Styropor zu entsorgen ist schwierig, er gilt als gefährlicher Müll, Quelle: rbb

- Styropor-Dämmung nun 'gefährlicher Müll'

Laut einer EU-Richtlinie gelten seit Oktober Dämmstoffe aus Styropor als "gefährlicher Müll" und können nur noch in wenigen, darauf spezialisierten Anlagen entsorgt werden. Den Dämm-Müll los zu werden, könnte für Baufirmen und –herren zum Problem werden. 

Styropordämmplatten gelten seit Anfang Oktober als "gefährlicher Abfall". Die Entsorgung ist ungeklärt, deshalb herrscht auf vielen Baustellen in Berlin jetzt Stillstand. Nur eines ist sicher: Die Kosten steigen um ein Vielfaches.

Großbaustelle am Ortolanweg in Berlin-Neukölln. Bis Mitte September lief alles nach Plan bei der energetischen Sanierung der Mietshäuser einer Berliner Wohnungsbaugesellschaft. Seitdem geht gar nichts mehr. Der Grund: Ein Entsorgungsstau bei Styropordämmplatten. Die Dachdeckerfirma Blum musste ihre Mitarbeiter abziehen. "Das Material, was schon abgerissen ist liegt jetzt hier rum auf der Baustelle. Wir bekommen es nicht entsorgt und die Baustelle ist zum größten Teil eingestellt", erklärt Toni Voigt, Bauleiter der Dachdeckerfirma Blum, eine der größten in Berlin. Bis Dezember sollten die Arbeiten abgeschlossen sein, aber der Termin ist nicht mehr zu halten. Nach Angaben von Bauverbänden keine Ausnahme, sondern die Regel auf Berliner Baustellen.  

HBCD, Bestandteil von Styropor, Quelle: rbb

Der Grund dafür ist eine neue Abfallverordnung zur Behandlung von Styropordämmplatten. Sie wurden seit Jahrzehnten zur Dämmung von Gebäuden verbaut und gelten seit Anfang Oktober als so genannter "gefährlicher Abfall". Der Grund dafür sind enthaltene Flammschutzmittel, die bewirken, dass die Platten bei einem Brand nur schmoren und nicht brennen. Dieser Stoff namens HBCD wurde vor drei Jahren als giftig für Mensch und Tier eingestuft. Deshalb gilt für den Dämmstoff nun ein anderes Müllregime. "Der Gesetzgeber hat das Recht geändert, er hat sich aber nicht darum gekümmert, wie dieses Recht nun umgesetzt wird in der Praxis", beklagt Rüdiger Thaler Geschäftsführer der Berliner Dachdeckerinnung.  

Keine Kapazitäten für "gefährlichen Abfall" in Berlin und Brandenburg

Bisher wurden solche Dämmplatten zusammen mit anderem Bauschutt als Mischabfall verbrannt. In herkömmlichen Müllverbrennungsanlagen, wie dem Heizkraftwerk Ruhleben. Auch so können die enthaltenen Giftstoffe vernichtet werden, denn die sind nur dann gefährlich, wenn sie nicht "thermisch" entsorgt werden, sondern auf Deponien landen. Nach der neuen Klassifizierung als "gefährlicher Abfal" müssen Styroporplatten ab jetzt separat gesammelt, gekennzeichnet und in speziellen Sondermüllverbrennungsanlagen entsorgt werden. Damit sei der Gesetzgeber weit übers Ziel hinaus geschossen, meint Alexander-Georg Rackow, Sprecher der Deutschen Entsorgungswirtschaft. Denn die entsprechende EU-Vorgabe verlange lediglich, dass HBCD-Dämmplatten verbrannt werden, die Einstufung als "gefährlicher Abfall" sei eine rein deutsche Angelegenheit.
Das Problem dabei: Die zwei Anlagen in unserer Region, die damit umgehen können – MEAB in Schöneiche und PCK in Schwedt – werden derzeit gewartet und können erst in ein paar Wochen Styroporplatten verwerten. Aber selbst das ist ungewiss, denn Styropor pur ist - aufgrund des hohen Brennwertes - in der Müllwirtschaft äußerst unbeliebt. "Das heißt, ich kann nur sehr wenig davon gleichzeitig in den Ofen tun, ansonsten fliegt mir der Ofen um die Ohren", erklärt Rackow.  

