
GSW prüft Angebot - Deutsche Wohnen will Berliner GSW übernehmen
Eines der größten Wohnungsunternehmen in Berlin könnte von einem Konkurrenten geschluckt werden. Die Deutsche Wohnen AG, bereits ein Schwergewicht in der Branche, will den Rivalen GSW kaufen. Das Geschäft soll über einen Aktientausch laufen. Derweil macht sich aber auch Skepsis breit.
Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen will den Berliner Konkurrenten GSW übernehmen. Vorstand und Aufsichtsrat hätten beschlossen, den GSW-Aktionären ein Umtauschangebot für ihre Anteilsscheine anzubieten, teilte das Unternehmen am Dienstag in Frankfurt am Main mit. Finanzieren will der Konzern die Übernahme über eine Kapitalerhöhung, über die die Aktionäre Ende September entscheiden sollen. Die GSW-Aktionäre sollen für 20 ihrer Aktien 51 neue Deutsche-Wohnen-Papiere erhalten.

GSW will ersteinmal sorgfältig prüfen
Das Berliner Immobilienunternehmen will das Angebot des Konkurrenten Deutsche Wohnen genau unter die Lupe nehmen. Der Vorstand habe die Ankündigung der Deutschen Wohnen AG, den Aktionären der Gesellschaft ein Übernahmeangebot zu unterbreiten, zur Kenntnis genommen, teilte die GSW am Dienstag mit. Die bislang vorliegenden Informationen dazu würden sorgfältig geprüft und bewertet. Im Anschluss daran werde GSW eine erste Einschätzung abgeben.
Durch den Zusammenschluss entstünde eines der führenden deutschen Wohnimmobilienunternehmen, hieß es weiter. Zusammen besäßen GSW und Deutsche Wohnen 150.000 Wohnungen. Gut zwei Drittel davon befinden sich in Berlin.
Mieterbund kritisiert Übernahmepläne
Mit großer Skepsis hat der Deutsche Mieterbund reagiert: Die Großfusion könnte steigende Mieten und Verschlechterungen für die Bewohner zur Folge haben, warnte Verbandsdirektor Lukas Siebenkotten am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
"Wir müssen damit rechnen, dass Synergieeffekte, die erzielt werden sollen, auch dazu führen, dass Instandhaltung zurückgefahren wird, dass Ansprechpartner weiter wegrücken und das ganze Verfahren auch für die Mieter komplizierter wird." Mit Blick auf die Entwicklung der Mieten nach der sich abzeichnenden Übernahme der GSW durch die Deutsche Wohnen sagte Siebenkotten: "Wir gehen fest davon aus, dass das ausgereizt wird, was das Gesetz hergibt."

Langer Machtkampf in der Berliner GSW
Die GSW ist eines der größten Wohnungsunternehmen in Berlin, verwaltet werden hier rund 60.000 Wohnungen. 1924 gegründet, ist die einst landeseigene Gesellschaft 2004 privatisiert worden und 2011 an die Börse gegangen.
Der Konzern geriet in schwere Turbulenzen, die nach langem Machtkampf Mitte Juni in Abwahlanträge gegen die Spitzenmanager gipfelten. Ihren Hut mussten Aufsichtsratschef Eckart John von Freyend und Bernd Kottmann nehmen, der das Unternehmen erst seit wenigen Wochen führte. Der Grund für die Anträge lautete im Kern Vetternwirtschaft.
Es gab Zweifel an der persönlichen und fachlichen Eignung Kottmanns, die sowohl Aktionäre als auch der Betriebsrat geäußert hatten. Auf einer Hauptversammlung entzogen die Aktionäre Kottmann das Vertrauen. Freyends Abberufung war hingegen knapp gescheitert.
Mehr als 60 Prozent hatten sich gegen Kottmann ausgesprochen, fast 70 Prozent wollten Freyend nicht mehr an der Spitze des Kontrollgremiums sehen - 75 Prozent wären zur Ablösung nötig gewesen. Der Fonds warf Freyend früheren Aussagen eines GSW-Sprechers zufolge vor, Kottmann zu schnell ausgewählt und nicht ausreichend Alternativen geprüft zu haben.
Mit Claus Wisser wurde im August ein neuer Aufsichtsratchef gefunden.

GSW eine "ideale Ergänzung"
Die Deutsche Wohnen sieht die GSW Immobilien AG als "ideale Ergänzung" und verweist auf eine übereinstimmende Geschäftsphilosophie. Zudem liegt der Fokus beider auf den "dynamischen Wachstumsregionen", hieß es am Dienstag. Mehr als zwei Drittel des gemeinsamen Portfolios liegen laut Deutscher Wohnen in Berlin. Ein gemeinsames Unternehmen hätte damit einen starken Fokus auf eine der dynamischsten Wachstumsregionen in Deutschland.

