Bayerische Reisegruppe in traditioneller Kleidung vor dem Brandenburger Tor in Berlin (Quelle: imago)
Video: rbb Abendschau | 23.08.2013

Tourismusstatistik veröffentlicht - Berlin stellt neuen Besucherrekord auf

Die Übernachtungszahlen für Berlin sind wieder deutlich gestiegen. Laut Marketinggesellschaft kamen von Januar bis Juni 5,3 Millionen Gäste in die Hauptstadt - ein erneuter Anstieg um fünf Prozent. Der Tourismus ist zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren geworden. Das aber sorgt auch für Probleme.

Berlin boomt - und ein Ende ist nicht in Sicht. Im ersten Halbjahr 2013 sind 5,3 Millionen Gäste in die deutsche Hauptstadt gekommen. Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum ist das ein Plus von 5,0 Prozent.

Noch deutlicher fiel die Steigerung laut Angaben des Amtes für Statistik und der Marketinggesellschaft Visit Berlin bei den Übernachtungen aus. Wie es am Freitag hieß, stieg deren Zahl um 9,2 Prozent auf 12,4 Millionen. Setzt sich der Trend fort, dürfte Berlin bis Jahresende auf rund 27 Millionen Übernachtungen kommen - nach 24,9 Millionen im Vorjahr. Vor 20 Jahren waren es erst 7,5 Millionen und vor zehn Jahren 11,4 Millionen.

"In jeder einzelnen Minute kommen statistisch gesehen 20 Gäste in unsere Stadt", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bei Vorstellung der Halbjahresbilanz. Am beliebtesten ist Berlin bei den Briten. Aus England kamen 208.400 Besucher in den ersten sechs Monaten, gefolgt von den Italienern und den Niederländern. Deutlich weniger Touristen kamen aus Spanien: Der Rückgang um 17,3 Prozent auf 85.700 Gäste dürfte auf die dortige Wirtschaftskrise
zurückzuführen sein.

Die steigenden Touristen-Zahlen gehen an Berlin jedoch nicht spurlos vorüber. So führen die nicht abreißenden Touristenströme bei den Berlinern manchmal auch zu großem Unmut. Und die Hotelbetreiber fürchten, für jede Übernachtung bald eine Gebühr entrichten zu müssen.

Kieze können Touristenströme nicht mehr verkraften

Jeder dritte Berlin-Besucher ist unter 30 und interessiert sich längst nicht nur für klassische Sehenswürdigkeiten wie das Brandenburger Tor. Das haben auch die Vermarkter von "Visit Berlin" erkannt. Mit einer Broschüre werben sie für alternative Sehenswürdigkeiten und versuchen so, mehr Besucher in die Kieze zu locken.

Doch schon seit einigen Jahren stößt Berlin bei der Aufnahme der Touristenströme langsam an seine Grenzen. Ein gutes Beispiel ist der Mauerpark. Seit er in jedem Reiseführer gelistet ist, mögen Anwohner die Grünfläche unter der Woche kaum noch nutzen. Die Touristen würden eben auch Probleme mit sich bringen, und diese Probleme seien "hauptsächlich Müll und einfach die Menge an Menschen", beklagte sich Alexander Puell vom Verein "Freunde des Mauerparks" schon 2011 gegenüber dem rbb.

Menschen sitzen im Sommer im Mauerpark am Prenzlauer Berg (Quelle: dpa)
Der Mauerpark in Prenzlauer Berg - Anziehungspunkt vor allem für junge Berlin-Besucher

Ähnliche Phänomene treten auch an anderen Stellen auf, zum Beispiel an der Kreuzberger Admiralbrücke, wo sich in den Sommermonaten ein immer größer werdendes Publikum sammelt, das den Tag bei Bier und Live-Musik ausklingen lässt - nicht selten bis tief in die Nacht.
Wie Monique Sahan, eine Anwohnerin, dem rbb sagte, fühlt sie sich durch die Dauerparty vor ihrer Haustür in ihrer Lebensqualität deutlich eingeschränkt:

"Ich erlebe hier auf der Brücke und am Kanal eine Entwicklung innerhalb dieser Gesellschaft, die dieses Areal für Partyzwecke missbraucht, die ich nur noch als grenzenlos hedonistisch und egoistisch orientiert bezeichnen kann, und das ist nicht das Leben, das ich mir vorstelle und das lebenswert für viele, viele Menschen ist."

Ein Zimmermädchen macht in einem Hotel das Bett (Quelle: dpa)
Der Berliner Senat will mitverdienen - und plant eine 5-prozentige Bettensteuer.

Senat will "Bettensteuer" einführen

Allerdings bringen die steigenden Tourismuszahlen auch Gutes mit sich: Nicht nur Hotels, Gastgewerbe und kulturelle Einrichtungen profitieren vom Berlin-Boom; weil steigende Umsätze auch höhere Steuern bedeuten, kann auch das Land Berlin höhere Einnahmen verbuchen. Doch dem Senat reicht das noch nicht aus.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), seit Jahren in Personalunion auch Kultursenator, und sein Finanzchef Ulrich Nußbaum (parteilos) wollen eine Tourismus-Abgabe einführen. Damit würde auf jede Übernachtung eine zusätzliche Steuer in Höhe von fünf Prozent des Übernachtungspreises erhoben werden - Kritiker sprechen auch von "Bettensteuer".

Wowereit und Nußbaum erhoffen sich von der Übernachtungssteuer einen Beitrag dazu, "dass Berlin attraktiv bleibt und noch attraktiver wird". So rechnet der Senat damit, jährlich rund 25 Millionen Euro durch die "City Tax" einnehmen zu können - doch die Steuer stößt auf Widerstand, vor allem bei den Hoteliers.

Black Box Checkpoint Charlie (Quelle: dpa)
Besuchermagnet am früheren Checkpoint Charlie - die Blackbox

Aus Sicht des Landesverbandes des Deutschen Hotel- und Gaststättengewerbes ist eine "City Tax" nur sinnvoll, wenn die Touristen die Steuer entrichten. Solange aber die Hoteliers Steuerschuldner des Senats sind, wie es der aktuelle Entwurf vorsieht, könne das Hotelgewerbe die Pläne des Senats nicht mittragen, sagt Landeshauptgeschäftsführer Thomas Lengfelder.

In der jetzt geplanten Form gefährde die Abgabe vor allem den Mittelstand, denn 70 Prozent der Hotels in Berlin seien mittelständische Betriebe, die ohnehin nur kleine Renditen hätten. Diesen Hotelbetreibern eine fünfprozentige Abgabe aufzubürden, sei unverhältnismäßig, sagt Lengfelder.

Mehr zum Thema

Pilgergruppe auf gründer Wiese (Quelle: rbb)

Pilgern in Brandenburg

Nicht nach Spanien auf den ziemlich überlaufenen Jacobsweg haben sich fünf junge Frauen begeben, vielmehr wollen sie durch Brandenburg pilgern: Auf der nördlichen Route von Strausberg über die Madlitzer Mühle bis nach Sieversdorf, wo sie eine Pilgerherberge erwartet.