Presseinformation 234/2006 vom 13.11.2006 - RBB-Reihe „Geheimnisvolle Orte“ mit neuen Folgen
Mit neuen Folgen der erfolgreichen Reihe „Geheimnisvolle Orte“ begibt sich der RBB wieder auf Spurensuche. Auch für die aktuelle Staffel werden Orte voller spannender, bisher weitgehend unbekannter Zeitgeschichte erkundet, an denen die letzten beiden Jahrhunderte Zeugnisse hinterließen:
• Der Zoologische Garten Berlin – Geschichte einer Großstadtoase, 16. November, 20.15 Uhr, Erstausstrahlung
• Die Charité, 23. November, 20.15 Uhr, Erstausstrahlung
• Bad Saarow, 30. November, 20.15 Uhr,
Wiederholung vom 8. Dezember 2005
• Die Wolfsschanze, 7. Dezember, 20.15 Uhr, Erstausstrahlung
Der Zoologische Garten Berlin — Geschichte einer Großstadtoase
Ein Film von Dorothea Schildt und Birgit Wolske
Erstausstrahlung
In Berlin scheint ihn jeder zu kennen, doch die Geschichte des Berliner Zoos ist fast unbekannt. Die Dokumentation erzählt die Historie als ein spannendes Stück Zeitgeschichte. Der Zoo wurde 1844 gegründet und ist somit der älteste Zoo Deutschlands. Hier traf sich der deutsche Kaiser mit dem Zar von Russland. In den Zoosälen feierte man die wichtigsten Feste der Stadt, darunter den Kaiser- und Bühnenball, später auch den Filmball.
Im 19. Jahrhundert pflegten die Berliner Zoodirektoren gute Beziehungen zu den Gouverneuren deutscher Kolonien. So wurden nicht nur Tiere, sondern auch Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland gebracht und im Zoo ausgestellt. Ein halbes Jahrhundert lang fanden hier Völkerschauen statt, beliebte Spektakel mit zweifelhaftem Hintergrund.
1932 übernahm Lutz Heck die Leitung des Zoos, ein überzeugter Nationalsozialist und Freund von Hermann Göring. Er richtete einen „Deutschen Zoo” mit Bären und Wölfen ein. Jüdische Mitglieder wurden aus dem Aufsichtsrat gedrängt und jüdische Zooaktionäre mussten ihre Aktien verkaufen. Der Zweite Weltkrieg bedeutete fast das Ende des Zoos. Ein Großteil der Tiere wurde ausgelagert, und von den übrigen kamen die meisten bei Bombenangriffen ums Leben. Kurz vor Kriegsende wurde der Zoo zum Kampfgebiet.
In der geteilten Stadt dann war der Zoo ein Prestige-Objekt des Westens. Hinter den Kulissen sorgten die Pandabären für diplomatische Verwicklungen zwischen Ost und West (Erstausstrahlung).
Die Charité
Ein Film von Gabriele Schwartzkopff
Erstausstrahlung
Die Charité ist weltberühmt. Ihr Ruf begründet sich auf große medizinische Errungenschaften in einer fast 300-jährigen Geschichte. Fast unbekannt aber sind die konkreten Orte, an denen in der Vergangenheit medizinhistorisch Unvergleichliches geschah und an denen berühmte Ärzte wie Ferdinand Sauerbruch, der Medizinpapst Rudolf Virchow, die Nobelpreisträger Robert Koch und Emil von Behring wirkten. Diese Orte machten die Charité zu einem Mekka der Medizin. Manche der alten Kliniken bestehen noch heute, andere sind leere Hüllen mit ungewisser Zukunft. Von wieder anderen existieren nur noch Ruinen — wie in der Ziegelstraße, dem einstigen Weltzentrum für Chirurgie.
Die Dokumentation begibt sich auf Spurensuche. Sie führt in Rudolf Virchows einmaliger Sammlung anatomisch pathologischer Präparate und ins unscheinbare Arbeitszimmer im Reichsgesundheitsamt gegenüber der Charité. Dort entdeckte Robert Koch den Erreger der Tuberkulose. Im ehrwürdigen Anatomischen Institut war es Frauen lange Zeit verboten, Leichen zu präparieren. Der Anblick männlicher Leichen könne sie verderben, befürchtete man.
