Presseinformation 2004-215 vom 18.11.2004 - rbb Fernsehen stellt weitere „Geheimnisvolle Orte“ in Berlin-Brandenburg vor
Zum Programmstart im Frühjahr 2004 hat das rbb Fernsehen bereits sehr erfolgreich „Geheimnisvolle Orte“ in Berlin und Brandenburg erkundet - Orte voller spannender, bisher weitgehend unbekannter Zeitgeschichte, an denen das wechselvolle und schicksalhafte 20. Jahrhundert Zeugnisse hinterließ. Nun wird die Reihe fortgesetzt:
Die erste Spurensuche führt am 25. November zum Teufelsberg, der bis 1992 militärisches Sperrgebiet war. Vom Bau der gewaltigen Hochbunker von Berlin und dem Leben hinter ihren Betonmauern während des Zweiten Weltkrieges berichtet der Film am
2. Dezember. Nach Wünsdorf, in eine Kommandozentrale der Geschichte, führt die Dokumentation am 9. Dezember. Am 16. Dezember geht es um Die Inseln von Berlin – um Schwanenwerder, Pfaueninsel, die Köpenicker Schlossinsel und weitere. Viermal donnerstags um 20.15 Uhr spannende Geschichtslektionen.
Do, 25.11.2004, 20.15 Uhr
Geheimnisvolle Orte
Der Teufelsberg
Film von Harriet Kloss und Markus Thöß
Er ist nur 120 m hoch, aber die Berliner lieben ihren Teufelsberg als Ausflugsziel. Auf den von Trümmerfrauen und Schuttfahrern erschaffenen künstlichen Hügel kamen in den 50er und 60er Jahren Tausende West-Berliner an den Wochenenden zum Wintersport. Sogar internationale Schanzenspringen fanden hier statt. Der Teufelsberg ist aber auch ein Ort, über den man sich viele Geschichten erzählt und der in den vergangenen 60 Jahren immer wieder Menschen zu abenteuerlichen Plänen inspirierte. So errichteten die Alliierten auf der Spitze des Haupthügels einen riesigen Gebäudekomplex, dessen weiße Kuppeln über die ganze Stadt zu sehen sind.
Bis 1992 war der Teufelsberg militärisches Sperrgebiet und im geteilten Berlin einer der wichtigsten Schauplätze des Kalten Krieges. Doch was genau passierte hinter dem dreifach gesicherten Zaun, in dieser modernen High-Tech-Burg, in der bis zu 2.000 Soldaten täglich rund um die Uhr arbeiteten? Auch der kleinere Hügel, auf dem die Berliner gerne Drachen steigen lassen, verbirgt ein dunkles Geheimnis. Unter ihm liegen 17 Meter hohe Gebäude, die zur Hochschulstadt von Albert Speers „Germania” gehören sollten. Und wer weiß schon, dass am Teufelsberg Wein angebaut wurde?
Die Dokumentation „Der Teufelsberg” gibt einen spannenden Einblick in die bewegte Geschichte des Doppelhügels südlich der Heerstraße im Berliner Grunewald. (Erstausstrahlung)
Fragen an die Autoren Harriet Kloss und Markus Thöß:
Was ist das Geheimnisvolle am Teufelsberg?
Der Teufelsberg ist ein künstlicher Berg. Unter ihm liegt die Wehrtechnische Fakultät begraben – und ihre Geschichte. Der Teufelsberg ist ein Trümmerberg – aufgeschüttet aus Ruinen. Und ein Ort der Spionage... Geheimnisse gibt es also genug.
Wer erzählt über die Vergangenheit Ihres „Geheimnisvollen Ortes“?
Geschichten von „ihrem Berg“ können viele Berliner erzählen, von Erlebnissen, die sie hier hatten, von Stunden, die sie hier verbrachten. Hans Adolf Groth, ehemals Student der TH Berlin, ist einer der ganz wenigen Zeitzeugen, der bei der Grundsteinlegung der Wehrtechnischen Fakultät dabei war. Zum ersten Mal äußern sich britische Abhörspezialisten und amerikanische Geheimagenten zu dem „Großen Ohr“, der Abhöranlage Teufelsberg.
Welche Geheimnisse gibt es in Zukunft noch zu lüften in Bezug auf den Teufelsberg?
