-
Heute ist davon nicht mehr viel übrig - aber Berlin war einmal die deutsche Bank- und Finanzmetropole. Wer sich auf die Spurensuche macht, findet Zeugnisse aus allen Epochen: Vom Deutschen Reich bis in die DDR.
Gegenüber vom Berliner Dom drehen sich die Baukräne, erschaffen einen Teil der Berliner Geschichte neu. 2019 soll eine Rekonstruktion des Berliner Stadtschloss als „Humboldt-Forum“ in historischem Gewand fertig sein.
Nur einen Steinwurf von Dom und Schloss entfernt, da, wo heute das Dom-Aquarée an der Spreepromenade steht, stand einst die Zentrale des Finanzplatzes Berlin. Die 1863 eröffnete monumentale Berliner Börse hatte eine säulengeschmückte Sandsteinfassade und zahlreichen Skulpturen auf dem Dach.
Berlin wurde durch Preußen zur Finanzmetropole
Berlin war nämlich von 1870 bis zum Zweiten Weltkrieg das deutsche Finanzzentrum schlechthin, überragte den Finanzplatz Frankfurt deutlich. Im Jahr 1914 residierten im Berliner Bankenviertel südlich des Prachtboulevards Unter den Linden 25 große Banken. Einige dieser Bankpaläste stehen noch heute – und künden von einer Zeit, in der die Spitzenbankiers der damaligen Großbanken wie Disconto-Gesellschaft oder Berliner Handelsgesellschaft zu unermesslichem Reichtum gelangten und diesen ungehemmt zur Schau stellten.
Eine wichtige Rolle beim Aufschwung der Berliner Banken spielte der Bedeutungszuwachs Preußens im 19. Jahrhundert, erläutert der Wirtschaftshistoriker Prof. Carl-Ludwig Holtfrerich: „Preußen, welches ja die halbe Fläche und halbe Bevölkerung des deutschen Reiches hatte, war mit einer Zentralbank ausgestattet, die dann 1876 zur Reichsbank wurde. Und der Standort einer Zentralbank ist immer auch ein Anreiz für Banken und andere Finanzinstitutionen wie Versicherungen, sich dort anzusiedeln.“
Bankpaläste lassen alte Zeit lebendig werden
Der studierte Politologe Erik Natter lässt die Blütezeit des Finanzplatzes Berlin lebendig werden. Seit acht Jahren bietet Natter eine Führung durch das Berliner Bankenviertel an. Er entlockt den Reliefs der 1872 erbauten Deutschen-Bank-Zentrale in der Behrenstraße Geschichten über den Gründungsdirektoren Georg von Siemens. „Über seine Familie hatte er beste Kontakte zum Großunternehmen Siemens, das die Elektrifizierung in vielen Gegenden der Welt durchführte, und dazu hat die Deutsche Bank häufig die Finanzierung geleistet“, erläutert Natter.
Erlebbar wird der Prunk der alten Zeit noch am Bebelplatz – zumindest für jene, die sich ein Doppelzimmer ab 266 Euro die Nacht leisten können. Vor 125 Jahren ließ sich die Dresdner Bank hier einen Palast errichten, vor acht Jahren wiederbelebt durch das noble „Hotel de Rome“. Im prunkvoll restaurierten Kassensaal finden nun 40 Hochzeiten pro Jahr statt, im Keller, wo einst Gold und Juwelen in Tresoren lagerten, entspannen die Gäste im Spa. Und im Tresorraum der Staatsbank der DDR - die nutzte das Gebäude von 1968 bis 1990 – können Heiratswillige ihrer Auserwählten Heiratsanträge machen.

Niedergang begann mit Weltwirtschaftskrise 1931
Doch das Gebäude am Bebelplatz ist auch mit dem Niedergang der Berliner Großbanken verknüpft. Der begann mit der Weltwirtschaftskrise von 1931, der in dem Konkurs einiger Banken und der Verstaatlichung der Dresdner Bank mündete. Die Nazis nutzten dies, um über den Aufsichtsrat massiv Einfluss zu nehmen. Die Dresdner Bank wurde zur Hausbank der SS, finanzierte über Tarnfirmen sogar den Bau der Krematorien im KZ Auschwitz. Die unrühmliche Vergangenheit ließ die Dresdner Bank in einer 2006 erschienen Studie durch Historiker aufarbeiten. Eine Aufarbeitung, die die Deutsche Bank im Jahr 2001 mit dem Buch "Die deutsche Bank im Dritten Reich" leistete.
Mit dem Dritten Reich ging auch der Finanzplatz Berlin unter. Im Ostteil verboten die Russen die Großbanken. Im Westteil setzten die Amerikaner durch, die Zentralbank nach Frankfurt zu verlagern. Von der Finanzmetropole Berlin bleiben großenteils nur noch Erinnerungen. So brannte auch die Börse im Krieg völlig aus und wurde 1958 abgerissen. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel am Gebäude des Bundesverbands der Banken an die vergangenen Zeiten.
Beitrag von: Robin Avram







