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Peter B. ist 57 Jahre und hat drei Jobs. Zeitungen austragen, Schulessen ausfahren und Medikamente für eine Apotheke ausliefern. Von einem Job alleine könnte er nicht leben. was! hat den Mann auf seinem 17 Stunden Arbeitstag begleitet.
Peter Bürth ist 57 Jahre alt und Multijobber. Er arbeitet bis zu 17 Stunden am Tag mit zwei Minijobs und einer vollen Stelle.
Job Nummer 1: Zeitungen austragen
In der Regel beginnt sein Arbeitstag mitten in der Nacht. An sieben Tagen in der Woche steht er um 2 Uhr früh auf, dabei helfen zwei Wecker. Um halb drei macht er sich auf den Weg zu Job Nummer eins. In einer Halle in Zehlendorf-Süd warten die Tageszeitungen für den Berliner Südwesten. Die Zeitungen für seine Tour muss er selbst zusammenstellen – 285 Zeitungen für 240 Haushalte. Das macht er seit 15 Jahren. Für ihn die einfachste Art, Geld zu verdienen: 600 bis 700 Euro netto je nach Anzahl der gelieferten Zeitungen.
Knapp 4 Stunden dauert seine Tour durch die noch leeren Straßen. Seinen ersten Zwischenstopp macht er um halb vier. Er kauft einen Kaffee, um seinen Tag zu überstehen und ein kleines Leckerli für einen Hund, den er jeden Morgen trifft. Dann fährt Peter Bürth nach Berlin-Wannsee. Dort gibt es große Grundstücke, viele Villen und nur wenige Mehrfamilienhäuser: Weite Wege für den Zeitungsboten, das reicht für gerade mal 6 Euro pro Stunde. Doch für Peter Bürth zählt jeder Cent. Erst musste er private Schulden abbezahlen, nun will er sich einen Traum verwirklichen: eine Eigentumswohnung als Alterssicherung und keine Sorgen mehr wegen der Miete.
Inzwischen ist es kurz nach 5. Auf einer Tankstelle kauft er Brötchen für einen langjährigen Kunden, der sich daran gewöhnt hat, dass er ihm regelmäßig Brötchen mitbringt, weil er nicht mehr so gut zu Fuß ist. Um halb acht sind alle Zeitungen verteilt, in zwanzig Minuten muss Peter Bürth seinen nächsten Job antreten. Der schnellste Weg nach Spandau führt über die Havelchaussee.
Job Nummer 2: Schulessen ausfahren
Obwohl Bürth Speditionskaufmann gelernt und Betriebswirtschaft studiert hat, fand er nie einen passenden Job. Also arbeitet er für weniger Geld – in Job Nummer zwei bei der Firma Luna als Auslieferungsfahrer für Schulessen. Fest angestellt in Vollzeit. Bei einer 40-Stunden-Woche kommen dabei netto 1.300 Euro raus. Das findet Bürth in Ordnung und in jedem Fall besser, als auf der Straße zu sitzen. Jeden Tag liefert er Essen aus für rund 800 Kinder. Drei Grundschulen muss er jeweils zweimal ansteuern, damit das Essen auch frisch ist. Seit zehn Stunden ist er jetzt auf den Beinen. Eine Mittagspause ist selten möglich - wenn es sich ergibt, isst er in der Firma oder in irgendeiner Einrichtung das, was vom Schulessen übrig bleibt. Nach der Tour muss er noch ausladen und aufräumen - bis etwa halb vier. Dann fährt er zurück nach Zehlendorf. Zeit für eine halbe Stunde Kraftschöpfen vor Job Nummer drei.
Job Nummer 3: Medikamente für Apotheke ausfahren
Ein Kaffee hilft jetzt, wach zu bleiben. Peter Bürth ist froh über seine drei Jobs. Sozialhilfe oder Alg2 sind für ihn unvorstellbar, die Füße hochlegen oder schwarzarbeiten ebenfalls. Er bleibt lieber ehrlich, arbeitet gern und fühlt sich auch wohler, weil er nicht anderen Leuten auf der Tasche liegt. Job Nummer drei ist seine lukrativste Beschäftigung. Für eine Apotheke fährt er Medikamente aus. Es ist eine Pauschale vereinbart worden und manche Kunden sind so dankbar, dass sie ein gutes Trinkgeld geben.
Beitrag von: Anja Nehls







