
Auftakt der Tarifverhandlungen - Charité und Gewerkschaft bislang uneinig
Zu wenig Personal, zu hohe Belastung: Die Pflegekräfte an der Charité drohten Mitte Juli mit Streik, die Klinikleitung bot daraufhin Gespräche an. Am Mittwoch saßen Klinikvertreter und Gewerkschaft nun zum ersten Mal am Verhandlungstisch - bisher ohne konkrete Ergebnisse.
Im Tarifstreit an der Berliner Charité gibt es noch keine Einigung. Vertreter der Klinik und der Gewerkschaft Verdi beendeten erste Gespräche am Mittwochabend ohne konkretes Ergebnis.
Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger lobte allerdings den Auftakt der Gespräche: "Die Verhandlungen fanden in einem angenehmen und konstruktiven Rahmen statt. Die Arbeitgeberseite hat auch die Themen Mindestbesetzung und Quotenregelung nicht mehr blockiert."
Im Mittelpunkt steht die Ausstattung mit Pflegekräften auf den Stationen der Charité. Verdi möchte durchsetzen, dass das Pflegepersonal deutlich aufgestockt wird, um die Arbeitsbelastung der Beschäftigten zu verringern. Die Gewerkschaft fordert zudem eine Regelung für eine Mindestanzahl von Mitarbeitern auf den Stationen während der Nachtschichten.

Die Gewerkschaft hatte mit Warnstreiks gedroht, wenn die Charité keine Verhandlungsbereitschaft zeige. Der Klinikvorstand hatte daraufhin Verdi Gespräche angeboten - auch über das Thema Mindestbesetzungen.
Die Gewerkschaft beklagt einen Personalabbau während der vergangenen Jahre, der durch Überstunden und Leiharbeit ausgeglichen werde. Nach Verdi-Berechnungen fehlen an der Charité derzeit rund 300 Vollzeitstellen. Die Charité gibt dagegen an, Überlastungsanzeigen und Überstunden seien im ersten Halbjahr 2013 durchschnittlich leicht rückläufig. Das Vorgehen von Verdi sei "nicht zu verstehen".
Über die Tarifbedingungen seiner Pflegekräfte hatte die Charité mit den Arbeitnehmern zuletzt 2011 verhandelt und dabei eine Einigung über die Entlohnungsbedingungen erzielt.
Die Verhandlungen jetzt sollen am 8. August fortgesetzt werden.
Unzufriedenheit über den Umgang mit Pflege-Azubis
Ein weiterer Streitpunkt ist die Nachwuchsentwicklung in der Pflege: Vor wenigen Monaten hatte eine Meldung über die anstehenden Pensionierungen für Schlagzeilen gesorgt. Die Ärzte-Zeitung hatte berichtet, dass auf die Charité ebenso wie auf andere große Krankenhäuser ein Pflegefachkräftemangel zukäme.
Das Blatt begründete seine Prognose damit, dass ab 2015 mindestens doppelt so viele Krankenpflegekräfte in den Ruhestand gingen wie derzeit. Demnach beschäftigt die Charité neben ihrem eigenen Pflegepersonal zunehmend zahlreiche Leiharbeitskräfte, übernehme aber trotzdem nicht alle Auszubildenden nach dem Abschluss.

