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Schon die Erfindung an sich setzt bei Laien, aber auch bei Profis viele Fantasien frei: alles ist auch druckbar! 3-D-Drucker - als Ersatz für Maschinen und Universalgerät?

Revolution oder Spielerei?
Das 3D-Labor an der Technischen Universität Berlin ist zum Ziel für Klassenausflüge geworden. Faszinierend ist die Technik, mit der eine Maschine Kopien eines Objekts oder die Materialisierung einer Computerdatei ausdruckt.
Wobei nach Meinung aller Experten bei 3D-Druckern eigentlich nicht wirklich gedruckt wird. Korrekterweise müsse es „additive Fertigungstechnik“ heißen. Einer der Drucker an der TU arbeitet mit einem Gipspulver-Druckverfahren erklärt Samuel Jericho, wissenschaftlicher Mitarbeiter 3D-Labor. „Der funktioniert im Grunde so wie die Drucker zu Hause auch, nur dass er nicht auf Papier druckt, sondern auf einem Gipspulver und überall da wo er druckt verklebt das Pulver. Und so baut sich das Modell Schicht für Schicht zusammen, bis ich es am Ende dann rausholen kann.“ Solche Gipsmaschinen kosten mehrere zehntausend Euro, sind also nicht wirklich für den Hausgebrauch gedacht.
Abgelaufene Patente machen 3D-Drucker erschwinglich
Aber inzwischen gibt es Einsteigergeräte mit einer anderen Technik und Preisen unter 1.000 Euro, die den 3D-Druck erschwinglich machen. „Fused Deposition Modeling“ – zu deutsch „Schmelzschichtung“ nennt sich die Technik.
Wie bei einer Nähmaschine wird ein Plastikfaden nach und nach eingezogen, am Druckkopf bei 210 Grad geschmolzen und Schicht für Schicht in der richtigen Form aufgetragen, um anschließend auszuhärten.
Das Patent für dieses vergleichsweise günstige Verfahren ist vor kurzem abgelaufen, seitdem sind solche „FDM-Drucker“ auch für Einsteiger auf dem Markt. Aber, auch wenn die Maschinen inzwischen günstiger sind, bleibt der Zeitaufwand enorm. Jedes Objekt muss zunächst eingescannt oder am Computer als 3D-Datei entworfen werden. Im nächsten Schritt wird dann eine Druckdatei erstellt, nach deren Befehlen der Drucker das geschmolzene Plastik Schicht für Schicht aufträgt.
Und auch das dauert lange. „You in 3D“ heißt ein kleiner Laden in Berlin-Mitte, betrieben von Computerexperten, die sich auf Service rund um den 3D-Druck spezialisiert haben. „Ein gut gemachter Legostein, der auch auf andere passt, braucht vier bis fünf Stunden“, erklärt Jan Northoff, einer der Betreiber von Youin3D. Kostenpunkt 20 bis 30 Euro – da ist das herkömmliche Verfahren dann doch günstiger.
Aber es gibt durchaus sinnvolle Anwendungen. Eine Rolle für seinen defekten Spülmaschinenkorb hat sich Jan Northoff per 3D-Druck selbst gemacht, vom Hersteller war dieses Ersatzteil nicht mehr zu haben.

Keine Massenproduktion mit 3D-Druck
Einzelstücke will auch Lukas Oehmigen mit seinem „Big Rep“ herstellen. Das ist der größte 3D-Drucker auf FDM-Basis. Gebaut und vertrieben von einer StartUp Firma aus Berlin Kreuzberg. 1,3 Kubikmeter große Objekte kann dieser Drucker herstellen. Ein Tisch aus dem Drucker, vorgestellt auf der 3D Print Show in New York, machte Schlagzeilen.
Aber auch in der Industrie werden 3D-Drucker eingesetzt. Der Berliner Brillenhersteller IC-Berlin nutzt die 3D-Drucktechnik für die Produktion von Prototypen. „Mit keiner anderen Fertigungstechnik ist es möglich, einen Entwurf auf Tauglichkeit zu prüfen oder eben schnell zu verändern“, beschreibt der technische Leiter Thomas Bochmann die Vorteile des 3D-Drucks. Und sogar eine kleine Serienproduktion von tausend Modellen aus dem Drucker ist in der neuesten Kollektion geplant. Die kosten im Laden dann mehrere Hundert Euro.
Beitrag von Jörn Kersten







