Verwaltungsgebäude (Quelle: rbb)

- Umwidmung von Gebäuden

Wenn Kirchen, Bahnhöfe oder Kasernen nicht mehr als solche genutzt werden, stellt sich die Frage, was passiert mit den Gebäuden? Oft sind die neuen Nutzer von der Vorgeschichte fasziniert und bauen die Häuser für ihre Bedürfnisse um. Was! zeigt drei Beispiele aus der Region.

Die Zeiten ändern sich, die Gebäude halten dieses Tempo nicht immer mit. Ob Kirche, Bahnhof oder Kaserne – oft ist es gerade die ungewöhnliche Vorgeschichte, die neue Nutzer reizt, sich mit dem Gebäude zu beschäftigen und es für eine eigene Nutzung umzubauen. Drei Beispiele aus der Region:
Verwaltungsgebäude (Quelle: rbb)

Das alte Verwaltungsgebäude in Eiswerder

Die Arbeit im Lesecafé der "Alten Schule" ist für Detlef Witt-Schleuer eine Herzensangelegenheit. Der 58-jährige Journalist organisiert nicht nur den kleinen Gastronomie-Betrieb sondern gehört auch zu den Gründern einer Eigentümergemeinschaft, die sich auf Eiswerder niedergelassen hat. Die 13 Nutzer haben insgesamt etwa 2 Millionen Euro in ein altes Verwaltungsgebäude aus der Kaiserzeit investiert. Nach dem Krieg diente es als Berufsschule, heute entstehen auf 1200 Quadratmetern moderne Wohn- und Arbeitsräume, frei finanziert, ohne Fördermittel. Die neuen Eigentümer scheuen den Papierkrieg und schätzen ihre Unabhängigkeit. Ihr Projekt ist noch lange nicht abgeschlossen. Die meisten Investitionen müssen gemeinsam finanziert werden. Was die einzelnen Nutzer machen, muss daher nicht nur ins Gesamtkonzept passen, sondern auch finanziell etwas abwerfen.
Lutherkirche Spandau (Quelle: rbb)

Die Lutherkirche Spandau

Auch in der Spandauer Lutherkirche geht es um Geld. Abriss oder Umbau war hier bereits Anfang der 90er Jahre die Alternative für die stetig kleiner werdende Gemeinde im viel zu großen Gotteshaus. Das Gebäude mit ehemals 1.300 Plätzen wurde schließlich zweigeteilt. Neben den Kirchen- und Gemeinderäumen sind neun Wohnungen entstanden, die eine ganz eigene Atmosphäre ausstrahlen. Das Einrichten zwischen den dicken Mauern ist zwar nicht immer ganz einfach und die Heizkosten sind ebenfalls höher, aber das Wohngefühl ist einmalig. Nun wird auch noch das ebenfalls viel zu groß gewordene Gemeindehaus halbiert. Neben Räumen für die Konfirmanden entsteht ein Nachbarschaftszentrum, das offen für alle Konfessionen ist. Finanziert wird das Projekt mit Hilfe von Fördermitteln.
Bahnhof Lübbenau (Quelle: rbb)

Bahnhof Lübbenau

Dass die Umwandlung historischer Gebäude nicht zum Schnäppchen-Preis zu haben ist, zeigt sich auch am Bahnhof Lübbenau. War der Kaufpreis der Immobile mit 20 Tausend Euro noch vergleichsweise billig, schluckte die anschließende Sanierung stolze 1,3 Millionen. Heute verbirgt sich hinter der schlichten Backsteinfassade eine von Künstlern gestaltete Pension. Um das ganze Haus jedoch wirtschaftlich betreiben zu können, gibt es im unteren Bereich des Gebäudes noch Bahnkarten, Fahrräder und eine Tourismus-Information. Ähnlich flexibel arbeiten auch die Kulturschaffenden vom benachbarten Gleis 3. Im ehemaligen Schmierstoff-Lager gibt es nicht nur Theater und Workshopprogramme, sondern die Räume werden auch vermietet. Das Konzept wird von der Stadt finanziell unterstützt, die interessiert ist, das alte Industriegelände zu erhalten. Ein Lokschuppen ist derzeit noch frei. 3.600 Quadratmeter warten auf Ideen und Geld.

 

Beitrag von: Ira Zahlmann