Blick in den Tagebau mit Vattenfall Warnschild (Bild: Dieter Freiberg)

Unternehmen wirbt für seine Kraftwerke - Vattenfall-Zukunft in der Lausitz weiter offen

Fünf Tagebaue betreibt Vattenfall in der Lausitz, 8.000 Menschen arbeiten hier im Braunkohle-Gewerbe. Doch das Unternehmen hat einen radikalen Sparkurs beschlossen, viele Mitarbeiter müssen um ihre Jobs bangen. Jetzt macht Vattenfall Werbung für seine Kraftwerke.

Der Energiekonzern Vattenfall hat seinen Verbleib in der Lausitz offengelassen. "Die Braunkohle selbst hat Zukunft", sagte der Vorstandschef der Tochtergesellschaft Vattenfall Europe Mining, Hartmuth Zeiß, am Montag in Potsdam. Alle vier Kraftwerke seien auf modernstem Stand. Außerdem werde Kohle beim Umstieg auf erneuerbare Energien als Grundlastträger benötigt.

Aktuelle Entwicklungen im Konzern und die Auswirkungen auf die Kohleförderung und -verstromung seien noch aber nicht abzuschätzen. "Zu einem Verkauf oder der Beteiligung von Partnern liegen noch keine Konzern-Entscheidungen vor", betonte Zeiß. Vattenfall hatte zuletzt einen radikalen Sparkurs beschlossen, der auch viele Mitarbeiter in Deutschland betrifft.

Die Ankündigung des schwedischen Mutterkonzerns Vattenfall, sich Anfang 2014 in die beiden regionalen Einheiten Skandinavien und Kontinentaleuropa-Großbritannien aufspalten zu wollen, hatte in der vergangenen Woche für erhebliche Verunsicherung gesorgt. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Energie, Chemie befürchtet einen Verkauf des Braunkohletagebaus und der Kraftwerke in der Lausitz.

Braunkohlekraftwerk von Vattenfall in Jänschwalde (dpa-Archivbild)
Heizkraftwerk Jänschwalde

Bis zu 65 Millionen Tonnen Förderung pro Jahr möglich

Auf die Folgen der Umstrukturierung angesprochen, sagte Vorstandschef Zeiß: "Wir sind technisch, wirtschaftlich und organisatorisch gut aufgestellt. Deshalb sind die Auswirkungen aus der Reorganisation auf uns eher als gering einzustufen."

Mit oder ohne Vattenfall sieht Zeiß für die Braunkohle in der Lausitz nach eigenen Worten eine Zukunft. Bis 2050 könnten jährlich 60 bis 65 Millionen Tonnen gefördert werden. Im vergangenen Jahr seien 55 Milliarden Kilowattstunden Strom "profitabel" aus der Braunkohle hergestellt worden, so viel wie vor 20 Jahren nicht mehr. "Damit haben wir rein rechnerisch die Hälfte der deutschen Bevölkerung versorgt", fügte der Vorstandschef hinzu.

Außerdem könnten mit den Kraftwerken in der Lausitz Versorgungslücken schnell geschlossen werden, wenn die Einspeisung erneuerbarer Energien aufgrund der Wetterlage nachlässt. "Wir können sie flexibel herauf- und herunterfahren", sagte Vorstandsmitglied Hubertus Altmann, "und so Versorgungslücken zügig schließen."

Fünf Tagebaue in der Lausitz

Die Kohlekraftwerke seien flexibler als früher. Sie müssten dank neuer Technik nicht mehr abgeschaltet werden, auch wenn genügend Strom aus Solar- und Windenergie ins Netz eingespeist werde. Bisher könnte die Leistung vor einer Abschaltung auf minimal 40 Prozent gedrosselt werden. Im Kraftwerk Boxberg könne man die Leistung nun auf 20 Prozent senken.

In Abbau und Braunkohleverstromung sind in der Lausitz knapp 8000 Menschen beschäftigt. Der Konzern fördert Kohle in den fünf Tagebauen Jänschwalde, Cottbus-Nord, Welzow-Süd (Brandenburg) sowie Nochten und Reichwalde (Sachsen). Verstromt wird die Kohle in Jänschwalde und Schwarze Pumpe (Brandenburg) sowie in Boxberg und Lippendorf (Sachsen).

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