BASF-Produktionsanlage in Schwarzheide (dpa-Archivbild)

Maßnahmen gegen Fachkräftemangel gefordert - "Die Lausitz hat noch eine Chance"

Die Ergebnisse einer Studie des ifo-Instituts vom Montag sind besorgniserregend: Der Lausitz fehlen in 15 Jahren rund 300.000 Arbeitskräfte. Die Wirtschaftsinitiative Lausitz, die die Studie in Auftrag gegeben hatte, fordert jetzt vereinte Anstrengungen gegen den Fachkräftemangel, denn es bestehe für die Region noch eine Chance.

Vertreter der Wirtschaft in der Lausitz fordern vereinte Anstrengungen, um den drohenden Fachkräftemangel abzuwenden. Man brauche deutlich mehr technischen Fortschritt und höhere Produktivität, um Wachstumschancen und Beschäftigung zu sichern, sagte der Vorsitzende der Wirtschaftsinitiative Lausitz, Hermann Borghorst, am Dienstag dem rbb. Er sehe für die Region noch eine Chance, denn "wir sind vielfältig und deutlich besser aufgestellt als in Ostdeutschland generell".

Der Bergbau wird in der Lausitz weiter dominieren

Der Verein hatte beim ifo-Institut Dresden eine Studie in Auftrag gegeben, die am Montag vorgestellt wurde. Danach fehlen der Lausitz in 15 Jahren rund 300.000 Arbeitskräfte. Die Wissenschaftler plädieren in diesem Zusammenhang dafür, dass alle politischen Akteure in Brandenburg und Sachsen gemeinsam mit der Verwaltung und den Unternehmen an einem Strang ziehen.

"Lausitz hat Strukturnachteile"

Bis zum Jahr 2030 werden laut der Studie 36 Prozent weniger Erwerbstätige in der Lausitz arbeiten. Dieser Rückgang ist weit stärker als der Bundesdurchschnitt (8 Prozent) oder der Gesamtschnitt in den Bundesländern Brandenburg (21 Prozent) oder Sachsen (24 Prozent). 

"Im ostdeutschen Vergleich hat die Lausitz Strukturnachteile, die kaum aufzuholen sind", sagte Felix Rösel, Experte für Finanz- und Förderpolitik beim Ifo-Institut, rbb online. Das Bruttoinlandsprodukt der Region werde bis 2030 um 0,9 Prozent sinken. Es sei kaum realistisch, in Zukunft mit anderen Teilen Brandenburgs und Sachsens mithalten zu können.

Gute Aussichten für Industriestandorte, düstere für ländlichen Raum

Den Industrieregionen wie Spremberg oder Finsterwalde räumen die Wissenschaftler noch die besten Zukunftschancen ein. Die Sektoren Bergbau und Energiewirtschaft werden laut Gutachten weiterhin in der Lausitz dominieren. Aber auch neben der Braunkohle haben sich in den vergangenen Jahren vielversprechende Industriezweige entwickelt: Fast die Hälfte der Industriebeschäftigten in der Region sind heute in den Bereichen Ernährungswirtschaft, Chemie, Metall und Maschinenbau tätig.

Die ländlichen Gebiete dagegen werden dramatisch von den Veränderungen betroffen sein - die Forscher halten sie für "kaum entwicklungsfähig". Die heutige Siedlungsstruktur der Region werde nicht unverändert aufrecht erhalten werden können, heißt es. Die regionalen Unterschiede zwischen Industriestandorten und ländlichem Raum werden sich demnach verschärfen. "Man muss sich überlegen, ob es unter diesen Umständen noch Sinn macht, strukturschwache, abgelegenere Teile der Lausitz wie in der bisherigen Form zu fördern", sagte Felix Rösel.

Bessere Förderung von Forschung und Entwicklung

Um die Folgen des Strukturwandels in der Lausitz zu bekämpfen, empfehlen die Wissenschaftler zum einen bessere Qualifizierungsangebote für Arbeitslose und Arbeitnehmer in der Region. So soll der Fachkräftemangel abgemildert werden. Zum Anderen plädieren sie für eine stärkere staatliche Förderung von Forschung und Entwicklung bei Lausitzer Unternehmen. "Die bisherige Förderung orientiert sich zu stark an einzelnen Branchen. Würde man generell den Schwerpunkt auf Forschung legen, käme das innovativen Unternehmen auf einer breiteren Ebene zugute", so Felix Rösel. In Auftrag gegeben wurde die Ifo-Studie von der in Cottbus ansässigen Wirtschaftsinitiative Lausitz, einem Verein aus Unternehmensvertretern.  

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