Frau mit Koffer und trauriger Smiley (Quelle: rbb)

- Umweltbewusst reisen?

Die BahnCard ist künftig grün statt rot, denn ihr Besitzer reist ab sofort mit 100 Prozent Ökostrom. Und was ist mit dem Sitznachbarn, der im gleichen Zug sitzt? Wir zeigen an den Beispielen Bahn, Flugzeug und Bus, welche Angebote die Reiseveranstalter ihren umweltbewussten Kunden machen.

Schon die Anreise zum gewählten Urlaubsort schädigt das Klima. Je nach Verkehrsmittel mehr oder weniger. Die wenigsten CO2 Emissionen pro Person und zurückgelegten Kilometer verursachen Bahn und Fernbus, die meisten Flugzeug und Auto. Damit dies das Gewissen umweltbewusster Kunden nicht allzu sehr belastet, haben sich die Anbieter einiges einfallen lassen.
Frau auf Rolltreppe in Bahnhof (Quelle: rbb)

Beispiel Bahn

Die Bahn ist Deutschlands größter Strom-Verbraucher. Wer Bahn fährt, fährt vorrangig mit Strom. Wie der deutsche Strommix insgesamt, stammt auch der Bahnstrom erst zu einem Viertel aus regenerativen Quellen. Für das gute Gefühl ihrer Kunden hat die Bahn deshalb jetzt die grüne Bahncard erfunden. Rein rechnerisch fahren damit alle Bahncard-Kunden im Fernverkehr zu 100 % mit Ökostrom, ohne dass das extra kostet. Alle Reisenden ohne Bahncard im selben ICE fahren nach dieser Rechnung nicht klimaneutral, sondern größtenteils mit Kohle- und Atomstrom. Das ganze ist eine clevere Marketingidee. Denn. auch diese Reisenden können ihr Gewissen beruhigen, wenn sie am Automaten 1 Euro Aufpreis für ihr Ticket bezahlen. Das Geld wird zum Teil in den Aufbau neuer Anlagen zur Gewinnung von Ökostrom investiert.
Da der Ökostromanteil im Rahmen der Energiewende ohnehin immer größer wird, wird er vermutlich auch bald für Reisende ohne Bahncard ausreichen und das fast ohne zusätzliche Investitionen der Bahn. Die ist nämlich als Megaverbraucher zum großen Teil von der EEG-Umlage, die die Umstellung auf erneuerbare Energien finanziert, befreit.
Flugzeugtower (Quelle: rbb)

Beispiel Flugzeug

Wer mit gutem Gewissen fliegen will, muss extra zahlen. Bei vielen Airlines kann man die vergleichsweise schlechte Klimabilanz des Flugzeugs kompensieren über Anbieter wie atmosfair oder my climate. Wer zum Beispiel für die Strecke von Berlin nach Frankfurt 8 Euro zusätzlich bezahlt, fördert damit klimafreundliche Projekte in der dritten Welt. Solarlampen in Äthiopien sparen dort CO2-Ausstoß ein und beruhigen hier das schlechte Gewissen. Eine Art moderner Ablasshandel, der teuer werden kann. Auf der Strecke nach New-York kostet klimaneutrales Reisen zwischen 25 und 90 Euro, je nach Anbieter: Für die Kompensation müssen allein die Kunden zahlen. Die Lufthansa investiert dafür in moderne und klimaschonende Maschinen – spart aber wieder Geld an anderer Stelle: Der EU Emmissionshandel, mit dem der Klimaschutz bezahlt wird, ist für den internationalen Luftverkehr z. Z. ausgesetzt. Die Möglichkeit zum CO2-Ausgleich gibt es inzwischen bei vielen Airlines. Air Berlin bietet so etwas momentan nicht an.
Auto (Quelle: rbb)

Beispiel Auto

Auch bei ARAL kann man die vergleichsweise schlechte Klimabilanz des Autos kompensieren. Dafür arbeitet Aral mit dem Anbieter targetneutral zusammen.
34 Euro für ein Windprojekt in der Türkei sparen z.B. genauso viel CO2 ein, wie ein Auto frei setzt, das 30.000 Kilometer im Jahr fährt.
Der Kraftstoff bei Aral ist nicht klimafreundlicher als bei anderen Anbietern. Die eigentliche Fahrt mit dem Auto in den Urlaub wird durch den Ablass daher natürlich auch nicht umweltfreundlicher.
Bus (Quelle: rbb)

Beispiel Reisebus

Ein Bus fährt in der Gesamtrechnung ähnlich klimafreundlich wie die Bahn, beim Fahrpreis aber meist deutlich preiswerter. Wer die eigene Treibhausgasbilanz noch ausgleichen möchte, kann das z.B. beim Unternehmen Mein Fernbus. Für eine Fahrt nach Frankfurt und zurück macht das ungefähr einen Euro. Die Firma investiert aber selber auch. Gerade erst wurde sie als klimaneutrales Unternehmen ausgezeichnet. Bei „mein Fernbus“ ist auch die Bürotätigkeit klimafreundlich. Das heißt über den Partner My Climate wird berechnet, wie viel CO2-Ausstoß das gesamte Büro hat, inclusive Anreise der Mitarbeiter zum Büro und CO2-Ausstoß der Technik. Das wird wiederum an anderer Stelle ausgeglichen. Ein paar tausend Euro lässt sich Mein Fernbus das kosten. Hier zahlt für die Umwelt also nicht nur der Kunde, sondern auch das Unternehmen. Noch besser, günstiger und fast gänzlich klimaneutral reist nur, wer mit dem Fahrrad unterwegs ist oder den Urlaub gleich auf Balkonien verbringt. Mit einem wirklich reinen Gewissen.

 

Beitrag von: Anja Nehls