Presseinformation 027a/2006 vom 17.08.2006 - Nach ARD-Informationen Deutscher Komplize des spanischen Dopingnetzwerkes identifiziert: der niedersächsische Arzt Markus Choina

Der Arzt Markus Choina aus Bad Sachsa unter schwerem Verdacht: der Mediziner soll aus Deutschland illegal Dopingmittel für den Drogenring von Fuentes beschafft haben - als Chefarzt tätig in Orthopädie-Klinik in Bleicherode in Thüringen - Bundeskriminalamt und Staatsanwaltschaft Göttingen eingeschaltet – zeitgleich polizeiliche Durchsuchungen in Bad Sachsa und Bleicherode - Vorwurf der Beschaffungskriminalität - Medikamente für spanisches Dopingnetzwerk kamen nach Ermittlerangaben aus Deutschland

Die Ausweitung des spanischen Dopingskandals nach Deutschland ist zur Gewissheit geworden: Nach Recherchen der ARD ist der Narkosearzt Dr. Markus Choina aus der niedersächsischen Kleinstadt Bad Sachsa im Südharz als deutscher Komplize des spanischen Dopingnetzwerks von Eufemiano Fuentes identifiziert. „Choina war den bisherigen Ermittlungen zufolge der Mann, der vermutlich über Ignacio Labarta Medikamente für Dopingzwecke illegal aus Deutschland für die Spanier beschafft hat…, so der ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat nach bereits erfolgten Voruntersuchungen des Bundeskriminalamts zeitgleich polizeiliche Untersuchungsaktionen in Choinas Privathaushalt in Bad Sachsa und an seinem Arbeitsplatz im thüringischen Bleicherode veranlasst, die am Donnerstag Vormittag durchgeführt wurden. Der Mediziner Markus Choina ist Anästhesist und einer der Chefärzte der Helios-Klinik in Bleicherode. Die Klinik, die rund 22 km von Choinas Heimatort Bad Sachsa entfernt liegt, ist spezialisiert auf Orthopädie. Ob die Medikamente aus der Klinik, in der Choina arbeitet, oder über andere Kanäle von dem niedersächsischen Arzt beschafft wurden, ist bislang ungeklärt.

Choina soll den ARD-Informationen zufolge Medikamente besorgt und den Transport nach Spanien vermutlich mit Ignacio Labarta abgewickelt haben. Labarta war bis zu der Aufdeckung des Skandals zweiter Sportlicher Leiter des spanischen Profiradteams Communidad Valenciana. Zu den Adressaten in Spanien soll, so Hajo Seppelt vom rbb weiter, die Ehefrau von Eufemiano Fuentes, Christina Perez gehört haben. Die ehemalige Leichtathletin, die in ihrer Karriere einen positiven Dopingtest aufwies, soll als Anlaufstelle in Spanien für den Dopingring ihres Ehemannes gedient haben.

Medikamente, die Choina nach Spanien verschickt haben soll, wurden bei Manolo Saiz, dem Direktor des Profiradteams Liberty Seguros sichergestellt. Dabei handelte es sich unter anderem um das Präparat Synacthen aus deutscher Produktion, das neben anderen Effekten die Eigenproduktion von Kortison im Körper stimuliert. Synacthen war bei den spanischen Dopingrazzien im Kofferraum von Saiz gefunden worden.

„Nach Erkenntnissen der spanischen Ermittler muss es ein großes Dopingnetzwerk in Deutschland analog zu Spanien geben“, so rbb-Reporter Seppelt. Die Polizei in Spanien vermutet, dass auch in Deutschland ein Ärztering zahlreiche Sportler mit Dopingsubstanzen versorgt.