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So genannte Einkaufsgemeinschaften sollen vor allem beim Sparen helfen, nach der Formel: viel ist gleich günstig. Je mehr Mitglieder auf Anbieter- und Verbraucherseite, umso größer der behauptete Effekt.
Das Unternehmen Lyoness bezeichnet sich selbst als die größte Einkaufsgemeinschaft der Welt: Drei Millionen Mitglieder soll Lyoness haben, 30.000 Partnerunternehmen sollen Rabatte beim Einkaufen gewähren. Im Gegensatz zu anderen Cash-Back-Karten werden bei Lyoness keine Punkte gesammelt, sondern man bekommt echtes Geld zurück. Allerdings beträgt der Bar-Rabatt nur ein bis zwei Prozent.
Auf einer Werbeveranstaltung des österreichischen Unternehmens in Berlin wurde vor allem das zweite Geschäftsmodell beworben: Das eigene Lyoness-Vertriebssystem. Der Vertreter versprach, hiermit könne man mehrere Tausend Euro im Monat verdienen. Das Prinzip nach Aussagen des Vertreters ist, dass man selbst weitere Premium-Mitglieder für die Einkaufsgemeinschaft wirbt. Dann würde man auch von den Rabatten dieser Neu-Mitglieder profitieren. Und auch wenn die wieder neue Mitglieder werben, verdiene man wieder mit. Und so weiter.
Pyramidensystem?
Das Rabattsystem ist schwer zu durchschauen und sehr komplex. Damit sich der Aufbau des eigenen Vertriebssystems richtig lohnt, müsse man erst einmal rund 1000 Euro einzahlen. Das gleiche gelte, wenn die neu geworbenen Mitglieder vom System profitieren wollen. Auf die Frage eines Besuchers der Veranstaltung, ob das nicht ein Pyramidenspiel sei, antworteten die anwesenden Lyoness-Mitarbeiter nicht. Aber sie sagen zumindest, dass man das ganz große Geschäft nur jetzt machen könne, später nicht mehr.
Pyramidenspiele funktionieren immer nur solange wie neue Mitglieder beim Eintritt Geld in das System an die vorhandene Mitglieder zahlen. Wer weit oben steht und als erstes im System ist, kann abkassieren. Doch irgendwann kommen keine neuen Mitglieder mehr. Dann gehen die zuletzt dem System beigetretenen Mitglieder leer aus, weil keiner mehr einzahlt.
Ermittlungen in Österreich
In Österreich laufen seit über einem Jahr Ermittlungen einer Spezial-Staatsanwaltschaft gegen Lyoness wegen des Verdachts, ein Pyramidensystem zu betreiben. Lyoness selbst setzt darauf, dass das Verfahren der Staatsanwaltschaft irgendwann eingestellt wird, da man kein Pyramidensystem betreibe. Das Verhalten der Mitarbeiter auf der Veranstaltung in Berlin sei ein Einzelfall und werde vom Unternehmen nicht geduldet.
Beitrag von: Thomas Förster








