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Einer der ältesten "green jobs" ist der Beruf des Schäfers. Gerade im Flächenland Brandenburg war und ist viel Platz für die Schafherden. Aber die Zunft sieht ihre Zukunft schwarz: die laufenden Kosten sind kaum noch zu stemmen, allein die Beiträge für die Berufsgenossenschaft vervielfachen sich von Jahr zu Jahr. Dabei ist der Hüte-Alltag schon schwer genug. Eine Reportage.

Ein Rund-um die-Uhr-Beruf
Den Schäfern in Brandenburg geht es wirtschaftlich schlecht. Der Bestand an Schafen ist im Vergleich zum vergangenen Jahr um 10% zurückgegangen. Aber immerhin rund 4000 Landwirte halten in Brandenburg noch Schafe.
Schäfermeister Frank Hahnel hat seinen Betrieb bei Müncheberg in Märkisch-Oderland. Sein Tag beginnt früh – meistens noch vor Sonnenaufgang. 600 Schafe besitzt er, 350 davon sind auf der Weide. Im Stall sind 250 Tiere - die werden bald ihre Lämmer zur Welt bringen. Hier sind sie besser geschützt als auf der Weide. Als erstes kontrolliert der Schäfer jeden Morgen, wie viele Schafe in der Nacht gelammt haben. Gerade die Osterlämmer müssen aber keine Zukunft als Osterbraten befürchten.
Die Lämmer, die Ostern auf dem Tisch liegen, werden schon im Winter geboren. Und sie sichern dem Schäfer einen Teil seiner Einnahmen – allerdings nur einen sehr kleinen. 2 Euro 20 bekommt der Schäfer pro Kilo. Davon leben kann er nicht, denn mehr als 60 bis 80 Euro bringt ihm ein Osterlamm nicht. Nur 40% von Hahnels Einnahmen kommen aus dem Fleischverkauf. Die Konkurrenz von Billigfleisch aus Neuseeland ist einfach zu groß.
Und auch die Wolle bringt gerade mal 1,30 Euro pro Kilogramm. Wolle von Hahnels Merino Schafen ist damit noch verhältnismäßig gut bezahlt. Woanders reicht das Geld nicht mal aus, um den Schafscherer zu bezahlen. Schäfer sind also auf Fördergelder angewiesen.

Förderung
Auf den Brandenburger Weiden gibt es deshalb immer weniger Schafe. 77.000 sind es noch - vor 13 Jahren waren es doppelt so viele. 250 Hektar Land hat Schäfer Hahnel, 50 davon gehören im selbst. Seine Schafe weiden auf einem ehemaligen NVA-Übungsgelände. Diese Fläche könnte landwirtschaftlich auf andere Art gar nicht genutzt werdenVon der EU bekommt er für die Landschaftspflege Geld für seine Flächen.
Früher gab es zusätzlich noch EU-Prämien abhängig von der Zahl der Mutterschafe. Für den Schäfer war das die bessere Lösung. Damals hatte er 1900 Mutterschafe. Er macht die ganze Arbeit mit der Familie allein, weil das Geld für die Angestellten nicht mehr hereinkommt. Mehr als 16.000 Euro pro Jahr verdient eine durchschnittliche Schäferfamilie nicht. Wenn das Land jetzt die Fördermittel für die Landschaftspflege nicht erhöht, müsste Frank Hahnel aufgeben. Für ihn eine Katastrophe – denn eigentlich liebt er seinen Beruf und seine Schafe über alles.

Kaum Nachwuchs
Schäfer ist ein aussterbender Beruf. In ganz Brandenburg gibt es nur einen Schäferlehrling - und vielleicht bald einen zweiten. Hahnels Praktikantin Jasmin kommt jeden Tag, wird allerdings vorerst vom Arbeitsamt bezahlt. Sie möchte jedoch unbedingt Schäferin werden und später mal mit einer eigenen Herde nach Norwegen auswandern.
Jeden Tag heißt es im Betrieb der Familie Hahnel Stall säubern, füttern und tränken. Auch Frank Hahnels Ehefrau macht mit. Das Wohl der Schafe ist die Existenz der Familie.

Natur-Pflege
Am Nachmittag dürfen die Mütter mit den älteren Lämmern auf die Weide. Schäfer Hahnels Weiden liegen alle im Umkreis von 16km rund um Müncheberg. Andere Schäfer wandern mit ihren Schafen weitere Strecken und leisten damit einen Beitrag zum Naturschutz. Denn früher gab es große Wiesenflächen und Weideflächen.
Durch Straßen und Häuser sind diese Flächen zerschnitten worden. Die Schäfer vernetzen mit der Wanderschafhaltung nun diese kleinen Wiesen, transportieren Samen von einer Wiese zur anderen und erhalten auf diese Weise die Artenvielfalt auf diesen Flächen. Als lebende Trippelwalze sorgen Schafe außerdem für die Stabilität von Deichen.
Beitrag von Anja Nehls







