
Streik vorerst abgewendet - Charité will über Arbeitsbelastung der Pfleger verhandeln
Der drohende Streik der Pflegekräfte an der Berliner Charité ist voerst abgewendet. Nach einer Streikdrohung hat die Klinikleitung angeboten, über die kritisierten Arbeitsbedingungen zu sprechen. Verdi will über das Angebot beraten.
An der Charité kommt es vorerst nicht zu einem Warnstreik des Pflegepersonals. Der Klinikvorstand habe der Gewerkschaft Verdi Verhandlungen angeboten und einen Termin im Juli vorgeschlagen, sagte eine Charité-Sprecherin am Freitag. Am Sonntag soll nach Angaben von Verdi eine Tarifkommission über das weitere Vorgehen beraten.
Die Gewerkschaft hatte mit Warnstreiks gedroht, wenn die Charité bis zum Freitag keine Verhandlungsbereitschaft zeige. Streitpunkt ist die Besetzung mit Pflegekräften auf den Stationen des größten deutschen Universitätsklinikums.
Die Gewerkschaft beklagt einen Personalabbau während der vergangenen Jahre, der durch Überstunden und Leiharbeit ausgeglichen werde. Die Charité gibt dagegen an, Überlastungsanzeigen und Überstunden seien im ersten Halbjahr 2013 durchschnittlich leicht rückläufig. Das Vorgehen von Verdi sei "nicht zu verstehen".
Über die Tarifbedingungen seiner Pflegekräfte hatte die Charité mit den Arbeitnehmern zuletzt 2011 verhandelt und dabei eine Einigung über die Entlohnungsbedingungen erzielt.

Unzufriedenheit über den Umgang mit Pflege-Azubis
Die Gewerkschaft kritisiert zudem die Nachwuchsentwicklung in der Pflege. Vor wenigen Monaten hatte eine Meldung über die anstehenden Pensionierungen für Schlagzeilen gesorgt. Die Ärzte-Zeitung hatte berichtet, dass auf die Charité ebenso wie auf andere große Krankenhäuser ein Pflegefachkräftemangel zukäme.
Das Blatt begründete seine Prognose damit, dass ab 2015 mindestens doppelt so viele Krankenpflegekräfte in den Ruhestand gingen wie derzeit. Demnach beschäftigt die Charité neben ihrem eigenen Pflegepersonal zunehmend zahlreiche Leiharbeitskräfte, übernehme aber trotzdem nicht alle Auszubildenden nach dem Abschluss.
Berliner Mediziner: Arbeitsüberlastung steigert Risiko für Fehler
Nach den Hochrechnungen der anstehenden Pensionierungen muss die Charité in diesem Jahr rund 30 Pflegekräfte ersetzen, die in den Ruhestand gehen. 2015 werden es 59 sein, 2016 steigt die Zahl auf 77 und 2017 bereits auf 80. Die Klinik bildete in den letzten fünf Jahren jeweils zwischen 75 und 95 Krankenschwestern aus.
Nach Einschätzung von Günther Jonitz, Chirug am Unfallklinikum Berlin und Präsident der Berliner Ärztekammer, sorgt der Mangel an Kräften und die Arbeitsbelastung der Beschäftigten derzeit für eine erhebliche Arbeitsbelastung. Die Konsequenzen trügen die Patienten, erklärte er im rbb: "Das Risiko für die Patientenversorgung steigt, damit steigt das Risiko für Fehler, die man im Zusammenhang mit Pflege oder der Behandlung als Patient erleben kann – bis hin zu tödlichen Komplikationen wie Krankenhaus-Infektionen."
Verband besorgt über Anzahl des Pflegepersonals
Der Spitzenverband der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) hatte Anfang Juli kritisiert, dass die Ziele des 2011 abgelaufenen Sonderprogramms der Bundesregierung für mehr Pflegekräfte bundesweit nicht erreicht worden seien.
Statt der beabsichtigten 17.000 zusätzlichen Stellen waren tatsächlich nur gut halb so viele entstanden. In vielen Kliniken sei offenbar Pflegepersonal eingespart worden, teilte der Verband mit.
