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Mit einem guten Testsiegel lässt sich werben und die Produkte verkaufen sich fast von selbst. Bei der Stiftung Warentest war das Siegel bisher fast umsonst, seit Juli sind die Gebühren drastisch gestiegen.
Testsiegel können eine praktische Einkaufshilfe für den Verbraucher sein. Er erfährt auf einen Blick etwas über die Qualität eines Produkts oder einer Dienstleistung. Doch inzwischen gibt es so viele Siegel auf dem Markt, dass der Überblick schwerfällt. Was genau getestet wurde, ist nicht immer klar. Da wird zum Beispiel das beste Möbelhaus ausgelobt, näher untersucht wurde aber nur der Service der Anbieter.
Das größte Vertrauen genoss bisher die Stiftung Warentest – quasi die Mutter aller Testsiegel. Seit einem halben Jahrhundert steht sie für objektive und unabhängige Untersuchungen. 7.500 Waren und Dienstleistungen haben die Berliner bisher getestet. Das Testheft hat keine Werbeanzeigen, um die Unabhängigkeit von Unternehmen sicher zu stellen. Die Stiftung finanzierte sich bisher nur durch den Heftverkauf, das Stiftungskapital und staatliche Zuschüsse.
Logo-Lizenz-System seit Juli
Seit Juli dieses Jahres haben die Tester eine neue Einnahmequelle: Das Logo-Lizenz-System. Zahlten Unternehmen für das Werben mit dem Siegel bisher nur eine Bearbeitungsgebühr von 500 Euro, müssen sie jetzt bis zu 15.000 Euro pro Jahr überweisen, um mit dem Siegel auf ihrem Produkt werben zu dürfen. Die Einführung des Lizenz-Systems erfolgt ein halbes Jahr nach dem ersten Verlust der Stiftung überhaupt. 2012 rutschte sie mit knapp 1,2 Millionen Euro in die Miesen. Die Stiftung bestreitet aber einen Zusammenhang zwischen den finanziellen Problemen und der Einführung des Logo-Lizenz-Systems. Die Siegelvergabe an die Unternehmen erfolge durch ein unabhängiges Institut. Die Einnahmen würden ausschließlich in zusätzlichen Verbraucherschutz fließen, zum Beispiel würde die vertragsgerechte Nutzung des Siegels kontrolliert.
Kritik von Ökotest und Marketingexperten
Andere kritisieren die Kommerzialisierung, zum Beispiel der Chefredakteur von Ökotest. Durch den Verkauf des Siegels sei die Glaubwürdigkeit gefährdet, denn es könne der Verdacht entstehen, dass Testergebnisse auch deshalb sehr gut oder gut ausfallen, weil nur für solche Testergebnisse von den Herstellern Lizenzgebühren für ein Test-Label gezahlt werden.
Und auch Marketingexperten sehen die Vermarktung des Logos kritisch. Schnell sei der Verdacht in der Welt, es gebe einen Zusammenhang zwischen den Testergebnissen und dem Verkauf des Siegels. Die Stiftung sei dann immer im Erklärungszwang. Der Handel befürchtet außerdem, dass die Bedeutung des Warentest-Siegels für den Verbraucher abnimmt. Zwar würden Markenprodukte weiterhin mit dem Logo werben, aber die günstigen Eigenmarken des Handels würden sich dann das Geld für den Siegelkauf nicht mehr leisten.
Beitrag von: Thomas Förster








