Eine Kunden kauft an einem Automaten eine Fahrkarte (Bild: dpa)

Alle Änderungen im Überlick - Ticketpreise im Nahverkehr steigen um 2,8 Prozent

Am Donnerstag steigen in Berlin und Brandenburg die Fahrpreise im öffentlichen Personennahverkehr. Im Schnitt müssen die Fahrgäste dann 2,8 Prozent mehr bezahlen als bisher. Einige Städte Brandenburgs erhöhen allerdings nur die Preise für Monats- und Jahreskarten. Der Fahrgastverband wettert gegen die Preiserhöhung - doch VBB und S-Bahn halten sie für angemessen.

Bus- und Bahnfahren wird wieder teurer. Die Preise des Verkehrsbundes Berlin Brandenburg (VBB) steigen am Donnerstag um durchschnittlich 2,8 Prozent.

Der Einzelfahrschein für das Berliner Tarifgebiet AB kostet nun 2,60 statt bisher 2,40 Euro, ein Ticket für das Tarifgebiet ABC kostet 3,20 statt 3,10 Euro. Neu im Angebot ist eine Vier-Fahrten-Kurzstreckenkarte zum Preis von 5,60 Euro. Die kreisfreien Städte Potsdam, Brandenburg, Frankfurt (Oder) und Cottbus haben sich dafür entschieden, die Einzelfahrscheine nicht teurer zu machen, stattdessen wird es für Nutzer von Zeitkarten teurer.

Der Verkehrsverbund hatte die Preiserhöhung im April angekündigt und mit steigenden Kosten für Energie und Personal begründet.

Archivbild: S-Bahn fährt in Bahnhof Treptower Park ein. (Quelle: dpa)
In einigen Städten Brandenburgs steigen nur die Zeitkarten

Kritik von Opposition und Fahrgastverband

Der Fahrgastverband IGEB übte deutliche Kritik daran, dass die Fahrpreise erneut angehoben werden. Die Erhöhung ist die zweite innerhalb eines Jahres. Zuletzt waren die Preise zum 1. August 2012 gestiegen.

Die Preisanhebungen von 2,8 Prozent lägen über der Inflationsrate, erklärte der IGEB in Berlin. Der vom VBB angestellte Vergleich mit den Fahrpreisen in anderen Regionen hält der IGEB für unzulässig. "Denn verschwiegen wird, dass das Einkommensniveau in Berlin und Brandenburg deutlich unter dem deutschen Durchschnitt und vor allem deutlich unter dem Niveau von beispielsweise Hamburg, München oder Stuttgart liegt. Diese Differenz wächst in Berlin sogar noch", hieß es beim IGEB. Zudem befürchtet der IGEB, dass die nächste Preiserhöhung bereits vor dem 1. August 2014 erfolgen könnte.

Im April, als die Erhöhung bekanntgeben wurde, hatten sich auch die Berliner Grünen kritisch geäußert. Die Erhöhung sei nicht gerechtfertigt, sagte der Verkehrsexperte der Fraktion im Abgeordnetenhaus, Stefan Gelbhaar, dem rbb. Schließlich habe der Senat im vergangenen Jahr wegen der S-Bahn-Krise zehn Millionen Euro an Zuschüssen einbehalten. Gelbhaar fordert, die Finanzprobleme der BVG mit Steuermitteln zu lösen.

VBB, S-Bahn und Staatssekretärin verteidigen Preiserhöhung

S-Bahn-Chef Buchner verteidigte im rbb die Preiserhöhungen. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg VBB passe traditionell die Preise im Sommer an. Auch für die Berliner S-Bahn seien die teureren Ticketpreise gerechtfertigt. Nach den Pannen im vergangenen Jahr biete sie nun wieder ihren vollen Service an und fahre nach Plan.

Auch die Staatssekretärin im Brandenburger Verkehrsministerium, Kathrin Schneider, verteidigte die Preiserhöhungen. Der Verkehrsverbund VBB habe die Ticketpreise für Abonnenten oder Schüler nur sehr moderat angehoben, sagte sie dem rbb.

Gründe der Preiserhöhungen seien die gestiegenen Strom- und Kraftstoffpreise sowie erhöhte Personalkosten. Gute Tarifabschlüsse seien gut für die Beschäftigten, erhöhten aber die Kosten insgesamt.

Auch VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz hatte die Preiserhöhung verteidigt. Dem rbb sagte er nach der Bekanntgabe der Erhöhung, der VBB sei gezwungen, die Fahrpreise zu erhöhen, um ein Gleichgewicht herzustellen.

Jeweils die Hälfte der Betriebskosten sollten aus dem Fahrkartenverkauf und aus Steuermitteln stammen. Derzeit sei dieses Verhältnis nicht ausgewogen. 47 Prozent kämen derzeit über den Verkauf der Fahrausweise, 53 Prozent übernehme die öffentliche Hand. Eine Erhöhung sei daher unumgänglich, um das Leistungsangebot nicht zurückfahren zu müssen.

Sicherheitspersonal steht am Montag (23.01.2012) im U-Bahnhof Zoologischer Garten an den Gleisen der U2 in Berlin. (Bild: dpa)
In Berlin werden auch die Einzelfahrscheine für Bus und Bahn teurer.

Personalkosten machen den Löwenanteil der VBB-Kosten aus

Den größten Faktor bei den Kosten mache das Personal aus. Kostensenkend könnte sich eine Zunahme bei den Fahrgastzahlen auswirken, so Franz: "Je mehr Fahrgäste dazu kommen, desto weniger müssen wir erhöhen."