Nicht das Geheimnisvolle – da wird es im Detail wohl auch noch das ein oder andere zu entdecken geben – sondern das offensichtliche wird die Öffentlichkeit in Zukunft beschäftigen. Nach 1992 liegt das Gelände der ehemaligen Field Station Berlin „brach“. Verfällt und fällt dem Vandalismus anheim. Die Frage nach der Zukunft des Geländes ist brisant – bisher wurden hier in den letzten 12 Jahren Millionen „in den märkischen Sand gesetzt“.
Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?
Agentengeschichten sind kompliziert - und oft überraschend. Das überrascht nicht, damit rechnet man. Erstaunt waren wir über die Geschichte der Wehrtechnischen Fakultät: Hier sollte eine der größten Forschungsstätten für das Dritte Reich gebaut werden und unheilvolle Forschung stand auf dem Lehrplan.
Do, 2.12.2004, 20.15 Uhr
Geheimnisvolle Orte
Die Hochbunker von Berlin
Film von Lutz Rentner und Frank Otto Sperlich
Kurz nach den ersten Luftangriffen auf Berlin 1940 fordert Hitler, in „ganz großem Umfange” neue Luftschutzräume in Berlin zu bauen. Der Grundstein für das Bunkerbauprogramm ist gelegt. Es wird das größte zweckgebundene Bauprogramm der Weltgeschichte. Die ersten Bunker sind festungsartige Flaktürme. Die Kolosse am Zoo, im Friedrichshain und im Humboldthain haben riesige Ausmaße: 70 mal 70 Meter, 42 Meter in der Höhe, die Abschlussdecke 3,50 Meter dick. Im November 1943 eröffnet das Bomber Command die Schlacht um Berlin, die schweren Angriffe beginnen am 18. November 1943. Die Hochbunker werden letzte Zufluchtstätte für die Ausgebombten oder jene, die keine Bleibe in den Luftschutzkellern finden. In den letzten Kriegsmonaten sind die Bunker total überfüllt. Häufig fällt der Strom aus, wird die Luft knapp.
Die Dokumentation von Lutz Rentner und Frank Otto Sperlich erzählt Geschichten vom Bau der gewaltigen Hochbunker und dem Leben hinter den Betonmauern. Zeitzeugen berichten vom Kriegsalltag in den Bunkern. Noch heute stehen in Berlin einige dieser Kolosse aus Beton: der halb zugeschüttete Flakbunker im Humboldthain, die Reichsbahnbunker in der Reinhardtstraße und am Anhalter Bahnhof oder das betonierte Gasometer in der Kreuzberger Fichtestraße. Manche der Hochbunker sind noch heute einsatzbereit. (Erstausstrahlung)
Fragen an die Autoren Lutz Rentner und Frank Otto Sperlich
Was ist das Geheimnisvolle an den Berliner Hochbunkern?
Die Hochbunker von Berlin fallen in der Struktur der Stadt kaum auf, sie sind sichtbar, aber werden nicht richtig wahrgenommen. Vor 60 Jahren waren sie für viele Menschen der Lebensmittelpunkt.
Wer erzählt über die Vergangenheit Ihres „Geheimnisvollen Ortes“?
Unsere wichtigsten Gesprächspartner sind die Berliner, die damals in den Hochbunkern gesessen haben. Dazu haben wir Dietmar Arnold und Reiner Janick vom Verein „Berliner Unterwelten“ als kompetente Gesprächspartner gewonnen.
Welche Geheimnisse gibt es in Zukunft noch zu lüften in Bezug auf Ihren „Geheimnisvollen Ort“?
Besonders im Ostteil der Stadt, sind die Hochbunker nie in der öffentlichen Diskussion gewesen. So haben sich die Ostberliner immer gewundert, was das für ein merkwürdiger Bau in der Reinhardtstrasse ist. Die Geschichte dieser Bunkeranlagen wäre noch aufzuarbeiten, ebenso wie der verschüttete Flakturm im Friedrichshain. Dem will sich vor allem der Verein „Berliner Unterwelten“ im nächsten Jahr annehmen.
Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?
Uns hat am meisten überrascht, wie klar und lebendig die Erinnerungen der Betroffenen waren - nach so vielen Jahren.
