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Der Kampf ums Stromnetz, die Energiewende, das miese Braunkohleimage: Vattenfall hat mehrere Großbaustellen derzeit. Aber auch das Geschäftsmodell anderer großer Energiekonzerne steht durch die Energiepolitik auf dem Prüfstand.
Auf 2,5 bis 3 Milliarden Euro wird der Wert des Berliner Stromnetzes geschätzt. Betrieben wird es von einer Vattenfall-Tochter. Es gilt als attraktive, weil sichere Einnahmequelle. Denn die Renditen sind dank staatlicher Regulierung garantiert. Zwischen 5 und 6 Prozent verdient Vattenfall jedes Jahr mit dem Stromnetz. Früher als mit der Energieproduktion noch zweistellige Margen zu erzielen waren, spielte der Netzbetrieb unternehmerisch eher eine Nebenrolle. Doch die Zeiten haben sich geändert. Denn die Stromerzeugung wird immer teurer und somit weniger lukrativ.
Zieht Vattenfall sich zurück?
Vattenfall steht in der Region Berlin-Brandenburg für Braunkohle und die gilt als Klimakiller. Alte Kraftwerke müssen nachgerüstet werden, dafür sind hohe Investitionen erforderlich. Die Gewinne brechen ein. Vattenfall musste in den vergangenen Jahren Abschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen. Mittlerweile wird spekuliert, dass sich der schwedische Konzern aus Deutschland zurückziehen könnte. Vattenfall-Aufsichtsrat Ulrich Freese glaubt, dass die Konzernleitung die Öffentlichkeit im kommenden Jahr über ein entsprechendes Ausstiegsszenario informieren wird. Aber noch werden solche Meldungen heftig dementiert.
Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel
Fest steht allerdings, Vattenfall hat jede Menge Probleme. In Deutschland sollen 1500 Arbeitsplätze wegfallen. Für das Kraftwerk im sächsischen Lippendorf wird angeblich ein Käufer gesucht. Börsenanalysten und Wirtschaftsexperten werfen dem Konzern vor, die Energiewende verschlafen zu haben. Außerdem kämpft Vattenfall nach wie vor mit seinem Image als Atomkonzern. Und nun droht dem Unternehmen auch noch der Verlust seiner Stromnetze in Hamburg und Berlin. Die Hamburger haben bereits für die Rekommunalisierung gestimmt. Sollten die Berliner diesem Beispiel folgen, wird die Frage noch drängender: Wohin will Vattenfall?
Beitrag von: Andreas Vogtmeier






