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Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln wächst stetig. Eigentlich eine gute Nachricht für brandenburgische Agrarbetriebe rund um Berlin. Doch ganz so einfach ist es leider nicht. Viele Betriebe müssen trotz eines stabilen Marktes das Handtuch werfen.
Mit raschen Handbewegungen schüttelt Georg Kaiser den Apfelsaft auf. Die Schwebeteilchen hatten sich am Boden abgesetzt, das sieht nicht verlockend genug aus für eine Ware, die, in Kisten aufgestapelt, die Kunden in der Obst- und Gemüseabteilung mit einem günstigen Preis direkt zum Kauf verführen soll.
Kaiser, ein modisch gekleidete Mittvierziger mit Fünftage-Bart, hat einen Blick für gelungenes Marketing - und nicht zuletzt deshalb eine beeindruckende Karriere hingelegt: Vor 15 Jahren stieg der gelernte Fleischereiverkäufer in einen Bio-Supermarkt mit ein. Heute ist er Geschäftsführer der BioCompany, die mit 35 Filialen und rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz Marktführer ist für Bio-Lebensmittel in Berlin und Brandenburg. Allein fünf neue Berliner Filialen eröffnete seine Kette im vergangenen Jahr.
Regionale Partner
Kaisers Erfolgsrezept: Günstige Preise - denn auch seine Kunden schauen sehr genau aufs Geld. Deshalb kosten zum Beispiel Butter, Milch und Eier bei der BioCompany etwa genau so viel wie die entsprechenden Bio-Produkte bei Rewe, Edeka und Co.
Wichtig auch: regionale Partner, die auf Postern in den BioCompany-Filialen für ihre Produkte werben.
„Neben Bio hat Regionalität den höchsten Stellenwert im Sortiment der BioCompany,“ sagt Kaiser. "Seit wir angefangen haben, haben wir unsere Bauern aus der Region, teilweise seit 15 Jahren, die uns beliefern. Da geht es darum, eine Sicherheit abzugeben für die Bauern und ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen.“
Günstige Preise führen zu hohem Kostendruck
Doch wie unsere Recherchen zeigen, haben die günstigen Preise in den Bio-Supermärkten eine Kehrseite: Laut Naturland-Berater Carlo Horn kommen nur diejenigen Bio-Schweinezüchter als Zulieferer für die BioCompany in Frage, die mehrere tausend Tiere halten. Kleinere Betriebe können nicht effizient genug wirtschaften – vorausgesetzt, sie halten die strengen Naturland-Vorschriften ein, die beim Futter-Anbau den Einsatz von synthetischen Düngemitteln und Pestiziden untersagen.
Auch deswegen geht der durch die hohe Nachfrage in den Supermärkten erzeugte
Sog fast ins Leere: Nach einem steilen Wachstum stagniert die Zahl der märkischen Bio-Betriebe schon seit einigen Jahren bei rund 700. Seit 2010 stiegen sogar 130 Landwirte wieder aus der Bioförderung aus. Das liegt vor allem am gestiegenen Preisdruck in der Branche.
Heinz-Peter Frehn, der bei Lübben Bio-Spreewaldgurken für die BioCompany anbaut, hat seine eigenen Antworten gefunden auf die Anforderungen des Berliner Bio-Marktes. Er bezahlt seinen rumänischen Erntehelfern nur rund fünf Euro netto – und steckte Geld in die Entwicklung einer vollautomatischen Erntemaschine. Sie soll in Zukunft die Erntehelfer ganz überflüssig machen.
Beitrag von: Robin Avram