Do, 9.12.2004, 20.15 Uhr
Geheimnisvolle Orte
Wünsdorf – Eine Kommandozentrale der Geschichte
Film von Gabriele Denecke
Vermutlich wäre Wünsdorf südlich von Berlin eines jener kleinen Straßendörfer im märkischen Sand geblieben, hätten sich die kaiserlichen Generäle nicht vor knapp einhundert Jahren für diesen Ort als Truppenübungsplatz entschieden. Zusammen mit dem benachbarten Kummersdorf und Sperenberg entwickelte sich Wünsdorf in der Folgezeit zum bedeutendsten militärischen Zentrum Deutschlands. Hier bereitete man sich auf die Kriege des letzten Jahrhunderts vor und von hier aus wurden die großen Schlachten, militärisch wie politisch, gelenkt.
Im „goldenen militärischen Dreieck” Wünsdorf, Kummersdorf, Sperenberg nahmen die Träume von einer Wunderwaffe Gestalt an. Die „Dicke Bertha” wurde im freien Schuss ausprobiert, in den 30er Jahren folgten die ersten Atom- und Raketenversuche. Unter dem Decknamen „Zeppelin” entstand eine der modernsten Nachrichtenzentralen der damaligen Zeit in einer festungsähnlichen Bunkeranlage 17 Meter tief unter der Erde. In unmittelbarer Nähe lagen die bunkerähnlichen Häuser für das Oberkommando des Heeres.
Der Untergang des „Dritten Reiches” bedeutete nicht das Ende der militärischen Nutzung. Auf die Deutschen folgten die Sowjets. Fast 50 Jahre lang, bis 1994, blieb Wünsdorf Sitz des Oberkommandos der Sowjetischen Streitkräfte und damit ein geheimer Ort – betreten verboten.
Spurensuche heute. Die steinernen Zeugen europäischer Militärgeschichte haben Moos angesetzt. Sie erzählen von vergangenem Pioniergeist, Größenwahn und Scheitern. Ihnen gegenüber stehen die Erinnerungen von Zeitzeugen wie Elsbeth Strienitz, die als junges Mädchen im Nachrichtenbunker arbeitete oder Ulrich de Maizière, der 1945 als Offizier im Oberkommando des Heeres die letzten Kriegstage überlebte. (Erstausstrahlung)
Fragen an Autorin Gabriele Denecke:
Was ist das Geheimnisvolle am Ort Wünsdorf?
Geheimnisvoll ist die Gegend um Wünsdorf, weil die Trümmer der Geschichte in den Wäldern verstreut umherliegen. Rätselhafte Bauten, deren Entschlüsselung vom Aufstieg eines Landes zur Weltmacht erzählen und von seinem schmählichen Ende, von Okkupation und dem Scheitern einer gesellschaftlichen Utopie.
Wer erzählt im Film über die Vergangenheit des „Geheimnisvollen Ortes“?
Vom jungen Offizier Ulrich de Maizière, der im Februar 1945 ins Oberkommando des Heeres nach Zossen kommt, über das „Blitzmädchen“ Elsbeth Strienitz, die im Nachrichtenbunker „Zeppelin“ arbeitet und bei einem Telefongespräch ihren späteren Mann kennen lernt, bis zu Jurij Bassistow, der als Verbindungsoffizier in Wünsdorf bei zahlreichen politischen Veränderungen der DDR seine Hände im Spiel hatte.
Welche Geheimnisse gibt es in Zukunft noch zu lüften in Bezug auf Ihren „Geheimnisvollen Ort“?
Warten wir es ab.
Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?
Wie viele Leute, sich für diesen Ort und seine Geschichte interessieren und über Jahre hinweg dem unfertigen Geschichtspuzzle Wünsdorf Teil für Teil hinzufügen, privates Geld investieren und vor allem jede Menge Freizeit.
Do, 16.12.2004, 20.15 Uhr
Geheimnisvolle Orte
Die Inseln von Berlin
Film von Dagmar Wittmers
Am Rande der Großstadt – auf den Seen von Havel und Spree – liegen Berlins Inselparadiese, Eilande mit Geheimnissen. Auf der Pfaueninsel
z. B. gibt es das mysteriöse Labor eines Alchimisten und unterirdische Gänge zum Schloss zu entdecken. Mit der Herrschaft der Nationalsozialisten wird man auf Schwanenwerder konfrontiert: Goebbels und Speer hatten hier ihre Wannsee-Villen. Die Bekanntschaft mit einem echten Inselbesitzer gibt es auf Valentinswerder. Im Barockschloss auf der Köpenicker Schlossinsel sind die Schätze des Kunstgewerbemuseums zu bewundern und der Saal, in dem dem jungen Friedrich dem Großen und seinem Freund Katte einst der Prozess gemacht wurde. Die Filmemacherin Dagmar Wittmers begibt sich auf Entdeckungsreise und erzählt Geschichte in spannenden Geschichten, in schönen Bildern von Architektur und Landschaft.
