Das Wort "Courtage" eingekreist in einer Kleinanzeige des Immobilienteils einer Tageszeitung (Bild dpa)

Als Ausgleich für höhere Grunderwerbssteuer - Berliner Senat will Maklergebühren senken

Berlin ist ein gutes Pflaster für Makler: Der Bedarf an Immobilien ist enorm, die Provisionen im bundesweiten Vergleich üppig. Der Senat will das nun ändern - auch, weil er ab 2014 bei Immobilienkäufen noch stärker mitverdienen wird.

Der Berliner Senat will Immobilienkäufern entgegenkommen und die geplante Erhöhung der Grunderwerbssteuer abfedern. Die soll nämlich am 1. Januar 2014 von fünf auf sechs Prozent steigen, wovon sich das überschuldete Land Mehreinnahmen in Höhe von rund 100 Millionen Euro im Jahr erwartet. Im Gegenzug sollen die in Berlin sehr hohen Maklergebühren von rund sieben Prozent ein Stück gesenkt werden. Der Vorschlag dazu kam von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos).

Makler verdienen besonders gut in Berlin

Diese Idee einer "Maklertaxe" soll am Freitag Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) vorstellen. Er war zuvor gebeten worden, die Senkung der Maklergebühr juristisch zu prüfen.

Berlin liegt mit Maklergebühren von 7,1 Prozent zusammen mit Brandenburg bundesweit an der Spitze, dicht gefolgt von Hamburg (6,2). In Bayern und Baden-Württemberg beträgt die bei Käufen fällige Maklerprovision dagegen nur drei Prozent.

Überdurchschnittliche Gebühren müssen gerechtfertigt werden

Nach Angaben aus der Justizverwaltung hat das Land Berlin allerdings keine Gesetzgebungskompetenz, um die Maklergebühren zu deckeln. Deshalb schlage Heilmann "so etwas wie eine unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers" vor, hieß es aus seiner Behörde.

Im bundesweiten Vergleich lägen die Maklergebühren bei rund fünf Prozent, was das Land auch empfehlen werde. Dann müsse der Makler gegenüber seinen Kunden begründen, warum er in Berlin für den Hauserwerb aber sieben Prozent des Kaufpreises haben wolle.

Maklerverband fordert "Ende der Scheindebatte"

Der Ring Deutscher Makler (RDM) bezeichnete die Debatte über Provisionen derweil als "völlig unsachliche Art und Weise Stimmung gegen die Berufsgruppe der Makler" zu machen. In einer Mitteilung auf seiner Webseite verwies der Verband darauf, dass die Maklergebühren bei Immobilienverkäufen vom "Verhandlungsgeschick beider Parteien" abhingen.

Außerdem seien die Berliner Gebühren auch in Baden-Württemberg, Bayern und in großen Teilen von Niedersachsen üblich. Laut RDM erreichen die Provisionen hier bis zu sechs  Prozent. Eine allgemeingültige Übersicht zu Maklerprovisionen in Deutschland gibt es allerdings nicht.

Tatsächlich solle die Debatte nur von der Erhöhung der Grunderwerbssteuer ablenken, so der RDM. Stattdessen sollte der Berliner Senat über den Bundesrat versuchen, auch Immobiliengeschäfte von sogenannten Objektgesellschaften grunderwerbsteuerpflichtig zu machen. Diese kämen vor allem bei "großen Immobilienverkäufen in Größenordnungen von über zehn Millionen Euro" vor. "Die großen Immobilienfonds und Finanzinvestoren wissen sehr gut, wie sie mit ganz legalen Objektgesellschaften ihre Immobilen steuerlich optimieren, so dass sie keine Grunderwerbsteuer zahlen", schreibt der RDM.

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