- Ausbau Stromnetz

Allein in Brandenburg sollen bis 2020 ca 600 km Höchstspannungs-Leitungen entstehen. Stromtrassen, die für die Energiewende dringend gebraucht werden. Doch vielerorts sind die Anwohner dagegen, was zu erheblichen Verzögerungen führt und die Energiewende gefährdet.

Landwirt Ferdinand Heise aus Meichow bei Prenzlau erhielt vor kurzem Besuch von einem Vertreter - es gehe um die Energiewende sagte der. Über eine Dienstbarkeitsbewilligung für seinen Acker müsse man sprechen, so der Gesandte des Stromnetzbetreibers 50Hertz. Jetzt steht Landwirt Heise vor der Wahl: Die angebotene Entschädigung für zwei 50 Meter hohe Strommasten akzeptieren - oder in der Hoffnung auf mehr Geld widersprechen und ein monatelanges Enteignungsverfahren in Gang setzen.

Solche Besuche erhielten in den vergangenen Monaten viele Landwirte und Anwohner, auf deren Grund und Boden bald die 380kv-Uckermarkleitung gebaut werden soll. Die 115 Kilometer lange Strom-Autobahn ist dringend nötig, um den vielen Windstrom aus der dünn besiedelten Uckermark in den Ballungsraum Berlin abzutransportieren, so der Betreiber 50Hertz.

Die Zeit drängt beim Stromnetzausbau

Seit 2007 plant der Übertragungsnetzbetreiber die neue Trasse. Doch versäumte er anfangs, die betroffenen Anwohner und Gemeinden aktiv in die Planungen einzubeziehen. Ein fataler Fehler - schließlich soll die Leitung auch durch das Biosphären-Reservat Schorfheide führen.

Es bildeten sich zahlreiche Bürgerinitiativen, die forderten, einen Teil der Leitung unter der Erde zu verlegen, sie um das Naturschutzgebiet herum zu führen, oder sie gleich ganz sein zu lassen.

Nur zögerlich begann 50Hertz, die Bedenken ernst zu nehmen, alternative Trassenführungen zu prüfen und intensiver über das Projekt zu informieren - doch da hatte sich der Protest schon verhärtet. Bei der zuständigen Genehmigungsbehörde gingen hunderte von Einsprüchen ein. Seit mehr als drei Jahren zieht sich das Planfeststellungsverfahren hin.

Können finanzielle Entschädigungen den Netzausbau beschleunigen?

Jetzt drängt die Zeit - denn wenn der Wind kräftig bläst, müssen schon heute einige der 620 Windräder in Uckermark-Barnim abgeriegelt werden. Verzögert sich der Baubeginn der Uckermarkleitung noch weiter, stehen auch die Ausbauziele der erneuerbaren Energien in Nord-Brandenburg in Frage.

50Hertz hat deshalb nachgebessert. Die Öffentlichkeitsarbeit wurde verstärkt, zudem bietet man den vom Netzausbau betroffenen Gemeinden eine Ausgleichszahlung von bis zu 40.000 Euro pro Kilometer Stromtrasse an. Auf diesem Wege hofft man, die Bedenken der Lokalpolitiker zu besänftigen und mehr Akzeptanz für das Projekt herzustellen.

Doch wie die was!-Recherchen zeigen, überwiegt bei vielen Gemeindevertretern immer noch die Skepsis - zu groß ist das Misstrauen wegen der fehlenden Beteiligungsmöglichkeiten am Anfang des Verfahrens.

Zudem zeigt sich 50Hertz bei denen, die wirklich massiv von der Uckermarkleitung betroffen sind, nicht gerade generös: Die angebotenen Entschädigungszahlungen für die Strommasten, meinen Grundbesitzerverbände, seien viel zu gering.


Beitrag von: Robin Avram

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