Ein Azubi in einer Werkstatt von BMW (Bild: dpa)

Firmen stellen vermehrt ein - Azubis auf Vorrat

Tausende junge Leute in Berlin und Brandenburg haben am Montag eine neue Ausbildung begonnen.  Wer noch keinen Vertrag in der Tasche hat, darf hoffen:  Viele Ausbildungsplätze sind noch immer offen, schon besetzte werden wieder frei – und viele Unternehmen stellen mehr Azubis ein als geplant. Schulnoten sind dabei nicht mehr so wichtig.

Mehr als 3500 Ausbildungsplätze waren Mitte August allein in Berlin noch unbesetzt, meldet die Bundesagentur für Arbeit . Zugleich befanden sich noch mehr als doppelt so viele junge Leute auf der Suche nach einer Lehrstelle. Dennoch rät Gerd Woweries, Ausbildungsbeaufragter bei der IHK Berlin, sich davon nicht entmutigen zu lassen. Wer jetzt noch einen Ausbildungsplatz sucht, hat gute Chancen, sogar im Wunschberuf unter zu kommen, sagt Woweries. Manche Jugendliche schlössen mehrere Ausbildungsverträge ab, die sie dann, wenn sie sich für einen entscheiden, wieder frei geben. So melden viele Firmen oft kurz nach Beginn des Ausbildungsjahres noch viele freie Stellen.

Mehr Azubis eingestellt als geplant

Dass eine Ausbildung gar nicht erst angetreten wird, sei laut IHK auch einer der häufigsten Gründe dafür, dass Plätze unbesetzt bleiben. Ärgerlich nicht nur für Firmen, sondern auch für Bewerber, die nicht zum Zuge gekommen sind, klagt Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Metall- und Elektroindustrie. In seiner Branche habe ein Umdenken eingesetzt, berichtet er: "Wenn ein Unternehmen nur zwei Ausbildungsplätze besetzen will, dann aber drei Bewerber bekommt, dann nimmt das Unternehmen zuweilen auch den dritten dazu. Denn je besser die Bewerberlage ist, desto mehr wird ausgebildet". Quasi auf Vorrat, so Amsinck.

Nur einer von neun blieb

"Azubi-Bevorratung" betreibt auch Hochbauunternehmer Eckhard Schulte.  In dessen 35-Mann-Unternehmen in Berlin-Pankow fangen gleich fünf Azubis an. Mehr als er braucht. Doch er weiß aus Erfahrung: Nicht alle kommen durch. Schulte präsentiert eine Liste der Auszubildenden, die er seit 2006 eingestellt hat - und von denen er einige entlassen musste, andere einfach nicht mehr kamen, und wieder andere nach der Probezeit merkten, dass der Bauberuf doch nichts für sie ist. Von neun Auszubildenden habe nur einer seine Ausbildung beendet, klagt Schulte.

Junge Leute beobachten Schweißarbeiten auf einer Berufsstarter-Börse (dpa-Archivbild)
In der Bauindustrie brechen besonders viele Azubis die Lehre ab

Berlin mit höchster Abbrecherquote

In der Berliner Bauwirtschaft liegt die Abbrecherquote mit 40 Prozent zwar besonders hoch. Aber auch über alle Branchen verteilt hält Berlin im Bundesdurchschnitt einen traurigen Rekord: Laut Bundesinstitut für Berufsbildung bricht jeder Dritte Azubi seine Lehre ab.

Motivation wichtiger als Schulnoten

Das ist ein Problem für viele Betriebe, die es sich nicht leisten können, einen "Azubi auf Vorrat" einzustellen. Deshalb achten viele Firmen inzwischen mehr auf die Motivation der Bewerber als auf die Schulnoten, bestätigt die IHK Berlin. Damit haben Jugendliche, die keinen guten Schulabschluss vorweisen könne, immer bessere Chancen noch eine Lehrstelle im Wunschberuf zu finden.

Zum Beispiel gibt es laut IHK noch freie Plätze auch in beliebten Berufen wie Mikrotechnologe oder Mediengestalter. Am 25. und 26. September führt die IHK eine Nachvermittlung im Berliner Postbahnhof durch.

Beitrag von Bettina Meier

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