Kraftstoffdiebstahl - Unbekannte bohren unterirdische Kraftstoff-Pipeline an
Dass Kraftstoffdiebe auf Parkplätzen unterwegs sind und Tankdeckel aufbrechen, um Kraftstoff zu klauen, ist alles andere als ungewöhnlich. Aber dass sogar eine unterirdische Pipeline zu diesem Zweck angebohrt wird, ist in unseren Breiten neu. Jetzt verursachten Kraftstoffdiebe in Märkisch-Oderland einen Schaden von einer halben Million Euro - von den Umweltschäden ganz abgesehen. Von Gudrun Ruthenberg
Anfang Oktober auf dem Acker eines Landwirtes in Gratze (Märkisch Oderland). Der Bauer bemerkt eine Benzinlache auf seinen Feld und verständigt die Polizei. Und tatsächlich: Die Beamten entdecken ein etwa ein Meter tiefes Loch, aus dem ein Schlauch ragt. In der Nähe liegen eine Schubkarre und Spaten. Die Täter mussten offenbar fluchtartig den Ort verlassen haben.
Zum Zeitpunkt der Tat registrieren Ingenieure im PCK in Schwedt einen Druckabfall in der Leitung, die die Schwedter Raffinerie mit dem Tanklager in Seefeld (Barnim) verbindet. Von diesem Lager aus werden die Tankstellen der Region und Berlins versorgt. Das geschieht je nach Bedarf, indem eine bestimmte Menge Kraftstoff mit Druck in die unterirdische Leitung gepumpt wird. Als der Druckabfall in der Oderstadt bemerkt wird, sperren die Angestellten augenblicklich die Leitung, um Schlimmeres zu verhindern. Den Diebstahl bestätigte die Raffinerie nach einem Bericht der "Märkischen Oderzeitung" vom Mittwoch.
Großer Schaden für die Umwelt
Schwerer als der Verlust von Kraftstoff wiegt für die PCK AG der Schaden für die Umwelt. Nach dem Vorfall zu Monatsbeginn mussten auf dem Acker 5000 Kubikmeter Boden ausgehoben werden. Davon war der geringere Teil, etwa 1000 Kubikmeter, kontaminiert. Er enthielt, zum Glück nur in geringen Mengen, Spuren von Kohlenwasserstoffen. Um an den kontaminierten Boden zu gelangen, mussten aber 4000 Kubikmeter (etwa 250 Container) erstmal abgetragen werden. Dafür ist die PCK AG zuständig, weil es ihre Leitung ist. Und wegen des Ausmaßes kann der Aushub erst in dieser Woche abgeschlossen werden.
Die Ermittlungen der Polizei laufen noch. Und auch PCK kann die genaue Menge gestohlenen Treibstoffs noch nicht genau beziffern. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Raffinerie ein Schaden im sechsstelligen Bereich entstanden ist, wahrscheinlich um die 500.000 Euro.
"Gefahr erwischt zu werden, ist hoch"
Das Unternehmen sieht kaum Möglichkeiten einen solchen Fall zu verhindern. "Personen können und sollen für den Schutz nicht eingesetzt werden. Das wäre zu aufwendig", erklärte die Sprecherin der PCK AG, Vica Fajnor, gegenüber dem rbb. "Wir gehen davon aus, dass ein solcher Fall sich so schnell nicht wiederholen wird. Die Gefahr, dabei erwischt zu werden, dass man gerade eine Pipeline freilegt und dann ein Loch reinbohrt, ist relativ hoch."
Nach Bekanntwerden des Diebstahls war das zuständige Umweltamt des Landkreises MOL gemeinsam mit dem PCK vor Ort, um zu prüfen, ob das Grundwasser verseucht wurde. Sprecher Tobias Seyfahrt schließt eine Grundwassergefährdung aber mittlerweile aus. "Wir haben festgestellt, dass zwischen dem Grundwasserleiter und dem kontaminierten Boden eine undurchlässige Schicht liegt. Dadurch konnten die Gefahrenstoffe nicht ins Grundwasser gelangen. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht da nicht."
Die Ermittlungen der Polizei konzentrieren sich nun auf die vor Ort gefundenen Gegenstände, sowie auf die Befragung der Bevölkerung rund um Heckelberg. Nach Aussagen des ehrenamtlichen Bürgermeisters von Heckelberg, Michael Busch, war im Dorf von der Tat nichts bemerkt worden. Der Fall bleibt mysteriös.


