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Wer seine Versicherung zu oft in Anspruch nimmt, dem wird gekündigt. Und zwar ganz legal. Doch seitdem diese untereinander vernetzt sind, haben es gekündigte Kunden immer schwerer, von einer neuen Assekuranz einen Vertrag zu bekommen.
20 Jahre lang hatte die Rentnerin Hannelore Conradt eine Gebäudeversicherung, die Beiträge immer pünktlich bezahlt - dann kam die Kündigung, obwohl sie niemals einen Schaden hatte. Die Versicherung begründet die Kündigung damit, dass die Beitragshöhe bei weitem die Kosten nicht mehr decke. Hannelore Conradt ist empört, denn das Haus hat die Versicherung bisher keinen Cent gekostet. Versichert ist es gegen Schäden durch Blitz, Hagel, Sturm, Feuer und Frost.
Sie geht zur Verbraucherzentrale. Nach der Kündigung hatte sie Einspruch eingelegt und dann ein Angebot über einen neuen Vertrag bekommen, der 50% mehr kosten soll. Vor 20 Jahren hatte sie die Agrippina versichert, die Züricher Versicherung hat dann übernommen – und gekündigt. Die Versicherung nämlich hat genauso wie der Versicherungsnehmer ein Kündigungsrecht, das ist im Vertrag vereinbart. Auch kann der Versicherer nach jedem Schadensfall kündigen - oder einen neuen Vertrag anbieten und die Kosten beliebig erhöhen.
Für die Versicherungen ist das aus betriebswirtschaftlicher Sicht logisch, denn sie argumentieren, dass die Gebäudeversicherung mehr kostet als sie einbringt. Deshalb wurde sehr vielen Kunden gekündigt, z.B. von der Züricher, der Feuersozietät, Ergo, Allianz und Janitos. Den Kunden wurde ein Neuvertrag zu höheren Gebühren angeboten. Allein für Sturm und Hagelschäden mussten die Versicherungen nämlich im vergangenen Jahr 600 Mio Euro bezahlen.
Versicherungsschutz gegen Hochwasser
Noch schlimmer ist das Hochwasser. Allein die Schäden in diesem Jahr kosteten die Versicherungen fast zwei Milliarden Euro. Also sollen die Verträge teurer werden. Eine Gebäudeversicherung mit Schutz vor Überschwemmung kostet in der Nähe von Elbe und Havel bereits bis zu eintausend Euro pro Jahr.
Es gibt Gebiete, in denen Häuser gar nicht mehr versichert werden. Merkwürdig sieht die Gesamtbilanz der Versicherungen dennoch aus. Einnahmen von 5,2 Milliarden Euro stehen Auszahlungen von 4,1 Milliarden gegenüber. Trotzdem sei man im Defizit, sagen die Versicherer, wegen der Kosten für Verwaltung und Personal. Also sollen nicht nur die Einnahmen erhöht, sondern die Leistungen reduziert werden. Wer die Versicherung in Anspruch nimmt, wird rausgeschmissen.
Rechtsschutzversicherung
Das galt auch für Gudrun Webers Rechtsschutzversicherung. Mehrmals musste sie gegen ihre Vermieterin klagen, immer bekam sie Recht. Rausgeflogen ist sie nach zwölf Jahren trotzdem. Die Verbraucherzentrale sieht eine Tendenz bei der Rechtsschutzversicherung, schon nach zwei Schadensfällen zu kündigen.
Gudrun Weber hat schließlich eine neue Versicherung gesucht - und gefunden, weil sie den Vertrag über einen Mitbewohner abgeschlossen hat, der noch keinen Schaden hatte.
Pechvögel oder Streitlustige werden ungern versichert. Das gilt auch für Auto- oder Haftpflichtversicherungen. Neukunden müssen ihre Vorschäden angeben. Schummeln hilft nicht. Die Versicherer speichern bestimmte Schäden in einer Datei und können Neuanträge überprüfen. Wer zu viele Vorschäden hat, bekommt keine Versicherung mehr.
Beitrag von: Anja Nehls








