Eine Menschenmenge mit dem Schriftzug "Sparen" (Quelle: rbb)

- Die Berliner und das Geld

Die Berliner sehen ihr Geld vor allem als Mittel zum Zweck. Sie kümmern sich wenig um Anlagestrategien oder finanzielle Feinheiten. Leider schlägt sich das auch in der Privatschuldenbilanz nieder.

„Das meiste Geld verplempert man beim Bezahlen“

Diesen klugen Spruch hat der Berliner zum Thema „Geld“ - Und auch sonst hat er ein eher abgeklärtes Verhältnis zum Geld. Ganz entspannt lassen sie in ihre Portemonnaies blicken und sind dann doch verwundert, wie wenig oder wie viel Geld sie momentan bei sich tragen. Viele nehmen ganz bewusst nur wenig mit, damit sie nicht unnötig Geld ausgeben. Denn der große Reichtum ist in Berlin, der Stadt der Hartz VI-Empfänger, nicht zu Hause.

Die Berliner sind keine Sparfüchse

Viele besitzen nicht genug Geld, um etwas zurück zulegen. Das Sparen hat in Berlin keine große Tradition. Seit vielen Jahren beobachtet die Sparkasse, die mit rund 2 Mio. Kunden Marktführer in der Stadt ist, das Anlageverhalten der Berliner: Das Sparen ist rückläufig und lediglich jeder Dritte spart 100 € und mehr. 35 % können oder wollen gar nicht sparen.
Geld erfolgreich für sich arbeiten zu lassen, verstehen die wenigsten Berliner. Denn das, was sie der Bank anvertrauen, legen sie am liebsten ganz konservativ auf das gute alte Sparbuch. Doch dadurch verlieren sie sogar Geld. Denn die geringen Zinsen, die es derzeit für das Gesparte gibt, sind niedriger als die Inflationsrate.

3. Platz in Punkto Schulden

Den Überblick haben so einige Berliner verloren. Mehr als 13 % können ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen. Damit belegt Berlin bundesweit bei den Privatverschuldungen den dritten Platz, hinter Duisburg und Dortmund. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Stadtbezirken: Zehlendorf ist mit 7,82 % am wenigsten verschuldet und der Wedding mit 18, 8 % am höchsten.
Vor allem die jungen Berliner leben weit über ihre Verhältnisse. Lag die Schuldnerquote bei den Jugendlichen zwischen 18 und 20 Jahren 2004 noch bei etwas über 2 % ist sie bis heute auf über 12% empor geschnellt.

Der Traum vom Jackpot

Jeder 4 Berliner tippt regelmäßig 6 aus 49. Im Jahr 2013 spielten die Berliner für insgesamt über 273-Millionen € Lotto. Zwei Berliner wurden 2013 mit Sechs Richtigen und Superzahl zum Lotto-Millionär. Ein Neuköllner erzielte im März den höchsten Berliner Einzelgewinn aller Zeiten von 21.193.239,30 €.
Doch immer mehr werden dem klassischen Lotto untreu, zocken lieber am Automaten. Eine Flut von Spielhallen überschwemmte die Stadt und musste vor drei Jahren mit einem strengen Gesetz eingedämmt werden.

Die Faszination des Geldes

Der Berliner Psychologe Wolfgang Krüger hat viele Jahre die Faszination, die vom Geld ausgeht, untersucht. Für sein Buch zu dem Thema hat er viele Berliner auf den Straßen zu ihrem Verhältnis zum Geld befragt. Zudem kommen zahlreiche Patienten zu ihm in Therapie, weil sie große Summen Geld verloren haben und nicht mehr weiter wissen. Den Grund sieht der Psychologe darin, dass viele Menschen ihren Lebenserfolg im Wesentlichen über Geld definieren und deshalb auch Schamgefühle haben, wenn sie verarmen. Insofern nehmen sie, seiner Ansicht nach, das Geld einerseits zu wichtig, doch andererseits kümmern sie sich viel zu wenig darum. Die Wenigsten haben Ahnung davon, wie sich Geld vermehren lässt. Doch in einer Hinsicht weiß der Psychologe zu trösten: Geld trägt relativ wenig zum Lebensglück bei und ist emotional nur wichtig, wenn man es nicht hat.

Beitrag von: Katja Charlé

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