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Für viele Kunden sind ökologische Erzeugung oder die Energiebilanz eines Produktes wichtige Kauf-Kriterien. Mit einer so genannten Gemeinwohlbilanz können Betriebe nachweisen, wie nachhaltig sie sind. Die Berliner Bäckerei Märkisches Landbrot z. B. arbeitet mit dieser Bilanz.
Nachhaltigkeit ist zunehmend ein Kriterium für gutes Wirtschaften. Die so genannte Gemeinwohlbilanz, die eigene Standards bei Nachhaltigkeit, sozialem Engagement und Mitbestimmung festlegt, gibt es bereits – auf freiwilliger Basis. Die Initiative „Gemeinwohlökonomie“ fordert, dass daraus eine Verpflichtung für alle Unternehmen wird.
Zwei Bäckereien – zwei Arbeitsmodelle
Das Berliner Bio-Backunternehmen Märkisches Landbrot arbeitet nach einer Gemeinwohlbilanz. Rund 150 Arbeitsstunden wurde dafür investiert.
Klaus Mälzer, Chef einer Berliner Bäckerei mit 50 Angestellten, findet das zu aufwändig. Der Chef des Familienbetriebs setzt bei Mitarbeiterführung und Bezahlung sowie Nachhaltigkeit auf normalen Menschenverstand. Für ihn ist Nachhaltigkeit vor allem, den Traditionsbetrieb in der Familie zu erhalten.
In seine Backstube hat Mälzer vor einigen Jahren mit Hilfe von Fördergeldern des Senats und der EU investiert, um umweltschonend zu arbeiten. CO2-neutral ist der Traditionsbetrieb damit nicht. Das ginge der Bäckerei Märkisches Landbrot nicht weit genug. Mit Wärmerückgewinnung und Photovoltaikanlage ist der Betrieb fast schon CO2-neutral: damit erfüllt er voll diesen Teil der Gemeinwohlbilanz
Bei den Gehältern setzt die Gemeinwohlbilanz eigene Maßstäbe: Jeder Mitarbeiter soll mindestens einen Mindestlohn bekommen. Und für eine gute Bewertung gilt: Der Chef darf nicht mehr als das Zehnfache desjenigen verdienen, der den niedrigsten Lohn erhält. Das Unternehmen Märkisches Landbrot hält sich daran. Die Frage nach der Deckelung des Gehaltes vom Chef, stelle sich für ihn nicht, sagt dagegen Klaus Mälzer. Er müsse in guten wie in schlechten Zeiten für den Betrieb da sein. Seine Mitarbeiter bekommen auch einen Mindestlohn. Er liegt bei über 8 Euro 50.
Betriebliche Mitbestimmung
Ginge es nach der Gemeinwohlbilanz, müssten die Angestellten im Betrieb offiziell mitbestimmen dürfen. Hier bekäme die Bäckerei Mälzer ein Minus, trotzdem werden auch hier die Mitarbeiter in den Produktionsprozess einbezogen. Anders gehe es gar nicht mehr, sagt Klaus Mälzer. „Wir bereden das gemeinsam und versuchen dann, das Beste für den Betrieb daraus zu machen.“
Das Gespräch mit den Angestellten gibt es bei der Bio Bäckerei „Märkisches Landbrot“ natürlich auch. Doch die Gemeinwohlbilanz sieht eine gleichberechtigte Mitbestimmung aller vor. Entscheidungen sollen im Konsens, also einstimmig gefällt werden. Für ein Unternehmen, das von einem Inhaber geführt wird, eigentlich unmöglich. Inhaber Joachim Weckmann sagt, man habe gelernt, einfach mehr miteinander zu sprechen. Hohe Ansprüche in die Realität umzusetzen - da hat der Biobäcker mit Gemeinwohlbilanz noch Einiges vor, Bäcker Mälzer dagegen ist davon nicht. überzeugt. Eins aber haben beide gemein: Brot, das übrig ist, wird gespendet – für´s Gemeinwohl.
Beitrag von: Julia Sebastian









