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Seit knapp einem Jahr gibt es ein EU-weites, verbindliches Reifenlabel. Beim Kauf können sich Verbraucher daran orientieren. Doch auf Winterreifen sind die Kriterien des Labels nur bedingt anwendbar. Statt Klarheit zu finden, wird der Verbraucher verwirrt.
Ein EU-einheitliches Label soll eigentlich beim Kauf von Autoreifen eine Entscheidungshilfe sein. Doch beim Blick auf die Details zeigt sich, dass das Label nicht hält, was es verspricht.
Label besteht aus 3 Kategorien
Der Nasshaftung (hier geht um das Bremsen auf nasser Fahrbahn),
dem Rollwiderstand (er beeinflusst den Benzinverbrauch) und
der Lautstärke der Fahrgeräusche.
Wichtige Eigenschaften für Winterreifen werden nicht untersucht
Experten bemängeln vor allem, dass das Label keine Eigenschaften untersucht, die speziell für Winterreifen wichtig sind. Denn wenn ein Reifen auf nasser Fahrbahn gut bremst, sagt das noch lange nichts darüber aus, wie seine Fahreigenschaften auf Schnee und Eis sind - oder auf trockener Straße. Trotzdem muss laut EU-Vorschrift auch auf jedem Winterreifen ein Label kleben. Und die schneiden hier alle schlecht ab.
Zwischen dem besten Wert der Skala A und dem schlechtesten Wert G erreicht kein Winterreifen beim Rollwiderstand und Bremsverhalten mehr als ein C, viele liegen sogar bei E oder F.
Nur Sommerreifen kommen auf A-Werte
Das liegt daran, dass die Ansprüche an Winterreifen höher sind. Sie müssen sowohl bei Schnee und Eis gute Fahreigenschaften aufweisen als auch auf trockener Straße oder bei Regen. Darauf nimmt das Label aber keine Rücksicht und vergibt schlechte Noten für Rollwiderstand oder Lärmentwicklung.
Neben seiner beschränkten Aussagekraft hat das EU-Reifenlabel auch ein Glaubwürdigkeitsproblem. Denn die Reifenhersteller messen die Labelwerte selbst und zertifizieren dann ihre eigenen Reifen. Eigentlich sind Kontrollen durch die Bundesländer vorgesehen, bisher gibt es sie aber nicht. So wundert es nicht, dass unabhängige Reifentests vom ADAC und der Stiftung Warentest regelmäßig zu anderen Ergebnissen kommen, als die Label der Hersteller widerspiegeln – oft auch positiv.
Beitrag von: Thomas Förster