Ariane Blaschey, Quelle: rbb

Die Behörde spricht von Anlaufschwierigkeiten

Die Sonderabfallgesellschaft Brandenburg-Berlin (SBB) koordiniert als Behörde solche Müllströme. Dort spricht man von Anlaufschwierigkeiten, Baufirmen und Entsorger müssten sich erst auf die neue Situation einstellen, wie bei ähnlichen Vorgängen in der Vergangenheit. So habe es auch bei Teerpappe und asbesthaltigem Abfall im Jahre 2002 ähnliche Umstellungsschwierigkeiten gegeben: "Auch damals war die Situation, dass damit neue Entsorgungswege verbunden waren, entsprechende Genehmigungen und sich die Abfallwirtschaftsbeteiligten anpassen mussten", meint Prokuristin Ariane Blaschey.  

Sie verweist auch auf Firmen wie Berlin-Recycling. Das Problem der großen Volumen bei zu entsorgenden Styroporplatten, kann dort – im Wortsinn – verkleinert werden, indem das Styropor gepresst und um das Zehnfache verdichtet wird. So könnte der Abfall zumindest von den Baustellen abgeholt und zwischengelagert werden, bis die endgültige Entsorgung geklärt ist. Genug Kapazitäten seien vorhanden, versichert Michael Scholz, Leiter Anlagenbetrieb bei der BSR-Tochterfirma. Aber, diese Methode ist teuer. Inklusive Entsorgungsnachweisen und Sondermüllverbrennung rechnen Baufirmen mit einer Verzehnfachung der Entsorgungskosten. Für viele Mieter ein Horrorszenario, denn energetische Sanierungen sind schon jetzt vor allem ein Kostenfaktor. Ab sofort dürften die Preise dafür nochmals in die Höhe schnellen.

Beitrag von: Jörn Kersten

weitere Themen der Sendung

gestiegene Baukosten zur hohe Baustandards, Quelle: rbb

Wie Bau-Standards die Mieten hochtreiben

"Bezahlbares Wohnen" mit Quadratmeterpreisen deutlich unter zehn Euro – bleibt auch nach der Berlin-Wahl ein wichtiges Thema. Doch selbst wenn man bei Baustoffen und Verarbeitung einsparen würde, halten viele Bau- und Wohnungsfirmen das für nicht mehr realistisch. Sie sehen die gesetzlichen Vorschriften und die hohen Standards als Ursache für die steigende Miete. 

Mietshaus im Ernst-Thälmann-Park in Berlin, Quelle: rbb

Neue Wohnung finden über eine Tauschbörse?

Eine neue Wohnung zu finden, ist gerade auf dem Berliner Wohnungsmarkt nicht leicht und oft mit einer deutlich höheren Miete verbunden. Helfen könnte da eine Tauschbörse, in der sich Mieter untereinander über ihre Wohnwünsche informieren und gegebenenfalls tauschen könnten. Was in Wien gut funktioniert, ist hier noch Zukunftsmusik. 

Was! Kompakt Logo (Quelle: rbb)

was! KOMPAKT

+++  Förderung für Heizungsanlagen +++ Hausratsversicherungen gegen Einbrüche +++ Baumessen am Berliner Ostbahnhof und in Cottbus +++

Winzige Häuser, die trotzdem jeden Komfort haben, Quelle: rbb

Winzig und doch komfortabel wohnen

Die Idee des "Tiny-House" – winziges Haus findet mehr und mehr Anhänger auch in Deutschland. Leben auf wenigen Quadratmetern und trotzdem auf nichts verzichten. Anbieter für entsprechende Immobilien gibt es auch in unserer Region.