Fragen an Autorin Dagmar Wittmers:
Was ist das Geheimnisvolle an den Berliner Inseln?
Inseln in Berlin: Kleine Stückchen Land, vom Wasser umgeben, abgeschnitten vom Rest der Welt, mitten in der Großstadt. – Also ideale Orte sich abzuschirmen, im verborgenen zu wirken, unentdeckt zu bleiben.
Wer erzählt im Film über die Vergangenheit der „Geheimnisvollen Orte“?
Der Inselverwalter von Valentinswerder, der älteste Bewohner von Schwanenwerder – der ehemals auch der Berliner Polizeipräsident war, der Gartenbaudirektor der Stiftung preußische Schlösser und Gärten – ein Bewohner der Pfaueninsel, der Direktor der Schulfarm Scharfenberg, der Bürgermeister von Reiswerder und der Pfarrer der Schlosskirche Köpenick erzählen von der geheimnisvollen Vergangenheit der Berliner Inseln.
Welche Geheimnisse gibt es in Zukunft noch zu lüften in Bezug auf Ihre „Geheimnisvollen Orte“?
Längst sind nicht alle Geheimnisse der Berliner Inseln gelüftet. – Da gibt es auch in der Zukunft noch Spannendes zu berichten. Auch Inseln verändern sich. Auf Valentinswerder beginnt in naher Zukunft das Zeitalter der Elektrizität. – Vielleicht kommen dabei auch neue Geheimnisse ans Licht, die man bei Kerzenschein übersehen hat.
Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?
Die überraschendste Entdeckung war, wie viele Geschichten es über das Berliner Inselreich zu erzählen gibt. – Vom vermeintlichen Giftmord auf der Köpenicker Schlossinsel oder einem Alchimisten, dessen Labor auf der Pfaueninsel in Flammen aufging bis hin zu den Naturfreunden auf Reiswerder, die um 1900 die Polizei überlisteten, um im Tegeler See baden zu können.
Die erste Spurensuche führt am 25. November zum Teufelsberg, der bis 1992 militärisches Sperrgebiet war. Vom Bau der gewaltigen Hochbunker von Berlin und dem Leben hinter ihren Betonmauern während des Zweiten Weltkrieges berichtet der Film am
2. Dezember. Nach Wünsdorf, in eine Kommandozentrale der Geschichte, führt die Dokumentation am 9. Dezember. Am 16. Dezember geht es um Die Inseln von Berlin – um Schwanenwerder, Pfaueninsel, die Köpenicker Schlossinsel und weitere. Viermal donnerstags um 20.15 Uhr spannende Geschichtslektionen.
Do, 25.11.2004, 20.15 Uhr
Geheimnisvolle Orte
Der Teufelsberg
Film von Harriet Kloss und Markus Thöß
Er ist nur 120 m hoch, aber die Berliner lieben ihren Teufelsberg als Ausflugsziel. Auf den von Trümmerfrauen und Schuttfahrern erschaffenen künstlichen Hügel kamen in den 50er und 60er Jahren Tausende West-Berliner an den Wochenenden zum Wintersport. Sogar internationale Schanzenspringen fanden hier statt. Der Teufelsberg ist aber auch ein Ort, über den man sich viele Geschichten erzählt und der in den vergangenen 60 Jahren immer wieder Menschen zu abenteuerlichen Plänen inspirierte. So errichteten die Alliierten auf der Spitze des Haupthügels einen riesigen Gebäudekomplex, dessen weiße Kuppeln über die ganze Stadt zu sehen sind.