Ins Institut für Rechtsmedizin brachte man viele von denen, die in Berlin auf unnatürliche Weise ums Leben kamen: Berühmte — wie Flugpionier Otto Lilienthal oder Rosa Luxemburg — und auch unzählige Namenlose.
In der ehemaligen chirurgischen Universitätsklinik in der Ziegelstraße vollbrachte Ernst von Bergmann chirurgische „Wunder” und wurde zum Schrittmacher der medizinischen Entwicklung im 19. Jahrhundert. In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich hier eine NS-Kaderschmiede.
Die Dokumentation erzählt von medizinischen Erfolgen, von Schicksalslinien der Ärzte und Patienten, von Ruhm und Größe der Charité, aber auch von Elend und Schuld (Erstausstrahlung).
Bad Saarow
Ein Film von Gabriele Denecke
Wh. vom 8. Dezember 2005
Bad Saarow — Künstlerkolonie und Kurort am Scharmützelsee. Hier traf sich zu allen Zeiten die Prominenz aus Kultur, Politik und Sport. Bad Saarow — ein kleiner, aber feingeistiger Wald- und Wasservorort einer Weltstadt.
Max Schmeling, der hier ein Landhaus hatte, saß seinem Nachbarn, dem Bildhauer Josef Thorak, Modell. NS-Körperkult in Bronze. Hitlers Testpilotin Hanna Reitsch flog über den See und versuchte, an Ballons hängende Stahlseile zu kappen. Reichspostminister Ohnesorge ließ Bunker bauen, in denen Anlagen zur Anreicherung von waffenfähigem Uran verborgen waren. Während deutsche Truppen Krieg in aller Welt führten, ging auf dem Scharmützelsee ein Ozeandampfer unter: Die Titanic versank für die Ufa im Süßwasser.
Zum Kriegsende kamen sowjetische Truppen nach Bad Saarow, ganze Areale wurden für Jahrzehnte in Beschlag genommen: Zutritt verboten. Was übrig blieb, erklärte die DDR zum „Bad der Werktätigen”. Die Villen in bevorzugter Lage mit Seeblick gehörten wie in der Vergangenheit der Prominenz aus Politik und Kultur.
Die Wolfsschanze
Ein Film von Lutz Rentner
Die Wolfsschanze war das berühmteste der Führerhauptquartiere im Zweiten Weltkrieg. Ein Ort, der damals in der Öffentlichkeit geheim gehalten wurde und um den sich Legenden und Gerüchte ranken. Ein deutscher Schicksalsort.
In der Wolfsschanze lebten etwa 2.000 Menschen. Hier wurden die Entscheidungen getroffen, die Deutschland in die Katastrophe führten. Die Vernichtung der Juden wurde hier mit den SS-Führern Himmler und Heidrich besprochen, Goebbels trug in der Wolfsschanze die Idee des totalen Krieges vor. Nicht zuletzt ist sie ein Ort, an dem Hitler seine irrationalen militärischen Entscheidungen fällte.
Die Wolfsschanze ist aber nicht nur Sinnbild für die grausamste deutsche Diktatur, hier war auch das andere Deutschland: die Männer des 20. Juli, die Hitler töten wollten.
Die Wolfsschanze war von Anfang an größer konzipiert als alle Führerhauptquartiere zuvor, obwohl der Krieg im Osten in nur sechs Wochen beendet sein sollte. Den Auftrag zum Bau erhielt die „Organisation Todt”. Unter dem Decknamen „Chemische Werke Askania” begannen im Herbst 1940 die ersten Bauarbeiten. Am 20. November 1944 verließ Hitler die Wolfsschanze und verlegte sein Quartier an die Westfront.
1946 begannen deutsche Kriegsgefangene und polnische Arbeiter, die Wolfsschanze zu demontieren. Alle verwertbaren Teile wurden für den Wiederaufbau des Warschauer Flughafens verwendet. Heute besichtigen durchschnittlich eine Viertelmillion Besucher, größtenteils aus Deutschland, die Wolfsschanze.
Die Dokumentation erzählt aus der Sicht der Bediensteten, der Wachmannschaften und der Anwohner im nahe gelegenen ehemaligen Rastenburg über die Verführungen der NS-Ideologien und die Mythen um Hitler (Erstausstrahlung).
Honorarfreie Pressefotos stehen unter www.ard-foto.de zur Verfügung.
Pressekontakt: Claudia Korte-Hempel, Tel. (030) 97993-12106.