-
Wer ausgeben will, muss erst einmal einnehmen: der Geldkreislauf beginnt in der Regel beim Gehalt. Aber wer was verdient, darüber wird meist geschwiegen. In manchen Berliner Betrieben geht man dagegen offen mit den Verdiensten der Kollegen um.
"Über Geld spricht man nicht !" Dieser Grundsatz gilt nach wie vor in vielen Unternehmen. Das Sprechen über die Lohnhöhe ist ein Tabu. Laut einer Forsa-Umfrage sprechen die Deutschen eher über ihr Liebesleben als über ihr Gehalt.
Verschwiegenheitsklauseln sind unwirksam
Viele Arbeitnehmer denken offenbar auch, es sei verboten, über den Verdienst zu sprechen. Und tatsächlich enthalten Arbeitsverträge oft sogenannte "Verschwiegenheitsklauseln". Doch in Wirklichlichkeit sind solche Verbote unwirksam. In einem Grundsatzurteil hat das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern entschieden, dass Beschäftigte über ihr eigenes Gehalt sprechen dürfen. Denn in Unternehmen gelte der Gleichbehandlungsgrundsatz, auch beim Lohn. Und um zu erkennen, ob Kollegen für die gleiche Arbeit eventuell besser bezahlt werden, muss man die Möglichkeit haben, sich über die gezahlten Löhne zu unterhalten.
Wissen um Lohnhöhe gilt als Leistungsanreiz
Aber viele Arbeitnehmer sind trotzdem zurückhaltend, wenn es darum geht, über ihr Gehalt zu sprechen. Wer viel verdient, sagt es nicht, weil er den Neid der Kollegen und Freunde fürchtet. Wer wenig verdient, will kein Mitleid ernten.
In anderen Ländern geht man mit dem Thema offenbar lockerer um. In den USA oder den skandinavischen Staaten macht niemand ein Geheimnis darum, wieviel er verdient. Im Gegenteil - das Wissen um die Lohnhöhe der anderen gilt dort als Leistungsanreiz.
Auch in Deutschland versuchen inzwischen einige Unternehmen, mehr Transparenz zu wagen. Aber gerade bei diesem Thema ist es offenbar schwierig, das Denken und Handeln zu verändern.
Beitrag von: Andreas Vogtmeier