Bis 1992 war der Teufelsberg militärisches Sperrgebiet und im geteilten Berlin einer der wichtigsten Schauplätze des Kalten Krieges. Doch was genau passierte hinter dem dreifach gesicherten Zaun, in dieser modernen High-Tech-Burg, in der bis zu 2.000 Soldaten täglich rund um die Uhr arbeiteten? Auch der kleinere Hügel, auf dem die Berliner gerne Drachen steigen lassen, verbirgt ein dunkles Geheimnis. Unter ihm liegen 17 Meter hohe Gebäude, die zur Hochschulstadt von Albert Speers „Germania” gehören sollten. Und wer weiß schon, dass am Teufelsberg Wein angebaut wurde?
Die Dokumentation „Der Teufelsberg” gibt einen spannenden Einblick in die bewegte Geschichte des Doppelhügels südlich der Heerstraße im Berliner Grunewald. (Erstausstrahlung)
Fragen an die Autoren Harriet Kloss und Markus Thöß:
Was ist das Geheimnisvolle am Teufelsberg?
Der Teufelsberg ist ein künstlicher Berg. Unter ihm liegt die Wehrtechnische Fakultät begraben – und ihre Geschichte. Der Teufelsberg ist ein Trümmerberg – aufgeschüttet aus Ruinen. Und ein Ort der Spionage... Geheimnisse gibt es also genug.
Wer erzählt über die Vergangenheit Ihres „Geheimnisvollen Ortes“?
Geschichten von „ihrem Berg“ können viele Berliner erzählen, von Erlebnissen, die sie hier hatten, von Stunden, die sie hier verbrachten. Hans Adolf Groth, ehemals Student der TH Berlin, ist einer der ganz wenigen Zeitzeugen, der bei der Grundsteinlegung der Wehrtechnischen Fakultät dabei war. Zum ersten Mal äußern sich britische Abhörspezialisten und amerikanische Geheimagenten zu dem „Großen Ohr“, der Abhöranlage Teufelsberg.
Welche Geheimnisse gibt es in Zukunft noch zu lüften in Bezug auf den Teufelsberg?
Nicht das Geheimnisvolle – da wird es im Detail wohl auch noch das ein oder andere zu entdecken geben – sondern das offensichtliche wird die Öffentlichkeit in Zukunft beschäftigen. Nach 1992 liegt das Gelände der ehemaligen Field Station Berlin „brach“. Verfällt und fällt dem Vandalismus anheim. Die Frage nach der Zukunft des Geländes ist brisant – bisher wurden hier in den letzten 12 Jahren Millionen „in den märkischen Sand gesetzt“.
Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?
Agentengeschichten sind kompliziert - und oft überraschend. Das überrascht nicht, damit rechnet man. Erstaunt waren wir über die Geschichte der Wehrtechnischen Fakultät: Hier sollte eine der größten Forschungsstätten für das Dritte Reich gebaut werden und unheilvolle Forschung stand auf dem Lehrplan.
Do, 2.12.2004, 20.15 Uhr
Geheimnisvolle Orte
Die Hochbunker von Berlin
Film von Lutz Rentner und Frank Otto Sperlich
Kurz nach den ersten Luftangriffen auf Berlin 1940 fordert Hitler, in „ganz großem Umfange” neue Luftschutzräume in Berlin zu bauen. Der Grundstein für das Bunkerbauprogramm ist gelegt. Es wird das größte zweckgebundene Bauprogramm der Weltgeschichte. Die ersten Bunker sind festungsartige Flaktürme. Die Kolosse am Zoo, im Friedrichshain und im Humboldthain haben riesige Ausmaße: 70 mal 70 Meter, 42 Meter in der Höhe, die Abschlussdecke 3,50 Meter dick. Im November 1943 eröffnet das Bomber Command die Schlacht um Berlin, die schweren Angriffe beginnen am 18. November 1943. Die Hochbunker werden letzte Zufluchtstätte für die Ausgebombten oder jene, die keine Bleibe in den Luftschutzkellern finden. In den letzten Kriegsmonaten sind die Bunker total überfüllt. Häufig fällt der Strom aus, wird die Luft knapp.
Die Dokumentation von Lutz Rentner und Frank Otto Sperlich erzählt Geschichten vom Bau der gewaltigen Hochbunker und dem Leben hinter den Betonmauern. Zeitzeugen berichten vom Kriegsalltag in den Bunkern. Noch heute stehen in Berlin einige dieser Kolosse aus Beton: der halb zugeschüttete Flakbunker im Humboldthain, die Reichsbahnbunker in der Reinhardtstraße und am Anhalter Bahnhof oder das betonierte Gasometer in der Kreuzberger Fichtestraße. Manche der Hochbunker sind noch heute einsatzbereit. (Erstausstrahlung)
Fragen an die Autoren Lutz Rentner und Frank Otto Sperlich
Was ist das Geheimnisvolle an den Berliner Hochbunkern?
