Wieder Umbau nötig - Im Hafen Mühlberg drohen Millionen zu versanden
Mühlberg im südlichen Brandenburg hat seit Anfang 2012 einen für 2,5 Millionen Euro modernisierten Industriehafen. Doch nach der Flut im Frühjahr muss die Hafeneinfahrt hochwasserfester gemacht werden. Kosten: noch einmal eine halbe Million Euro. Dabei ist in anderthalb Jahren erst ein einziger Transport über den Hafen abgewickelt worden.
So ganz überzeugt war das Elbestädtchen Mühlberg von seinem neu "ertüchtigten" Hafen eigentlich nie. Man habe sich gewünscht, dass "andere" die Trägerschaft übernehmen, hatte Bürgermeisterin Hannelore Brendel gesagt. "Aber am Ende hat sich die Stadt dazu bekannt, den Hafenstandort als eine Chance für die Stadt zu nutzen."
Transportweg für "Windflügel"
Rund 2,5 Millionen Euro gab Brandenburgs Infrastrukturministerium 2011 für die Modernisierung des Hafens aus. Das meiste Geld stammte aus Steuermitteln des Konjunkturpakets II der Bundesregierung. Die Stadt Mühlberg ist seither Hafenbetreiber. Der Plan dahinter: Der Windradhersteller Vestas, der im nahe gelegenen Lauchhammer Rotorblätter produziert, sollte den Hafen für den Transport in Richtung Norden nutzen.
Nur eine Verladung in anderthalb Jahren
Doch aus der erhofften Chance für die Stadt Mühlberg ist nichts geworden. Die traurige Bilanz lautet heute: Vestas hat in den anderthalb Jahren seit Eröffnung des Hafens nur ein einziges Mal tatsächlich Rotorblätter von Mühlberg aus verschifft. Das war im April 2012. Seitdem ist in dem Hafen nichts mehr verladen worden - auch keine andere Fracht.
Die Elbe ist nur schwer schiffbar
"Die Elbe ist ein schlecht zu befahrender Fluss", sagte der Brandenburger BUND-Experte Ernst Paul Dörfler dem rbb. Mal gibt es zu wenig Wasser, mal zu viel. Auch die schon bestehenden Elbhäfen in der Nähe Mühlbergs – in Torgau, Riesa und Dresden – schreiben rote Zahlen.

Investition von 550.000 Euro
Soll der Hafen Mühlberg jemals Erfolg haben, muss weiter investiert werden. Für 550.000 Euro soll nun die Hafeneinfahrt hochwassersicherer gemacht und die Fahrrinne ausgebaggert werden. Denn die Flut vom Frühjahr hat deutliche Spuren hinterlassen. Die Mittel für diesen Umbau sollen vom Potsdamer Innenministerium kommen, das finanzschwache Kommunen unterstützt. Die Bedingung: Mühlberg muss im Gegenzug seine Grundsteuer anheben.
"Wir hoffen, dass die Kunden kommen, wenn die Hafeneinfahrt sicherer ist", sagte Jörg Fabian, Vorsitzender der Mühlberger Stadtverordnetenversammlung, dem rbb. Genauere Vorstellungen, wer den Hafen wie nutzen soll, gibt es aber offenbar nicht.
Vestas nutzt den Landweg
Vestas äußerte sich am Dienstag schriftlich zu der Angelegenheit: "Aus unserer Sicht ist der Hafen Mühlberg eine sinnvolle Investition in die Region. Insbesondere, wenn man die Kosten in ihrer angemessenen Relation betrachtet." Das Unternehmen selbst nutzt aber vor allem den Landweg.
Rund 900 Rotorblätter produziert Vestas nach eigenen Angaben im Jahr in Lauchhammer. Bei dem einzigen Transport im April passten 30 von ihnen auf ein Schiff. Immerhin trägt das Unternehmen die laufenden Kosten des Hafens.
Zeitweise hatte Vestas die "Windflügel" im Hafen Dresden auf Schiffe verladen. Doch dann wurde – ebenfalls mit Steuermitteln – die Autobahnzufahrt nahe Lauchhammer erweitert, damit die Schwertransporter mit den ganzen 55 Meter langen Flügeln im wahrsten Sinne des Wortes die Kurve kriegen. Offenbar ist der Transport über die Straße und die Schiene günstiger als auf dem Wasserweg.


