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Hostels sind eine preiswerte Alternative zu Hotels für Touristen mit wenig Geld. Doch ist der Übernachtungspreis von sieben Euro Grund genug die Bediensteten unter Tarif zu bezahlen und als Praktikum getarnte Arbeitsverträge zu vergeben?
Übernachtungspreise zum Teil bei 7 Euro
Trotz des milden Winters haben viele Hostels zur Zeit Trauer. Sie kämpfen mit niedriger Auslastung. Ihr Geld verdienen sie vor allem in der warmen Jahreszeit. Um halbwegs kostendeckend zu arbeiten, unterbieten sie sich derzeit gegenseitig. Bei einer Stichprobe von was! zwischen 17. und 19. Februar fanden wir Angebote für Übernachtungen im Mehrbettzimmer von 19 Euro bis hinunter zu 7 Euro. Sicherlich ist darunter auch manches Lockangebot, wie man es von Billig-Airlines her kennt. So gibt es Anbieter, bei denen bei solchen Niedrigpreisen Bettzeug und Handtücher extra kosten.
Die Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg zeigen: Das Bettenangebot der Hostels eilt der Nachfrage voraus. Hinzu kommt: Viele Anbieter werden von der Statistik offenbar nicht vollständig erfasst. Jörg Schöpfel vom Unternehmerverband Hostel Network schätzt die Zahl der Berliner Hostels auf 100 bis 150 Häuser, die amtliche Statistik zählt nur 89.
Wettbewerb hat Auswirkungen auf Bezahlung
Der Wettbewerb wirkt sich auch auf Bezahlung und Arbeitsbedingungen des Hostel-Personals aus. Jörg Schöpfel hat eine Vermutung, warum: „Personal ist wahrscheinlich die größte Stellschraube, die ich beeinflussen kann, um meine Kosten zu senken. An der Miete kann ich in der Regel nichts machen, die ist festgeschrieben, Einkauf habe ich nicht ganz so viel.“
So kommt es wohl, dass manche Marktteilnehmer an dieser Stellschraube drehen, bis es quietscht: Niedriglöhne von 5 Euro und prekäre Arbeitsbedingungen sind nach Beobachtung der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten an der Tagesordnung: „Ein Unternehmen, was seinen Wirtschaftszweck darauf aufbaut, dass es seine Beschäftigte zu solch niedrigen Löhnen beschäftigt, um dann gute Preise anbieten zu können, um viele Gäste ins Haus reinzubekommen, hat seinen wirtschaftlichen Erfolg letztendlich auf Kosten der Sozialgemeinschaft“, sagt Gewerkschafts-Sekretär Sebastian Riesner.
Beitrag von: Frank Drescher