Die Hochbunker von Berlin fallen in der Struktur der Stadt kaum auf, sie sind sichtbar, aber werden nicht richtig wahrgenommen. Vor 60 Jahren waren sie für viele Menschen der Lebensmittelpunkt.
Wer erzählt über die Vergangenheit Ihres „Geheimnisvollen Ortes“?
Unsere wichtigsten Gesprächspartner sind die Berliner, die damals in den Hochbunkern gesessen haben. Dazu haben wir Dietmar Arnold und Reiner Janick vom Verein „Berliner Unterwelten“ als kompetente Gesprächspartner gewonnen.
Welche Geheimnisse gibt es in Zukunft noch zu lüften in Bezug auf Ihren „Geheimnisvollen Ort“?
Besonders im Ostteil der Stadt, sind die Hochbunker nie in der öffentlichen Diskussion gewesen. So haben sich die Ostberliner immer gewundert, was das für ein merkwürdiger Bau in der Reinhardtstrasse ist. Die Geschichte dieser Bunkeranlagen wäre noch aufzuarbeiten, ebenso wie der verschüttete Flakturm im Friedrichshain. Dem will sich vor allem der Verein „Berliner Unterwelten“ im nächsten Jahr annehmen.
Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?
Uns hat am meisten überrascht, wie klar und lebendig die Erinnerungen der Betroffenen waren - nach so vielen Jahren.
Do, 9.12.2004, 20.15 Uhr
Geheimnisvolle Orte
Wünsdorf – Eine Kommandozentrale der Geschichte
Film von Gabriele Denecke
Vermutlich wäre Wünsdorf südlich von Berlin eines jener kleinen Straßendörfer im märkischen Sand geblieben, hätten sich die kaiserlichen Generäle nicht vor knapp einhundert Jahren für diesen Ort als Truppenübungsplatz entschieden. Zusammen mit dem benachbarten Kummersdorf und Sperenberg entwickelte sich Wünsdorf in der Folgezeit zum bedeutendsten militärischen Zentrum Deutschlands. Hier bereitete man sich auf die Kriege des letzten Jahrhunderts vor und von hier aus wurden die großen Schlachten, militärisch wie politisch, gelenkt.
Im „goldenen militärischen Dreieck” Wünsdorf, Kummersdorf, Sperenberg nahmen die Träume von einer Wunderwaffe Gestalt an. Die „Dicke Bertha” wurde im freien Schuss ausprobiert, in den 30er Jahren folgten die ersten Atom- und Raketenversuche. Unter dem Decknamen „Zeppelin” entstand eine der modernsten Nachrichtenzentralen der damaligen Zeit in einer festungsähnlichen Bunkeranlage 17 Meter tief unter der Erde. In unmittelbarer Nähe lagen die bunkerähnlichen Häuser für das Oberkommando des Heeres.
Der Untergang des „Dritten Reiches” bedeutete nicht das Ende der militärischen Nutzung. Auf die Deutschen folgten die Sowjets. Fast 50 Jahre lang, bis 1994, blieb Wünsdorf Sitz des Oberkommandos der Sowjetischen Streitkräfte und damit ein geheimer Ort – betreten verboten.
Spurensuche heute. Die steinernen Zeugen europäischer Militärgeschichte haben Moos angesetzt. Sie erzählen von vergangenem Pioniergeist, Größenwahn und Scheitern. Ihnen gegenüber stehen die Erinnerungen von Zeitzeugen wie Elsbeth Strienitz, die als junges Mädchen im Nachrichtenbunker arbeitete oder Ulrich de Maizière, der 1945 als Offizier im Oberkommando des Heeres die letzten Kriegstage überlebte. (Erstausstrahlung)
Fragen an Autorin Gabriele Denecke:
Was ist das Geheimnisvolle am Ort Wünsdorf?
