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Vor genau einem Jahr hat die amerikanische Firma First Solar in Frankfurt (Oder) angekündigt, die Produktion einzustellen. Für die 900 Beschäftigten wurde eine Auffanggesellschaft gegründet. Ist das gut angelegtes Geld? Schließlich ist das nicht das erste Großprojekt in der Region, das in den Sand gesetzt wurde.
Die Reste der einst größten Solarhoffung an der Oder stehen in Kisten vor den ehemaligen Produktionshallen von First Solar. Bis Ende Mai soll alles geräumt sein. Rund 250 Mitarbeiter sind noch mit dem Abbau beschäftigt.
Transfergesellschaft ist besser als Arbeitslosigkeit
Einen Steinwurf entfernt, sitzt ein Teil der ehemaligen Mitarbeiter, der schon jetzt auf Jobsuche ist. In denSeminarräumen des TÜV Rheinlands werden sie zu Pflegefachkräften fortgebildet. Das ist eine der Qualifizierungen, welche die Transfergesellschaft derzeit für 650 ehemalige Solarwerker anbietet. Neben den passablen Arbeitsmarktaussichten in der Pflege spricht ein weitererer Grund für den Eintritt in die Transfergesellschaft: Neun Monate lang bekommen die ehemaligen First-Solar-Mitarbeiter 80 Prozent ihres letzten Gehalts. Angst und Zuversicht liegen bei den Teilnehmern dicht beieinander.
Gedämpfte Erwartungen
Doch selbst die Arbeitsagentur dämpft die Erwartungen. Laut Jochem Freyer, dem Geschäftsführer der Frankfurter Arbeitsagentur, haben bisher erst 50 der von der Transfergesellschaft betreuten Menschen einen neuen Job gefunden. Es wäre schon ein großer Erfolg, wenn am Ende der Fortbildungen die Hälfte der ehemaligen Solarwerker wieder in Lohn und Brot stünde, so Freyer.
Ohne größere Abstriche bei den Gehaltvorstellungen und der Bereitschaft zu pendeln, seien die Jobaussichten ohnehin sehr gering. Kommunalpolitiker und Wirtschaftsförderer suchen unterdessen fieberhaft nach Investoren für die ehemaligen First-Solar-Produktionsstätten. Falls sich dabei nicht schnell ein Erfolg einstellt, wird Frankfurt (Oder) weiter junge und qualifizierte Fachleute verlieren. Die Folgen einer solchen Abwanderung kann man derzeit in der Innenstadt sehen: Gegenüber von der Arbeitsagentur reißen Abrissbagger leer stehende Häuser ein.
Beitrag von: Carsten Beyer
Beitrag von: Carsten Beyer