Dass die Einzelfahrscheine in den kreisfreien Städten und Potsdam nicht angehoben werden, hänge mit einem erwarteten Nachfragezuwachs zusammen. "Die Nachfrage in den Stadtverkehren soll stärker werden, deshalb keine Erhöhung bei den Einzelfahrausweisen, dafür eine stärkere Erhöhung bei den Zeitkarten."

Der Verkehrsverbund gehört den Ländern Berlin und Brandenburg sowie den Landkreisen und kreisfreien Städten Brandenburgs. Er koordiniert den Nahverkehr in der Region, den die öffentliche Hand bei Bahn- und Busunternehmen bestellt.

Preiserhöhung zum 1. August: Einzel-, Tages- und Wochenkarten (Auswahl) - Preise in Euro

  alter Preis (normal/erm.) neuer Preis  (normal/erm.)
Kurzstrecke Berlin 1,40 / 1,10 1,50 / 1,20
Kurzstrecke Potsdam 1,30 / 0,90 1,30 / 0,90
     
Einzelticket Berlin AB 2,40 / 1,50 2,60 / 1,60
Einzelticket Berlin BC
2,80 / 1,90 2,90 / 2,00
Einzelticket Berlin ABC 3,10 / 2,20 3,20 / 2,30
Einzelticket Brandenburg (Havel) / Cottbus / Frankfurt (Oder) AB 1,40 / 1,00 1,40 / 1,00
Einzelticket Brandenburg (Havel) / Cottbus / Frankfurt (Oder) BC 1,40 / 1,00 1,40 / 1,00
Einzelticket Brandenburg (Havel) / Cottbus / Frankfurt (Oder) ABC 2,60 / 1,90 2,60 / 1,90
Einzelticket Potsdam AB 1,90 / 1,40 1,90 / 1,40
Einzelticket Potsdam BC 1,80 / 1,30 1,80 / 1,30
Einzelticket Potsdam ABC 2,60 / 1,90 2,60 / 1,90
     
Tageskarte Berlin AB 6,50 / 4,60 6,70 / 4,70
Tageskarte Berlin BC 6,80 / 5,00 7,00 / 5,10
Tageskarte Berlin ABC 7,00 / 5,20 7,20 / 5,30
Tageskarte Brandenburg (Havel) / Cottbus / Frankfurt (Oder) AB 2,80 / 2,20 2,80 / 2,20
Tageskarte Brandenburg (Havel) / Cottbus / Frankfurt (Oder) BC 2,80 / 2,20 2,80 / 2,20
Tageskarte Brandenburg (Havel) / Cottbus / Frankfurt (Oder) ABC 5,60 / 3,90 5,60 / 4,00
Tageskarte Potsdam AB 4,00 / 3,00 4,00 / 3,00
Tageskarte Potsdam BC 3,80 / 2,90 3,80 / 2,90
Tageskarte Potsdam ABC 5,60 / 4,20 5,60 / 4,20
Tageskarte VBB-Gesamtnetz 21,00 / --- 21,00 / ---
     
7-Tage-Karte Berlin AB 28,00 / --- 28,80 / ---
7-Tage-Karte Berlin BC 28,90 / --- 29,70 / ---
7-Tage-Karte Berlin ABC 34,60 / --- 35,60 / ---

Quelle: Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg

Preiserhöhung zum 1. August: Monats- und Jahreskarten (Auswahl) - Preise in Euro

  alter Preis neuer Preis
Monatskarte VBB-Umweltkarte Berlin AB 77,00 78,00
Jahreskarte VBB-Umweltkarte Berlin AB
710,00 722,00
Monatskarte VBB-Umweltkarte Berlin BC
78,00 79,50
Jahreskarte VBB-Umweltkarte Berlin BC
740,00 763,00
Monatskarte VBB-Umweltkarte Berlin ABC
95,00 97,00
Jahreskarte VBB-Umweltkarte Berlin ABC
895,00 924,00
Monatskarte VBB-Umweltkarte Brandenburg (Havel), Cottbus, Frankfurt (Oder) AB 38,60 39,60
Jahreskarte VBB-Umweltkarte Brandenburg (Havel), Cottbus, Frankfurt (Oder) AB 378,30 388,10
Monatskarte VBB-Umweltkarte Brandenburg (Havel), Cottbus, Frankfurt (Oder) BC 38,60 39,60
Jahreskarte VBB-Umweltkarte Brandenburg (Havel), Cottbus, Frankfurt (Oder) BC 378,30 388,10
Monatskarte VBB-Umweltkarte Brandenburg (Havel), Cottbus, Frankfurt (Oder) ABC 59,00 60,60
Jahreskarte VBB-Umweltkarte Brandenburg (Havel), Cottbus, Frankfurt (Oder) ABC 578,20 593,90
Monatskarte VBB-Umweltkarte Potsdam AB 36,60 38,00
Jahreskarte VBB-Umweltkarte Potsdam AB 358,70 372,40
Monatskarte VBB-Umweltkarte Potsdam BC 35,80 37,20
Jahreskarte VBB-Umweltkarte Potsdam BC 351,00 364,60
Monatskarte VBB-Umweltkarte Potsdam ABC 55,00 57,00
Jahreskarte VBB-Umweltkarte Potsdam ABC 539,00 558,60
Monatskarte VBB-Gesamtnetz 186,00 191,00
Jahreskarte VBB-Gesamtnetz 1.822,80 1.871,80

Quelle: Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg

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