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Deutschland tut sich immer noch schwer mit der Integration von gut ausgebildeten Migranten. Die Hürden für die Anerkennung einer im Ausland erlangten Qualifikation liegen hoch und die Kriterien sind alles andere als transparent.
Julia Grass kommt aus Russland, Magdalena Nowak und Mariola Schenkel aus Polen. Alle drei leben seit Jahren in Deutschland und wollten sich ihre im Ausland erlernten Berufe hier anerkennen lassen. Das neue Anerkennungsgesetz, seit April 2013 in Kraft, sollte es ihnen leichter machen. Doch sie haben das Gegenteil erlebt.
Medizinische Ausbildung nutzlos
Julia Grass wollte in ihrem Beruf als Feldscher arbeiten - in Deutschland vergleichbar mit einer Sanitäterausbildung. Doch die Gesundheitsbehörde in Berlin lehnte ihren Antrag ab - mit der Begründung, es gebe hierzulande keinen vergleichbaren Beruf. Falsch, sagt Dr. Bettina Englmann. Die Politologin untersucht seit Jahren die Anerkennungspraxis in Deutschland. Sie stellt auch hier fest: Die Beamten kennen das neue Gesetz nicht. Das besagt: Stärker als bisher müssen Anerkennungsstellen die Berufserfahrung berücksichtigen. Und das ist hier nicht geschehen. Sieben Jahre arbeitete Julia Grass in Russland auf einer Rettungsstation, hat exzellente Zeugnisse. Heute macht sie eine Ausbildung zur Altenpflegerin.
Anerkennung als Lehrer
Auch Magdalena Nowaks Berufserfahrung zählte nicht. Die polnische Philologin wurde nach ihrem Magisterstudium in Breslau nicht – wie erhofft – als Lehrerin an einer staatlichen Schule angestellt. Dabei hatte sie versucht, alles richtig zu machen: Sie legte die höchste deutsche Sprachprüfung ab. Sie studierte nachträglich in Polen noch ein zweites Fach, weil sie wusste, dass deutsche Lehrer zwei Fächer studiert haben müssen. Trotzdem wurde auch ihr Antrag abgelehnt: Sie erfülle die umfangreichen Anforderungen - vor allem im zweiten Fach – nicht. Die Hürden zur Anerkennung des Lehrerberufes sind für Ausländer zu kompliziert und zu hoch, meint dagegen Englmann. Den richtigen Weg habe Hamburg aufgezeigt: Dort dürfen auch ausländische Lehrer mit nur einem Fachabschluss in den Schuldienst. Ein Erfolgsmodell – und – die Ausnahme. So arbeitet Magdalena Nowak bis heute nicht im Berliner Schuldienst, sondern seit zehn Jahren als Polnisch-Dozentin in der Erwachsenenbildung an Volkshochschulen.
Traumberuf Kindergärtnerin
Wie kompliziert ein Berufsweg für Ausländer werden kann, erlebte auch Mariola Schenkel. Sie hatte endlich ihren Traumberuf Kindergärtnerin gefunden, eine einjährige Ausbildung absolviert und für anderthalb Jahre gearbeitet. Dann war Schluss. Ihr fehlte eine staatlich anerkannte Prüfung. Doch um die machen zu können, musste sie einen Berufsabschluss nachweisen. Sie wollte sich deshalb ihren ursprünglich erlernten Beruf – Friseurin – anerkennen lassen. Das wurde von der Handwerkskammer abgelehnt. Sie hatte in Polen nur zwei Jahre gelernt – in Deutschland sind drei Jahre vorgeschrieben. So ist Mariola Schenkel jeder Weg zur staatlichen Weiterbildung versperrt. Seit Mai dieses Jahres ist sie arbeitslos. Man hat ihr jetzt einen Job angeboten – in einer Beratungsstelle für Migranten.
Beitrag von: Marina Farschid








