Video: Abendschau | 07.10.2013 | Beitrag von Reiner Lechner

McKinsey und Senat stellen Studie vor - Berlin glänzt als Gründermetropole

Bereits jetzt steht fest: Berlin gehört zu den Städten in Europa, wo Unternehmensgründer die besten Chancen haben. Nach einer Studie von Ökonomen stehen die Aussichten für die Stadt außerdem gut, zu "der" Gründermetropole Europas aufzusteigen. Damit das gelingt, müsste der Senat allerdings einige Ratschläge beachten.

Berlin könnte zukünftig zur führenden Gründermetropole in Europa werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Wirtschaftsberatungsagentur McKinsey. Sie hat die Bedingungen für Geschäftsstarts und die Möglichkeiten ihrer Entwicklung in Berlin untersucht und nun ihr Fazit vorgestellt. Demnach ist Berlin bereits jetzt die Nummer 1 der deutschen Start-Up-Szene, hat allerdings auch noch viel Entwicklungspotential.

Existenz-Gründer-Büro an der Friedrichstraße (Quelle: dpa)
Die Studie empfiehlt: Existenzgründer brauchen besonders auf sie abgestimmte Angebote

Im Wettbewerb mit Tel Aviv, London, Paris und Moskau

Nach Angaben von McKinsey hat Berlin bereits heute fast dreimal mehr Betriebsgründungen als München. Bis 2020 könnten in der Hauptstadt sogar über 100.000 neue Arbeitsplätze durch Start-ups entstehen, heißt es in der Studie "Berlin gründet - Fünf Initiativen für die Start-up-Metropole Europas".

Auch die für junge Unternehmer so wichtigen Investoren zieht es immer öfter nach Berlin. 2012 steckten deutsche und ausländische Kapitalgeber bereits 133 Millionen Euro in junge Unternehmen der Stadt. Zum Vergleich: Im High-Tech-Land Baden-Württemberg waren es lediglich 24 Millionen Euro, in Bayern 19 Millionen Euro und in Hamburg 14 Millionen Euro. Berlin zählt zu den obersten fünf Prozent der Regionen Europas beim Zuzug neuer Unternehmen aus dem In- und Ausland.

Wowereit betont Chancen

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit betonte bei der Vorstellung der Studie die Bemühungen des Senats, Unternehmer bei der Umsetzung von innovativen Geschäftskonzepten zu unterstützen: "Als Start-up-Metropole stößt Berlin auf größte Aufmerksamkeit. Dieses Momentum wollen wir gemeinsam nutzen, um Berlin wirtschaftlich weiter voranzubringen."

McKinsey zufolge ist es für Berlin von Nutzen, aus den Erfahrungen anderer Gründungszentren wie New York, London oder Tel Aviv lernen zu können. Dort waren in den vergangenen Jahren groß angelegte Programme zur Stärkung der städtischen Gründerszene gestartet worden.

Konkrete Empfehlungen für den Senat

"Um jedoch zu den international führenden Start-up-Standorten aufzuschließen, muss Berlin seine guten Potenziale noch stärker nutzen", sagte Katrin Suder, Leiterin des Berliner Büros der Beratungsagentur. Als Stichworte nannte sie Kapitalbeschaffung in der Wachstumsphase sowie die Vernetzung. Gelänge dies, könnte Berlin im Wettbewerb der europäischen Top-Gründungsstandorte von derzeit Platz fünf hinter Tel Aviv, London, Paris und Moskau deutlich aufholen.

So sollte in Berlin unter anderem eine so genannte "Delivery Unit" also eine zentrale, koordinierende Anlaufstelle geschaffen werden, unterstützt durch den Senat. Auch könnten Studenten und Professoren für das Thema Gründung stärker begeistert werden, zum Beispiel über bessere Anreizsysteme.

Ein weiterer Vorschlag ist ein so genanntes "Gründercurriculum" für eine bessere Abstimmung und Bündelung an Universitäten. Senat und Verwaltung könnten zudem eine mehrsprachige "Start-up-Serviceagentur" gründen. Außerdem von Vorteil: zentral gelegene, flexibel anmietbare Büroflächen, insbesondere für Neugründungen mit digitalen Geschäftsmodellen. Die Finanzierung von Gründungsideen sollte durch "Start-up-Fonds" verbessert und vereinfacht werden. Und: Als fünfte Initiative schlägt McKinsey vor, über den Senat eine Taskforce "Berliner  Unternehmensdialog" einzurichten. Ihre Aufgabe: etablierte Unternehmen mit Gründern zusammenzubringen und sie so für eine Unterstützung zu gewinnen.

Die Studie von McKinsey entstand in enger Kooperation aber nicht im Auftrag des Berliner Senats. Das Unternehmen selbst beschäftigt weltweit 9.000 Berater und zählt zu den anerkanntesten Firmen der Branche.