Frau steckt Geld in ein rotes Sparschwein (Quelle: rbb)

- Was hindert uns am Sparen?

Fast jeder würde gerne Geld sparen. Doch viele scheuen den zeitlichen Aufwand, ihre Verträge zu prüfen und können sich impulsive Einkäufe nicht verkneifen. Sparen ist auch Kopfsache und wir klären, was uns aus psychologischer Sicht davon abhält. 

Wer möchte nicht gerne sparen? Und so nehmen sich viele Menschen immer wieder vor, impulsive Einkäufe zu vermeiden oder bestehende Verträge zu prüfen, um günstigere abzuschließen. Doch warum werfen wir unsere guten Vorsätze so schnell wieder über Bord? Was hält uns aus psychologischer Sicht vom Sparen ab? Und wie können wir uns selbst austricksen, um wirklich zu sparen?  

Vorsatz Konsumverzicht

Wenn Rabatte und Sonderangebote locken, wird schneller eben mal zugegriffen, statt wohl zu überlegen, ob das Paar Schuhe oder das neue Handy wirklich notwendig sind. Der Handel nutzt das, verspricht uns, dass wir sparen. Da ist es schnell vorbei mit dem Konsumverzicht.
Der Grund: es fühlt sich einfach gut an, wenn man Geld spart.
Dabei wissen wir, dass nur der wirklich spart, der gar nicht erst Geld ausgibt.  

Was im Gehirn passiert

Unser Gehirn lässt sich offenbar leicht überlisten von Rabatt- und Sparversprechen. In der Hirnforschung wurde festgestellt, dass bei Sonderangeboten im "Belohnungszentrum" Dopamin ausgeschüttet wird. Das sorgt für ein angenehmes Gefühl, und kann Folgen haben - bis hin zum Kaufrausch. Gleichzeitig sind die Kontrollmechanismen weniger aktiv. Das heißt, unser Verstand, unsere Ratio wird regelrecht ausgestellt. Drei Gehirnregionen sind daran beteiligt:

• Insula und Nucleus Accumbeus:
Die Insula empfängt Signale aus allen Teilen des Körpers und setzt diese in spürbare Empfindungen um. Ihr Gegenspieler ist der Nucleus Accumbeus. Er steuert Erregung und Verlangen im Gehirn und ist sozusagen das Belohnungszentrum. Beide zusammen steuern das instinktive und emotionale Verhalten und senden Signale.

• Der präfrontale Cortex:
die "Stimme der Vernunft" gleicht die oftmals widersprüchlichen Signale der beiden vorher genannten Gehirnregionen mit früheren Erfahrungen ab und kann so pragmatische Entscheidungen treffen. Allerdings benötigt der präfrontale Cortex dazu Zeit.

Fehlt die Zeit, und ist der Mensch von der Flut der Angebote überfordert, trifft er schnelle Entscheidungen, die allein auf seinen Emotionen beruhen. Sein Handeln wird kaum noch von der Vernunft gesteuert. Der Grund: Das bewusste Denken verbraucht mehr Energie. Deswegen neigen wir dazu auf den Autopiloten zu schalten, um Energie zu sparen. Der arbeitet extrem schnell und sendet aber nur diffuse Körpersignale aus.

Psychologische Tricks

Barzahlung ist die beste Variante. Denn dem Glücksgefühl beim Schnäppchenkauf sollte im Idealfall der Verlust des Geldes gegenüberstehen. Die Insula kann dieses Signal aber nur senden, wenn sie auch einen Reiz erhält.
Beim bargeldlosen Bezahlen mit Kreditkarte kann die Insula nicht reagieren und nur das Belohnungszentrum sendet Signale, da die neuen Schuhe sofort greifbar sind. Das Gefühl für Geld geht dadurch schnell verloren.
Eine weitere Strategie könnte sein, den Laden tatsächlich fluchtartig zu verlassen. Oder sich zumindest eine Bedenkzeit einbauen, sich mit jemandem zu beraten und den Kauf zu verschieben. So hat der Verstand die Möglichkeit, sich einzuschalten. 

Recht: Drei Männer vor einem Paragrafenzeichen; Foto: imago/blickwinkel

Finanzcheck laufender Verträge

Ratgeberhefte und Verbraucherschutz weisen uns immer wieder daraufhin, dass damit viel Geld zu sparen ist. Doch viele Menschen scheuen den Aufwand. Schließlich ist bei Verträgen Einiges zu beachten. Von Dauer über Kündigungsfrist, Zahlweise, Rabatte und Präsente. Zudem sind es so viele Verträge, die wir regelmäßig überprüfen sollten. Und jeder Anbieter lockt mit anderen Mitteln: ob mit Freiminuten, Bonuszahlungen oder geschenkten Monaten. Bei der Fülle der Möglichkeiten schieben wir das lieber auf oder geben gleich auf. Psychologen bestätigen, dass wir dazu neigen, Dinge aufzuschieben, wenn es darum geht, komplexe Fragen zu entscheiden. Besonders, wenn sie unser Leben nicht unmittelbar ändern, sondern auf die Zukunft zielen. Das liegt daran, dass der Mensch Schwierigkeiten hat, sich die Zukunft vorzustellen. Wir neigen dazu, künftige Gewinne und Verluste erheblich weniger wertzuschätzen und kurzfristigen Konsum zu überschätzen. Das nennt die Verhaltensökonomik "hyperbolische Diskontierung" oder auch das Spatz-in-der-Hand-Paradox. 

Was hilft?

Manchmal reicht es schon aus, Freunden oder der Familie das Vorhaben laut zu verkünden. Am besten mit einem Termin. Wir neigen nämlich dazu, dass wir uns in der Regel auch an das halten wollen, was wir einmal gesagt haben. Es ist uns wichtig, dass wir gemäß unserer Werte handeln.
Um dann wegen der Fülle der Möglichkeiten nicht zu scheitern, sollte das K.O.-Prinzip angewendet werden. Dabei entscheidet man sich, was wichtig ist, lässt Möglichkeiten ausscheiden, so dass nur noch wenige zur Auswahl übrig bleiben.
Um uns zu motivieren, sollten wir uns vorstellen, was wir mit dem Gesparten so machen könnten. Noch besser tricksen wir uns aber aus, wenn wir an den Verlust denken. Denn erwiesenermaßen reagieren wir stärker auf Verluste, selbst wenn diese genauso hoch ausfallen wie Gewinne. Dadurch ist eine Verlusterwartung oder allein das Gefühl, ich könnte hier Geld verlieren, ein starker Motivator.

Beitrag von: Katja Charlé

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