Geheimnisvoll ist die Gegend um Wünsdorf, weil die Trümmer der Geschichte in den Wäldern verstreut umherliegen. Rätselhafte Bauten, deren Entschlüsselung vom Aufstieg eines Landes zur Weltmacht erzählen und von seinem schmählichen Ende, von Okkupation und dem Scheitern einer gesellschaftlichen Utopie.
Wer erzählt im Film über die Vergangenheit des „Geheimnisvollen Ortes“?
Vom jungen Offizier Ulrich de Maizière, der im Februar 1945 ins Oberkommando des Heeres nach Zossen kommt, über das „Blitzmädchen“ Elsbeth Strienitz, die im Nachrichtenbunker „Zeppelin“ arbeitet und bei einem Telefongespräch ihren späteren Mann kennen lernt, bis zu Jurij Bassistow, der als Verbindungsoffizier in Wünsdorf bei zahlreichen politischen Veränderungen der DDR seine Hände im Spiel hatte.
Welche Geheimnisse gibt es in Zukunft noch zu lüften in Bezug auf Ihren „Geheimnisvollen Ort“?
Warten wir es ab.
Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?
Wie viele Leute, sich für diesen Ort und seine Geschichte interessieren und über Jahre hinweg dem unfertigen Geschichtspuzzle Wünsdorf Teil für Teil hinzufügen, privates Geld investieren und vor allem jede Menge Freizeit.
Do, 16.12.2004, 20.15 Uhr
Geheimnisvolle Orte
Die Inseln von Berlin
Film von Dagmar Wittmers
Am Rande der Großstadt – auf den Seen von Havel und Spree – liegen Berlins Inselparadiese, Eilande mit Geheimnissen. Auf der Pfaueninsel
z. B. gibt es das mysteriöse Labor eines Alchimisten und unterirdische Gänge zum Schloss zu entdecken. Mit der Herrschaft der Nationalsozialisten wird man auf Schwanenwerder konfrontiert: Goebbels und Speer hatten hier ihre Wannsee-Villen. Die Bekanntschaft mit einem echten Inselbesitzer gibt es auf Valentinswerder. Im Barockschloss auf der Köpenicker Schlossinsel sind die Schätze des Kunstgewerbemuseums zu bewundern und der Saal, in dem dem jungen Friedrich dem Großen und seinem Freund Katte einst der Prozess gemacht wurde. Die Filmemacherin Dagmar Wittmers begibt sich auf Entdeckungsreise und erzählt Geschichte in spannenden Geschichten, in schönen Bildern von Architektur und Landschaft.
Fragen an Autorin Dagmar Wittmers:
Was ist das Geheimnisvolle an den Berliner Inseln?
Inseln in Berlin: Kleine Stückchen Land, vom Wasser umgeben, abgeschnitten vom Rest der Welt, mitten in der Großstadt. – Also ideale Orte sich abzuschirmen, im verborgenen zu wirken, unentdeckt zu bleiben.
Wer erzählt im Film über die Vergangenheit der „Geheimnisvollen Orte“?
Der Inselverwalter von Valentinswerder, der älteste Bewohner von Schwanenwerder – der ehemals auch der Berliner Polizeipräsident war, der Gartenbaudirektor der Stiftung preußische Schlösser und Gärten – ein Bewohner der Pfaueninsel, der Direktor der Schulfarm Scharfenberg, der Bürgermeister von Reiswerder und der Pfarrer der Schlosskirche Köpenick erzählen von der geheimnisvollen Vergangenheit der Berliner Inseln.
Welche Geheimnisse gibt es in Zukunft noch zu lüften in Bezug auf Ihre „Geheimnisvollen Orte“?
Längst sind nicht alle Geheimnisse der Berliner Inseln gelüftet. – Da gibt es auch in der Zukunft noch Spannendes zu berichten. Auch Inseln verändern sich. Auf Valentinswerder beginnt in naher Zukunft das Zeitalter der Elektrizität. – Vielleicht kommen dabei auch neue Geheimnisse ans Licht, die man bei Kerzenschein übersehen hat.
Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?
Die überraschendste Entdeckung war, wie viele Geschichten es über das Berliner Inselreich zu erzählen gibt. – Vom vermeintlichen Giftmord auf der Köpenicker Schlossinsel oder einem Alchimisten, dessen Labor auf der Pfaueninsel in Flammen aufging bis hin zu den Naturfreunden auf Reiswerder, die um 1900 die Polizei überlisteten, um im Tegeler See baden zu können.