichte, eine neue Liebe, die Verwirklichung eines Traums: 15 Jahre nach dem Fall der Mauer erzählen ab Montag, 4. Oktober, die Hörerinnen und Hörer im Inforadio ihre persönliche Nachwendegeschichte. Bis zum 9. November sind die Erlebnisse immer montags bis freitags um 6.45 und 8.45 Uhr im Nachrichtenprogramm des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) zu hören.

Zum Beispiel die Geschichte von Uta Walker: Sie tanzte als Absolventin der berühmten Palucca-Schule jahrelang klassisches Ballett auf den Bühnen der DDR. Mit dem Fall der Mauer kam die Angst vor der Zukunft. „Ich brauchte Sicherheit“, sagt sie und schulte um. Uta Walker lernte drei Sprachen in zwei Jahren und arbeitet heute als „Executive Assistant“ im Vorstand eines Pharmaunternehmens.
Für den heute 68-jährigen Arzt Lothar Sonnemann aus Frankfurt (Oder) war die Wende ein persönlicher Befreiungsschlag. Er schrieb ein Buch und schilderte darin erstmals seine Kontakte zur Stasi. Selbst seine Frau erfuhr erst beim Lesen des Manuskripts davon.
Von der großen Liebe handelt die Geschichte von Jutta Philipps: Sie zog nach dem Mauerfall in die Niederlande. Der einstige Schokoladenfabrik-Arbeiter André De Vos hatte bereits in den 60er Jahren ihr Herz erobert: mit der Bitte um Briefkontakt, eingeschweißt in eine Schokoladenpackung. Nach dem Fall der Mauer haben sie sich das erste Mal gesehen, mittlerweile sind sie seit über zehn Jahren verheiratet. Auch die Ostberliner Lehrerin Kristina Mehner ist am Ziel ihrer Träume: Sie baute in der Uckermark die Montessouri-Schule auf, die sie sich immer gewünscht hatte.

Im Sommer dieses Jahres hatte Inforadio seine Hörerinnen und Hörer nach ihren persönlichen Nachwendeerlebnissen gefragt. „Die Resonanz war groß und die Geschichten sind schön und hoffnungsvoll, aber auch traurig und bewegend“, so Programmchef Andreas Wertz. „Der offene Umgang mit der persönlichen Geschichte zur Geschichte zeigt, dass die private Einheit schon in großen Teilen vollzogen ist.“

Auch in der Reportagereihe „Nahaufnahme“ spielt das Thema „Nachwendegeschichten“ eine Rolle. Vom 11. bis 15. Oktober und vom 25. bis 29. Oktober, immer um 10.25 und 14.25 Uhr, geht es u. a. um die Technische Universität in Cottbus, die nach dem Fall der Mauer eine attraktive Studienstätte geworden ist, und ums Berliner „Westend“, wo der Fall der Mauer allenfalls ein Luftzug der Geschichte war.

Stillstand und Bewegung nach 15 Jahren Mauerfall behandeln im Oktober auch die Inforadio-Gespräche. Inforadio befragt Experten wie den Psychotherapeuten Hans-Joachim Maaz, der nach der Wende am liebsten alle 16 Millionen DDR-Bürger zum Therapeuten geschickt hätte. Im Gespräch außerdem: u. a. Kerstin Schilling, die in ihrem Buch „Insel der Glücklichen“ die gemischten Gefühle der „Generation West-Berlin“ beschreibt, und Dr. Peter Voegeli, Schweizer Journalist, der als Korrespondent die neuen Länder bereiste und in zahlreichen Artikeln die Veränderungen in Ostdeutschland beschrieben hat – zu hören vom 18. bis 22. Oktober, immer um 10.45 und 14.45 Uhr im Inforadio.


Fotos stehen Ihnen unter www.ard-foto.de honorarfrei zur Verfügung.