Der bunt erleuchtete Potsdamer Platz in Berlin. (Quelle: dpa)

- Die Geschichte des Berliner Stromnetzes

Das Stromnetz der Hauptstadt hat eine bewegte und vor allem lange Geschichte: die schnell wachsende Metropole vor dem ersten Weltkrieg, die Industrialisierung, die Teilung der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg: doch Strom gab es immer.

Mit dem Licht fing alles an

Am 20 September 1882 erleuchten die ersten elektrischen Lampen die Leipziger Straße. Strom ist noch privat finanzierter Luxus. Zwei Jahre später geht dann in der Markgrafenstraße das erste deutsche Kraftwerk in Betrieb. Der Strom wird direkt da erzeugt, wo er gebraucht wird. Doch der Gründer der „Städtischen Elektrizitätswerke“ Emil Rathenau denkt weiter, an eine Stromversorgung für ganz Berlin. Er handelt daher mit dem Magistrat einen Konzessionsvertrag aus. Rathenau kann das öffentliche Straßenland nutzen und dort Kabel verlegen allerdings nur unter der Erde.

Siemens ist führend bei Strom

Die Berliner Kabelindustrie, ganz vorne Siemens, wird weltweit führend. Schon bald wird der Strom zum Motor für Wohlstand und Aufstieg Berlins - der Hauptstadt des Lichts. Hunderte Kraftwerke entstehen. Doch der Magistrat hat vorgesorgt. Im Konzessionsvertrag war festgelegt, dass die Stadt Berlin 1915 das Recht hat, den ganzen Betrieb zu kaufen. Damit wurde Berlin Eigentümer der Elektrizitätswerke. In den folgenden Jahren wird das Netz immer weiter ausgebaut auch über die Stadtgrenze hinaus.

Rezession in den 20er Jahren

In den Zwanziger Jahre wird das Geld knapp. Man beschafft es sich bei amerikanischen und Schweizer Banken. Die „Bewag“ übernimmt in privatrechtlicher Form den Betrieb der Anlagen. Strom wird bisher vor allem fürs Licht benutzt, also in der Dunkelheit. Die AEG von Rathenau und Siemens entwickeln daher die ersten elektrischen Haushaltsgeräte, kurbeln damit auch am Tag den Stromverbrauch an.
Im Dritten Reich wird eine einheitliche Tarifordnung erlassen. 1939 kostet eine Kilowattstunde 8 Pfennig.

Trennung des Berliner Stromnetzes

Nach dem Krieg demontiert die Rote Armee das Kraftwerk West komplett. Die Stromversorgung wird eng, zusätzlich verschärft durch die Blockade bis Mai 1949. Doch getrennt wurden die Netze erst am 8. März 1952. Ostberlin ist weiterhin über die Stadtgrenze hinaus verbunden. Doch Westberlin ist nun abgeschnitten. Es liegt wie auf einer Insel. In den folgenden Jahren werden 8 Kraftwerke gebaut und erneuert.

Entwicklung in Ost und West

In Jänschwalde errichtet die DDR 1976 eines der größten Kohlekraftwerke Europas. Ostberlin ist an das osteuropäische Verbundnetz angeschlossen. Das bringt eine Sicherheit, die es in Westberlin nicht gibt. Diese Insellage behält der Westteil Berlins auch nach der Wende. Erst 1994 wird er an das Westeuropäische Verbundnetz angeschlossen. Im gleichen Jahr werden die Energiebetriebe Ost und West wieder zusammengeschlossen.

Wiedervereinigung 1998

Die elektrische Wiedervereinigung lässt bis 1998 auf sich warten. Ein 6 km langer Tunnel verbindet fortan die beiden Stromnetze.
1997 verkauft das Land Berlin seine Mehrheitsanteile an der Bewag. 2003 wird sie komplett von Vattenfall übernommen. Knapp hundert 100 Jahre, nachdem Berlin erstmals den Betrieb des Stromnetzes übernommen hat, wird nun das nächste Kapitel der Berliner Stromversorgung geschrieben.

Beitrag von: Katja Charlé

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