
Brandenburger Fischereitag - Fischer zufrieden mit Kormoran-Regelung
Brandenburgs Fischer freuen sich über die neue Fischereiverordnung. Denn danach dürfen sie weiterhin Kormorane abschießen, die sie als Konkurrenten um die Fischbestände betrachten. Eigentlich ist der Kormoran geschützt, die Landesregierung verlängerte aber kürzlich die Abschussgenehmigung. Kritikern geht die Regelung noch nicht weit genug.
Brandenburgs Fischer haben die neue Kormoran-Verordnung des Landes begrüßt. Damit werde der Abschuss von Kormoranen außerhalb der Brutzeit ermöglicht, sagte der Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes, Lars Dettmann, am Mittwoch beim Landesverbandstag in Seddiner See (Potsdam-Mittelmark). Die neue Verordnung erlaube es, die Fischbestände vor größeren Verlusten durch die Vögel zu schützen, so Dettmann.
Die neue Regelung soll am 1. Oktober in Kraft treten. Sie ist auf zwei Jahre befristet, um die Auswirkungen auf die Kormoranbestände und die Schäden für die Binnenfischer einschätzen zu können. Neu darin ist die Ermächtigung des Umweltministeriums, bei unvorhersehbaren Einbrüchen der Kormoran-Brutbestände den Abschuss der Vögel an bestimmten Gewässern untersagen zu können.
Kritikern gehen die Regelungen nicht weit genug. Die oppositionelle FDP-Fraktion warf dem Potsdamer Umweltministerium am Dienstag Wortbruch vor. Der dauerhafte Schutz der Schutz der Fischwirtschaften vor den Kormoranen erfordere eine unbefristete Regelung, sagte der umwelt- und agrarpolitische Fraktionssprecher Gregor Beyer.
Dagegen verteidigte der agrarpolitische Sprecher der Linksfraktion, Michael Luthardt, die neue Regelung. Das Umweltministerium habe mit dem Entwurf eine schwierige Gratwanderung bewältigt, erklärte er. Es gehe um einen Ausgleich zwischen Nutzungs- und Schutzinteressen. Zudem hatte das Ministerium als Begründung für die Einschränkung erklärt, es wolle in diesen zwei Jahren überprüfen, welche Auswirkung die Verordnung auf die Tiere und den Fischereibestand habe.

Abschuss nur mit Berechtigung
Zum Abschuss der Komorane berechtigt sind Fischer mit Jagdschein und bestimmte Jäger. Das gesamte Jahr über dürfen Jungvögel getötet werden, Altvögel nur von Mitte August bis Mitte März.
Seit Anfang der 1990er Jahre ist der Kormoranbestand in Brandenburg stark gestiegen. Gab es 1990 noch 70 Brutpaare, erreichte die Zahl im Jahr 2001 einen Höchstwert von rund 2.800 Paaren, wie aus einer Antwort von Umweltministerin Anita Tack auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht.
Seit 1999 wurden allerdings jährlich Hunderte Kormorane geschossen. In diesem Jahr liegt der Bestand bei rund 1800 Paaren. Für eine gesunde Vermehrung der Art sind nach Ansicht des Naturschutzbundes (NABU) 2.000 Paare erforderlich.
Kormorane galten in Mitteleuropa jahrzehntelang vom Aussterben bedroht und sind heute geschützt. Berufsfischer machen den Wasservogel, der täglich bis zu 500 Gramm Fisch frisst, für sinkende Fangerträge verantwortlich. Naturschützer bezweifeln hingegen, dass die Vögel den Rückgang verursachen. Sie machen stattdessen schlechtere Wasserqualität verantwortlich.

