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In Berlin sind niedergelassene Ärzte höchst unterschiedlich verteilt. Während es in Neukölln und Treptow kaum Fachärzte gibt, gelten Mitte, Charlottenburg und Wilmersdorf als überversorgt. Der Gesundheitssenator möchte das ändern, stößt jedoch auf Widerstand durch die Kassenärztliche Vereinigung.

Rund 8000 Arztpraxen gibt es Berlin. Das ist viel im Vergleich zu anderen Bundesländern. Die Kassenärztliche Vereinigung meint deshalb auch, die Hauptstadt sei ausreichend versorgt. Aber es gibt ein Problem. Die Ärzte sind sehr ungleich über das Stadtgebiet verteilt.
Vor allem Fachärzte finden sich in einigen Bezirken kaum. Randbezirke wie Treptow-Köpenick und sozial schwächere Stadtteile wie Kreuzberg oder Neukölln sind nur unzureichend mit Arztpraxen versorgt. Die Folgen für die Patienten sind immens. Sie bekommen keine Termine oder müssen Monate darauf warten. Wenn sie dann doch einen Termin ergattern können, sitzen sie stundenlang in der Praxis , weil sie überfüllt ist. Außerdem haben die Ärzte in den betroffenen Stadtgebieten weniger Zeit für ihre Patienten. Viele weichen deshalb in andere Bezirke aus. Doch das bedeutet lange Wege. Vor allem alte und schwer kranke Patienten sind die Leidtragenden.
Aber wie kommt es zu der ungerechten Ärzteverteilung? Es liegt in erster Linie am Geld. Die Ärzte lassen sich am liebsten in den Bezirken nieder, wo es die Chance auf möglichst viele Privatpatienten gibt. Außerdem haben sie in wohlhabenderen Gegenden auch bessere Möglichkeiten, teurere IGEL-Anwendungen zu verkaufen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Gemessen an der Einwohnerzahl gibt es zum Beispiel in Charlottenburg-Wilmersdorf mehr als doppelt so viele Augenärzte wie in Neukölln. Ein Frauenarzt muss in Charlottenburg statistisch gesehen rund 1700 Patientinnen versorgen, in Neukölln sind es 5500.
Berlins Gesundheitssenator Czaja wollte das Problem mit einer kleinräumigeren Bedarfsplanung lösen. Doch die Kassenärztliche Vereinigung stellt sich quer. Sie will, dass Berlin ein Planungsbezirk bleibt.
Beitrag von: Andreas Vogtmeier


