Kinder spielen auf einem Basketballfeld vor einer Schule (Quelle: rbb)

- Schulleiter gesucht!

Chef einer Schule - für wen ist das was? Neben den eigentlich erlernten Fähigkeiten eines Lehrers sind vor allem Manager-Qualitäten gefragt. Nicht jeder Pädagoge traut sich das zu. Außerdem bleibt der Unterricht neben der Verwaltungs- und Leitungsarbeit oft auf der Strecke.

Schulleiter gesucht!

In Berlin und Brandenburg werden nicht nur Lehrer gesucht, sondern auch Schulleiter. Derzeit sind etwa 80 Direktorenstellen nicht besetzt. Und die Situation wird schwieriger, da in den nächsten 6-8 Jahren jeder zweite Schulleiter in Berlin und Brandenburg in Pension gehen wird.

Erstmals Anzeigen geschaltet

Berlin hat jetzt erstmals bundesweit eine Anzeige geschaltet, um Schulleiter aus ganz Deutschland anzuwerben. Die Vakanzen entstehen auch durch lange Ausschreibungsverfahren oder unerwartete Stellenwechsel. So geschehen im J.-G.-Herder Gymnasium Berlin-Lichtenberg: Dort zog der Schulleiter im letzten Sommer kurzfristig nach New York. Die Physiklehrerin und designierte stellvertretende Schulleiterin, musste einspringen. Sie sei vor allem überrascht gewesen, wie groß die Aufgaben-Vielfalt in diesem Chef-Amt ist, so das Fazit von Gabriele Fischer nach einem dreiviertel Jahr als kommissarische Schulleiterin. So zum Beispiel bei der Sanierung des Schulgebäudes - die gesamte Oberstufe muss drei Jahre lang in ein anderes Haus umziehen: „Ich habe bei diesem Prozess die Aufgabe, das zu begleiten, Umzüge zu organisieren, darauf zu achten, wann, was gemacht werden soll. Ich bin Teil der Bauaufsicht würde ich sagen.“

Grundschulen besonders betroffen

Vielfältige Aufgaben haben auch Leiter von Grundschulen - und dort ist der Bedarf an Schulleitern besonders groß. Für die Vorsitzende des Landeselternbeirats Berlin Lieselotte Stockhausen-Döring keine Überraschung: „Schulleiter zu sein ist ein Fulltime-Job mit sehr vielen Aufgaben, hoher Verantwortung, viel Stress und dafür stimmt dann zumindest auch bei Grundschulleitern die Bezahlung nicht mehr.“ In Berlin verdient ein angestellter Grundschulleiter, 40 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder und seit 10 Jahren im Amt, nur etwa 400 Euro netto mehr als ein Lehrer in vergleichbarer Lebenssituation.

Jens Haase ist seit vielen Jahren Leiter der Bäke-Grundschule Berlin-Steglitz. Er geht im Sommer in Pension und kennt die gravierenden Veränderungen, mit denen ein Schulleiter konfrontiert ist: „Vor 25 Jahren konnte man guten Gewissens sagen, Schulleitungstätigkeit das ist ein Job für 1-3 Stunden am Tag und man konnte sich sicher fühlen, dass man seine Aufgaben vollständig und gut erfüllen kann und richtig rundherum gut Bescheid weiß. Heute kann ich nicht mehr sagen, dass ich das Gefühl habe, rundherum wirklich fit und sicher zu sein. Ich habe eigentlich mehr oder weniger ständig das Gefühl, irgendwelche Aufgaben nicht oder nicht richtig erfüllen zu können.“

Jens Haase ist vor allem Manager - ohne dafür ausgebildet zu sein. Er kümmert sich um Personal, Bauvorhaben, Finanzierungen, die Sauberkeit an der Schule und Rechtsfragen. Für seinen eigentlichen Lehrerberuf bleiben ganze neun Wochenstunden.

Qualifizierung für angehende Schulleiter

Dass Schulleiter für ihren Job nicht speziell ausgebildet sind, ändert sich nun. Das Landesamt für Schule und Medien (LISUM) bietet für beide Bundesländer entsprechende Kurse an. Ab 2015 ist diese Schulung Pflicht für jeden, der in Berlin Schulleiter werden möchte, Brandenburg will nachziehen. 120 Kurstunden in Führung, Organisation und Verwaltung steht auf dem Stundenplan. Bislang haben 70 Lehrer aus Berlin und Brandenburg an der Schulung teilgenommen.

Schulleiter Jens Haase findet solche Schulungen sehr sinnvoll. Doch für seine Nachfolge hat er eigentlich noch einen ganz anderen Wunsch: „Dass etliche Aufgaben wieder zurück in die Hände von Sachbearbeitern gehen.“ Schließlich sei ein Sachbearbeiter viel routinierter. Und dann bliebe Schulleitung mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe: Schule zu gestalten.

Beitrag von: Julia Sebastian

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