Windräder vor dunklen Wolken (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 15.10.2013 | Beitrag von Heike Bettermann

Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien auf Rekordniveau - Christoffers fordert gleiches Geld für ungleichen Ökostrom

Betreiber von Solaranlagen, Windrädern und Biogasanlagen erhalten eine über Jahre feste Vergütung. Doch der Strom bringt am Markt immer weniger ein. Nun steigt die Ökostrom-Umlage, die der Verbraucher zu tragen hat, noch einmal drastisch an - und macht deutlich, wie sehr das System, das den Ökostrom befördern soll, in eine Schieflage geraten ist.

Angesichts der Erhöhung der Ökostrom-Umlage hat sich Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) erneut für eine Reform der Förderung der Erneuerbaren Energien ausgesprochen. "Es sollte eine einheitliche Vergütung für die Erzeuger geben, die unabhängig von der Technologie wie Windräder oder Photovoltaik-Anlagen gezahlt würde", sagte der Minister am Rande eines Regierungsbesuchs im polnischen Poznan (Posen).

Die über den Strompreis zu zahlende Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien wurde am Dienstag für 2014 von den vier deutschen Netzbetreibern auf den Rekordwert von 6,24 Cent je Kilowattstunde festgesetzt.

Es brauche ein Gesamtfinanzierungskonzept für die Energiewende, um die Kosten in wirtschaftliche und sozialverträgliche Bahnen zu lenken, meinte Christoffers. Er schlug vor, die Stromsteuer auf europäisches Niveau zu senken, bis ein Konzept erarbeitet sei.

Tausende verschiedene Vergütungskategorien

Betreiber von Solaranlagen, Windrädern und Biogasanlagen erhalten auf 20 Jahre garantiert eine feste Vergütung. Sie ist je nach Anschlussdatum unterschiedlich hoch - inzwischen gibt es rund 4.000 Vergütungskategorien.

Über die Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG-Umlage) wird die Differenz zwischen dem am Markt für den Strom erzielten Preis und dem festen Vergütungssatz auf die Stromkunden abgewälzt. Da die Preise an der Strombörse massiv gefallen sind, wachsen diese Differenzkosten.

Die Umlage liegt derzeit bei 5,277 Cent. Nach der Erhöhung muss ein durchschnittlicher Haushalt 218 Euro im Jahr für die Ökostrom-Umlage bezahlen - das sind 34 Euro mehr als bislang. Hinzu kommt noch die steigende Mehrwertsteuer, sowie höhere Netzentgelte, so dass bei 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox mit 67 Euro mehr zu rechnen ist. Eine Familie mit 4.000 kWh Verbrauch im Jahr muss mit 76 Euro mehr rechnen, für Großfamilien (6.000 kWh/Jahr) können es 112 Euro mehr werden.

Allerdings können die Erhöhungen auch weit geringer ausfallen, da dank des steigenden Ökostromanteils die Preise im Stromeinkauf stark gefallen sind - bisher wird dieser Effekt meist aber nur unzureichend weitergegeben, kritisieren Verbraucherschützer.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Die Linke) (Bild dpa)
Ralf Christophers (Linke)

Wirtschaft kritisiert hohe Belastungen

Die Wirtschaft mahnte eine rasche, radikale Reform an. "Bereits jetzt kostet die EEG-Umlage jeden Tag 56 Millionen Euro, davon trägt die Wirtschaft fast 30 Millionen Euro", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) Markus Kerber.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte eine zügige Reform des EEG. Die Gesamtkosten für die Energiewende müssten anders und fair verteilt werden. Ausnahmen für die Industrie müssten "sachgerecht, zielgenau und öffentlich transparent" gestaltet und die gesunkenen Börsen-Strompreise beim Verbraucher ankommen.

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