Edeka-App auf einem Smartphone (Quelle: rbb)

- Zahlsysteme der Zukunft

Mit Bargeld zahlen gilt schon heute vielen als altmodisch. Doch EC- und Kreditkarten sind erst der Anfang. In Zukunft werden zahlreiche elektronische Systeme die Zahlung übernehmen. Ob in Supermärkten, Restaurants oder beim Bezahlen der Handwerker-Rechnung.

Bargeld und Kartenzahlung – das war gestern. Das meinen zumindest die Anbieter von „mobile payment“-Lösungen. Bei der Supermarktkette Edeka zum Beispiel ist das Bezahlen per Smartphone in den meisten Filialen möglich, vorausgesetzt, die Kunden haben eine Edeka-App installiert. Mit dieser kann man auch einen digitalen Einkaufszettel schreiben und wird automatisch auf Rabattaktionen aufmerksam gemacht. Dazu muss er, wie bei einer Kartenzahlung, eine PIN eingeben und den Barcode seiner App vorzeigen. An der Kasse wird er gescannt, das Geld vom Konto abgebucht. Der Vorteil: Die Zahlungsdaten werden nicht auf dem Smartphone gespeichert, deshalb – so Stephan Nörenberg vom App-Entwickler Valuephone – sei der Bezahlvorgang auch sicher.

Mobil bezahlen und kassieren

Doch nicht nur mobiles Bezahlen, sondern auch mobiles Kassieren ist inzwischen möglich. Das Kreuzberger StartUp Unternehmen SumUp hat ein System entwickelt, das es jedem Kleinunternehmer erlaubt, aus seinem Smartphone ein EC- oder Kreditkartenterminal zu machen. Semi Usta zum Beispiel ist ein mobiler Friseur, der Kunden zu Hause oder am Arbeitsplatz frisiert, sein Künstlername: „Haarnomade“. Mit dem Gerät und der Software von SumUp können die jetzt auch bargeldlos bezahlen. 20 Euro kostet der Kartenleser für das Smartphone, und die Gebühren halten sich in Grenzen: 0,95 Prozent für eine EC-Kartenzahlung, 2,75 Prozent bei Gebrauch einer Kreditkarte. Monatliche Fixkosten fallen nicht an. „Genau das Richtige für mich“ meint der Friseur, der häufig abends seine Kunden besucht. Und die müssen jetzt nicht mehr vorher an Bargeld denken.
Ein weiteres Kreuzberger StartUp-Unternehmen hat sich auf Systeme für die Gastronomie spezialisiert. Mit der so genannten Orderbird-Technologie, die auf dem Apple-Betriebssystem IOS basiert, wird das IPad gleichzeitig Karte, „Kellnerknochen“ und Registrierkasse. Neben Bargeld und Kartenzahlung kann bei diesem System die Rechnung auch per Paypal-Konto beglichen werden. Der Kunde loggt sich per Smartphone in sein Paypal-Konto ein und wählt dort das Restaurant aus, in dem er sich gerade befindet. Der Kassierer wiederum sieht dann den Kunden auf seinem iPad und kann ihn mit dem Foto des Paypal-Kontos identifizieren. Wenn alles passt, löst der Kassierer den Zahlvorgang aus. Der Kunde erhält umgehend den aktualisierten Kontoauszug, eine Quittung gibt es wahlweise per E-Mail, SMS oder ganz klassisch als Bon.

Bücher oder Tee für Bitcoins

Die in die Schlagzeilen geratene Kryptowährung Bitcoin wird in einigen Berliner Geschäften als Zahlungsmittel akzeptiert. Zum Bespiel in der Kreuzberger Fantasy – Buchhandlung Otherland. Bereits einige Male pro Woche wollen Kunden Bitcoins gegen Bücher tauschen. Das funktioniert so: Der Händler generiert einen so genannten QR-Code, der Käufer scannt diesen mit seinem Smartphone ein und transferiert dann den Euro-Betrag umgerechnet in Bitcoins von seinem Bitcoin-Konto auf das des Verkäufers. Das ist auch noch Neuland für die Finanzämter, deshalb verkauft der Buchhändler anschließend den Betrag an die eigene Kasse, um alles regulär zu versteuern. Regina Huyer, Besitzerin des Teeladens im Kreuzberger Graefekiez, akzeptiert die neue Währung ebenfalls, bleibt aber skeptisch: „All das was ich mit Bitcoin einnehme, schreibe ich erstmal innerlich ab. Weil ich nicht weiß, wo da die Zukunft liegt, finde es aber trotzdem spannend“. Bitcoin-Berater Levin Keller glaubt an die die Zukunft des Online-Geldes. Die jüngsten Turbulenzen vergleicht er mit der Pleite eines Goldhändlers: „Deswegen ist ja auch nicht das Gold wertlos“.

Beitrag von: Jörn Kersten

weitere Themen der Sendung

Eine Menschenmenge mit dem Schriftzug "Sparen" (Quelle: rbb)

Die Berliner und das Geld

Die Berliner sehen ihr Geld vor allem als Mittel zum Zweck. Sie kümmern sich wenig um Anlagestrategien oder finanzielle Feinheiten. Leider schlägt sich das auch in der Privatschuldenbilanz nieder.

Berliner Börse um 1900 (Quelle: rbb)

Finanzmetropole Berlin

Heute ist davon nicht mehr viel übrig - aber Berlin war einmal die deutsche Bank- und Finanzmetropole. Wer sich auf die Spurensuche macht, findet Zeugnisse aus allen Epochen: Vom Deutschen Reich bis in die DDR.

Bäacker in der Backstube formen Brotteig (Quelle: rbb)

Wie öffentlich ist das Gehalt?

Wer ausgeben will, muss erst einmal einnehmen: der Geldkreislauf beginnt in der Regel beim Gehalt. Aber wer was verdient, darüber wird meist geschwiegen. In manchen Berliner Betrieben geht man dagegen offen mit den Verdiensten der Kollegen um.

Tablet- und Smartphone-Hüllen aus Filz (Quelle: rbb)

Crowdfunding

Viele StartUps suchen für ihre Ideen Investoren im Internet. Die in einer "Aktion" eingesammelten vielen kleinen Beträge sollen den benötigten großen Betrag einbringen. Wie das funktioniert, zeigt das Beispiel der Berliner Designfirma Kancha.

Eine Crowdinvesting-Homepage (Quelle: rbb)

Crowdinvesting

Eine spezielle Finanzierungsform ist das Investing. Die Beträge, die hier gesammelt werden, gelten als kleine oder kleinste Unternehmensdarlehen - und werden verzinst. Doch auch das Risiko des Verlustes besteht.